Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2017

16:41 Uhr

Glyphosat nicht krebserregend

Wichtiger Erfolg für Monsanto und Bayer

VonSiegfried Hofmann, Thomas Jahn

Mit der Einstufung von Glyphosat als nicht krebserregend sind die Weichen zu einer weiteren EU-Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters gestellt. Ein Erfolg für Monsanto und seinen potenziellen Käufer Bayer.

In Deutschland setzen Landwirte Glyphosat auf etwa 40 Prozent der Ackerflächen ein. dpa

Weit verbreiteter Unkrautvernichter

In Deutschland setzen Landwirte Glyphosat auf etwa 40 Prozent der Ackerflächen ein.

FrankfurtDas meistgenutzte Unkrautvernichtungsmittel der Welt, das Herbizid Glyphosat, ist nach Einschätzung der europäischen Chemikalienagentur Echa nicht krebserregend. Für die Hersteller und Proponenten des Herbizids ist diese Einstufung, die von der Echa am Mittwoch bekanntgegeben wurde, ein wichtiger Erfolg auf dem Weg zu einer dauerhaft verlängerten Zulassung. Denn unter anderem auf Basis der Echa-Analyse werden die Europäische Kommission und die Mitgliedsstatten wohl im Laufe des Jahres entscheiden, ob Glyphosat weiterhin in Europa zugelassen bleibt.

Mit einem globalen Verbrauch von etwa 700.000 Tonen pro Jahr ist Glyphosat das mit Abstand wichtigste Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft. In Deutschland setzen Landwirte das Mittel nach Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in etwa auf 40 Prozent der Ackerflächen ein und verbrauchen 5400 Tonnen pro Jahr. Das entspricht knapp 12 Prozent des gesamten Verbrauchs an Pflanzenschutzmitteln.

Glyphosat - Wie gefährlich ist das Pflanzengift?

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein chemischer Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) und dient der Unkrautvernichtung. Glyphosat kommt weltweit zum Einsatz und wird unter verschiedenen Namen von verschiedenen Firmen vermarktet. Der US-Konzern Monsanto hat Glyphosat in den 70er Jahren zum Pestizid entwickelt.

Warum wird das Mittel so großflächig eingesetzt?

In Europa wird das Mittel beim Anbau von Getreide, Raps, Wein, Oliven und Zitrusfrüchten angewandt, vor allem nach der Ernte. In Deutschland etwa werden 87 Prozent aller Rapsanbauflächen nach der Ernte mit Glyphosat behandelt. Das spart nach Angaben der Hersteller Zeit, Energie und Kosten, weil ein Acker oft nicht mehr umgepflügt werden muss. Ohne das Mittel würden sich die Ernteerträge einiger Pflanzen in Deutschland um fünf bis 40 Prozent verringern, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat.

Warum gibt es Streit?

Der Streit dreht sich um vor allem um mögliche Gesundheitsgefahren des Mittels. Strittig sind nicht nur die Ergebnisse verschiedener Berichte und Studien, sondern die wissenschaftliche Herangehensweise insgesamt, zum Beispiel wann eine Studie glaubwürdig ist.

Welche möglichen Gefahren sind benannt worden?

Bedenken äußerte im März die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC): Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“, erklärte die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende IARC.

Zu welcher Erkenntnis kommen die Behörden in Deutschland und der EU?

Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen zu dem Schluss, dass Glyphosat keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen darstellt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) gab der EU-Kommission deshalb grünes Licht für eine erneute Zulassung von Glyphosat. Über den entsprechenden Vorschlag der Kommission werden die EU-Mitgliedstaaten nun abstimmen.

Wie kann es zu solch unterschiedlichen Einschätzungen kommen?

Darüber gibt es nur Spekulationen. Immer wieder wird behauptet, die Efsa fälle ihre Entscheidungen nicht völlig unabhängig von Industrieinteressen. Im Fall von Glyphosat fehlt dafür aber ein Nachweis.

Das Votum der Echa ist vor allem für den US-Agrochemie- und Saatgutkonzern Monsanto und seinen potenziellen Käufer Bayer wichtig. Denn Monsanto hatte Glyphosat in den 70er Jahren entwickelt und ist nach wie vor größter Produzent des Herbizids. Im letzten Geschäfts erzielte Monsanto immerhin noch rund 3,5 Milliarden Dollar Umsatz oder ein Viertel seiner Gesamterlöse in seinem Geschäftsbereich „Agricultural Productivity“, der im Wesentlichen den Vertrieb von Glyphosat-haltigen Herbiziden umfasst.

Allerdings ist Monsanto längst nicht mehr der einzige Produzent. Denn nachdem das Patent auf den Wirkstoff schon seit etlichen Jahren abgelaufen ist, wird Glyphosat nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen weltweit von mehr als 90 Firmen produziert, darunter alleine gut 50 Firmen in China.

Bayer will Monsanto für insgesamt rund 66 Milliarden Dollar übernehmen, wobei das Hauptinteresse nicht der Pflanzenschutzsparte sondern der weitaus größeren marktführenden Saatgutsparte von Monsanto gilt. Dessen ungeachtet wäre ein Verbot von Glyphopsat ein unangenehmer Rückschlag für den US-Konzern und seinen deutschen Käufer. Dass es dazu kommen könnte, erscheint nach der Echa-Einstufung noch unwahrscheinlicher als zuvor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×