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06.06.2015

08:15 Uhr

Glückspille für Frauen

Heiße Wette auf Milliardengewinne mit Sex

VonAxel Postinett, Bert Fröndhoff

Geht es um zufriedenstellenden Sex oder begeisternde Umsätze? Eine Sex-Pille für Frauen erhielt im dritten Anlauf eine Vorabgenehmigung durch die US-Pharmabehörde. Es winken Milliardenumsätze – oder eine Riesenpleite.

Glückspille? Flibanserin von Sprout soll die weibliche Lust auf Sex steigern. ap

Flibanserin

Glückspille? Flibanserin von Sprout soll die weibliche Lust auf Sex steigern.

San Francisco/DüsseldorfEigentlich war das Statement von Dr. Walid Jelad vom Beraterkomitee der US-Pharmabehörde FDA vernichtend: „Es gibt viele Frauen, die leiden. Für viele Frauen wird das Medikament wirken, für viele nicht. Die positiven Effekte sind eher bescheiden, wahrscheinlich weniger als das. Aber damit ist es in guter Gesellschaft mit anderen zugelassenen Medikamenten.“ Mit anderen Worten: Solange es wenigstens keinen Schaden anrichtet soll die sexuelle Stimulanzpille für die Frau ruhig verkauft werden.

Amanda Parrish ist anderer Meinung: „Flibanserin hat für mich und meine Ehe funktioniert“, erklärte die Frau, die für den Hersteller das Produkt getestet hat, bei der Anhörung des Komitees. „Für mich war der Effekt nicht bescheiden, sondern bedeutend." Sie habe so schlicht ihre Ehe gerettet.

Milliarden von Dollar winken

Auch für den Hersteller Sprout wäre der Effekt einer abschließenden Zulassung durch die FDA, die Food and Drugs Administration, Mitte August mehr als bedeutend. Milliarden von Dollar winken, wenn das Produkt auf den Markt kommt. Die Chancen sind gut, dass es nicht nur Frauen für sich kaufen werden, sondern genug Männer ihre Frauen und Partnerinnen dazu drängen werden.

Möglich wäre ein vergleichbarer Erfolg wie ihn Pfizer mit Viagra, der Pille gegen Erektionsstörungen für Männer, erzielt hat. Seit 2003 erwirtschaftet der Pharmariese konstant zwischen 1,6 und zwei Milliarden Dollar pro Jahr damit. Eingeführt wurde Viagra 1998. Die größten Konkurrenten sind heute Cialis von Ely Lilly und Levitra von Bayer. Sprout, gegründet von Cindy und Robert Whitehead, hätte, so wie Pfizer damals, den Vorteil den Markt zunächst alleine zu beherrschen.

Es geht um Flibanserin, das später als „ADDYI“ vermarktet werden soll. Das ist ein Medikament um die weibliche Libido, die Lust auf Sex, zu steigern. Fälschlicherweise als „Viagra für Frauen“ bezeichnet, wurde es ursprünglich erfolglos als ein Antidepressivum entwickelt. Fälschlicherweise als Viagra bezeichnet, weil Viagra ein direktes medizinisch genau definiertes physisches Problem bei Männern angeht. Es steigert nicht die Lust, sondern den Blutstrom in die Genitalien. Flibanserin dagegen zielt direkt auf die Gehirnchemie, nicht auf eine körperliche Fehlfunktion. Es senkt den Spiegel des lusthemmenden Hormons Serotonin und veranlasst die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin und von Noradrenalin. Das soll die Lust auf Sex steigern.

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