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12.01.2010

07:05 Uhr

GM, Chrysler, Ford

Die Ära der großen Drei ist endgültig beendet

VonMatthias Eberle

GM und Chrysler präsentieren sich in Detroit zwar mit aufgeräumter Bilanz und verbesserten Kostenstrukturen, kämpfen aber nach wie vor mit den Nachwehen ihrer Insolvenz. Während sie schrumpfen, strebt Ford nach neuem Wachstum. Die „Big Three“ sind Geschichte, und bald schon könnten sich im weltgrößten Automarkt sechs mehr oder minder gleichwertige Gegner gegenüberstehen.

GMC - Traditionsmarke von General Motors: Der US-Autoriese muss sich gesundschrumpfen. Reuters

GMC - Traditionsmarke von General Motors: Der US-Autoriese muss sich gesundschrumpfen.

DETROIT. Keine Pressekonferenzen, kein PR-Feuerwerk, keine Aufbruchstimmung: Die staatlich gestützten US-Autokonzerne können bei ihrer Heimatmesse in Detroit nicht dem Eindruck entgegenwirken, dass die gravierenden Marktverschiebungen zugunsten ausländischer Hersteller bereits vorüber sind. Zwar präsentieren sich General Motors (GM) und Chrysler nach ihren Insolvenzverfahren mit aufgeräumter Bilanz und deutlich verbesserten Kostenstrukturen. Beide Hersteller stecken jedoch noch mitten in der Sanierung – und haben bis auf weiteres keine wettbewerbsfähige Modellpalette zu bieten.

Vor zwei Jahren hatte Chrysler, als Höhepunkt eines denkwürdigen Messeauftritts, noch eine Herde Bullen durch die Stadt getrieben und zur Vorstellung einer neuen Version des Pickup-Lasters Dodge Ram Tausende Schaulustige angelockt.

Demonstranten machen die Show

Diesmal übernehmen allenfalls eine Handvoll Demonstranten vor dem Eingang des Cobo Centers die Show: Unweit der Glastürme von GM protestierten sie mit Schildern und einer US-Flagge gegen die Auftritte auf der Messe, die aus ihrer Sicht mit Steuergeldern finanziert werden.

Am Tiefpunkt der Autokrise hatte die US-Regierung im Vorjahr den Finanzkollaps von GM und Chrysler verhindert und mehr als 50 Mrd. Dollar in die maroden Konzerne gepumpt. Viele (Ex-)Kunden revanchieren sich auf ihre Weise und bescheren beiden Konzernen seit Monaten herbe Marktanteilsverluste. Der US-Markt brach im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 10,4 Mio. Autos ein, doch die Staatsunternehmen verloren deutlich mehr: Chrysler hat im Vorjahr einen Verkaufseinbruch von 38 Prozent erlitten, Marktführer GM schnitt nur unwesentlich besser ab.

„Es ist offenbar kein Gütesiegel beim Konsumenten, wenn der Staat mit 50 Milliarden Dollar antritt“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der deutschen Automobilindustrie in Detroit. Selbst US-Branchenexperten beginnen inzwischen, das Ende einer Ära im Autoland Michigan zu beschreiben.

„Die Big Three sind Geschichte“

Die „Big Three“ seien faktisch Geschichte, schreibt Paul Ingrassia in einem aktuellen Meinungsbeitrag für das „Wall Street Journal“. Der renommierte Autojournalist und Pulitzer-Preisträger geht davon aus, dass sich im weltgrößten Automarkt bald sechs mehr oder minder gleichwertige Gegner gegenüberstehen werden: „GM, Ford, Toyota, Honda, Nissan und einer mehr – gegebenenfalls Fiat-Chrysler, Volkswagen oder Hyundai. Jeder dieser sechs wird zwischen acht und 20 Prozent Marktanteil in den USA haben“, prophezeit Ingrassia. Dabei verweist er auf das Geschehen im europäischen Markt, der seit Jahrzehnten eine ähnliche Marktstruktur aufweise.

Kommentare (2)

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GM-Kenner

12.01.2010, 09:28 Uhr

Dass GM keine wettbewerbsfähigen Fahrzeuge zu bieten hat, halte ich doch für ausgemachten blödsinn.

Wer schon einmal in einem Cadillac CTS der neuen Modellgeneration sass und fuhr, der weiss, dass GM ein erst zu nehmender Gegner ist!

Welche Fahrzeuge von GM kann denn der Autor hier ohne Nachsehen aufzählen?

Mir fallen spontan über 50 ein, darunter 5 Hybridfahrzeuge und 5 kleinere Fahrzeuge, die übrigens auch in Europa verkauft werden. Und das erfolgreich.

Van Sand

12.01.2010, 10:31 Uhr

@ GM-Kenner:
Erfolgreich???
Nehmen wir als beispiel die Cadillac-Zulassungen 2009:
bLS: 28
CTS: 32
Escalade: 61

Mit Autos, die den europäischen Geschmack nicht treffen und mit billigem "rebadging" hat GM zumindest in Europa keine Chance...

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