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27.01.2014

13:49 Uhr

GM-Chefin Barra bei Opel

Der Besuch der neuen Dame

Bei ihrem Antrittsbesuch in Rüsselsheim präsentiert die neue General-Motors-Chefin Mary Barra ihre Strategie für Europa und macht den Opelanern Mut. Ein neues Modell soll den Standort zukunftssicher machen.

Mary Barra, die neue Vorstandsvorsitzende von General Motors (GM), besucht das Adam Opel-Haus in Rüsselsheim. dpa

Mary Barra, die neue Vorstandsvorsitzende von General Motors (GM), besucht das Adam Opel-Haus in Rüsselsheim.

RüsselsheimBei ihrem Antrittsbesuch hat Mary Barra, die neue Vorstandsvorsitzende von General Motors, den Mitarbeitern der deutschen Tochter ein Geschenk mitgebracht. „Wir werden die Zukunft des Werkes mit einem neuen Modell sicherstellen“, sagte Barra vor den Opelanern in Rüsselsheim. Derzeit läuft im Opel-Stammwerk das Flaggschiff Insignia vom Band, vom kommenden Jahr an wird in Rüsselsheim auch der Familienwagen Zafira gebaut. Welches neue Modell die Rüsselsheimer bauen sollen, verriet Barra nicht. „Sie können sicher sein, dass dies Hand in Hand gehen wird mit zusätzlichen Investitionen in Deutschland“, sagte sie. Bis 2016 wolle GM vier Milliarden Euro in Deutschland und Europa investieren, damit Opel 23 neue Produkte und 13 neue Motoren auf den Markt bringen könne.

Die Nachfolgerin von Dan Akerson, der ihr im Interview mit dem Handelsblatt kürzlich Starqualitäten bescheinigte, kann für diese Investitionen auch die Rücklagen der vergangenen Jahre zurückgreifen. Nach der Insolvenz im Jahr 2009 ist das Unternehmen mittlerweile zurück in der Erfolgsspur. Das Finanzpolster ist auf mittlerweile 32 Milliarden Dollar angewachsen. Geld, mit dem nun auch der internationalen Konzernumbau finanziert werden soll. Schon im kommenden Jahr wollen die US-Amerikaner wieder zum größten Autohersteller der Welt aufsteigen.

Dabei profitiert Barra auch von den Reformen ihres Vorgängers. Der kürzte die Produktion in den unrentablen Werken in Bochum und Ellesmere, dünnte das Portfolio an Plattformen und Motoren aus - und konzentrierte sich wieder auf Bestseller wie den Silverado Pickup von Chevrolet. Die Sanierung scheint gelungen, jetzt schaltet GM wieder auf Angriff.

Mit Dan Ammann hat Barra erstmals wieder eine Nummer zwei im Konzern aufgebaut. Als Präsident soll er die internationalen Töchter mit Chevrolet und Cadillac wieder auf eine Linie bringen. Bisher agierten diese weitgehend unabhängig. Auch bei Opel soll Ammann eine zentrale Rolle spiele. Als neuer Aufsichtsratschef soll er Steve Girsky ablösen. Nun soll der Opel-Aufsichtsrat über die Personalie abstimmen.

Die neue GM-Chefin hat mit Opel ambitionierte Ziele: Bis 2016 will Barra in Europa wieder Gewinne schreiben. Chevrolet wählt dafür den geordneten Rückzug. Die Rüsselsheimer sollen es richten. „Opel ist eindeutig ein lebenswichtiger Teil unseres Unternehmens“, sagt Barra . Antrieb erhofft sich Opel vor allem von neuen Modellen, etwa der Markteinführung eines neu designten Corsas gegen Ende des Jahres. Auch eine neue Version des Astra, voraussichtlich ab Anfang 2015, dürfte dazu beitragen, dass das Europa-Geschäft von GM wieder die Gewinnschwelle erreiche.

Trotz eines weiter schrumpfenden Marktes konnte das Opel seinen Absatz im vergangenen Jahr bei rund 1,1 Millionen Fahrzeugen immerhin stabil halten. Zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhall baute es den Marktanteil in Europa damit sogar leicht auf 5,61 Prozent aus.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

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