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09.08.2014

01:39 Uhr

GM-Entschädigungsfonds

In einer Woche 63 Anträge wegen tödlicher Unfälle

Seit einer Woche nimmt der Entschädigungsfonds von General Motors Anträge entgegen: 63 gingen bereits ein. Unterdessen geht die Pannenserie weiter. Der US-Autobauer ruft erneut 300 000 Autos in die Werkstätten zurück.

Erneute Rückrufaktion bei General Motors: Diesmal geht es um Mängel an Zündschlössern und Sicherheitsgurten. dpa

Erneute Rückrufaktion bei General Motors: Diesmal geht es um Mängel an Zündschlössern und Sicherheitsgurten.

New YorkIm Zusammenhang mit tödlichen Unfällen wegen defekter Zündschlösser sind beim Entschädigungsfonds von US-Autobauer General Motors innerhalb einer Woche 63 Anträge von Hinterbliebenen eingegangen. Eine Sprecherin des Fonds erklärte, zudem habe man bis Freitagnachmittag 62 Anträge erhalten, in denen Entschädigungen für Verletzungen beantragt worden seien. Nun müsse die Rechtmäßigkeit der Anträge geprüft werden. Der Fonds nimmt seit dem 1. August Anträge entgegen.

Die Rückrufwelle geht unterdessen weiter: Erneut rief das Unternehmen mehr als 300.000 Fahrzeuge wegen diverser technischer Mängel in die Werkstätten zurück. Bei 215.000 Autos des Modells Saturn VUE bestehe die Gefahr, dass der Zündschlüssel herausgezogen werden könne, obwohl er nicht in der Aus-Position stehe, teilte GM am Freitag mit. Mit dem Defekt werden demnach zwei Unfälle mit einem Verletzten in Verbindung gebracht. Die übrigen Rückrufe betreffen Fahrzeuge, bei denen unter anderem Probleme mit dem Sicherheitsgurt und der Bremsflüssigkeit festgestellt wurden.

Der größte US-Autobauer wird seit Monaten von einer Rückrufwelle erschüttert. Weltweit musste GM seit Jahresbeginn mehr als 29 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten holen - ein Rekord in der Branche. Besonders betroffen ist der nordamerikanische Markt. Im Mittelpunkt der Qualitätsmängel steht der Skandal um den verspäteten Rückruf von 2,6 Millionen Fahrzeugen mit defekten Zündschlössern, die während der Fahrt in die Aus-Position springen und so neben dem Motor auch die Elektronik ausschalten können.

Das Rückruf-Debakel von General Motors

13. Februar 2014

GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

25. Februar 2014

GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. In Europa sind einige Tausend Roadster Opel GT betroffen. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

12. März 2014

Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten.

6. März 2014

Barra leitet eine interne Untersuchung ein. Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Sicherheitsbehörde NHTSA überprüft, ob GM den Rückruf verschleppt hat. In US-Medien häufen sich Geschichten von Unfallopfern.

17. März 2014

GM ruft weitere Autos wegen anderer Defekte zurück, etwa wegen Airbag-Ausfällen. Auch aktuelle Modelle sind nun betroffen. Wegen der Zündschlösser gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

19. März 2014

Die US-Regierung bestraft Toyota wegen der Pannenserie 2009/2010. Die Japaner müssen 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Auch hier lautet der Vorwurf, der Konzern habe die Probleme zunächst vertuscht.

29. März 2014

GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

31. März 2014

Der nächste Ruf startet wegen ausfallender Servolenkungen. GM beordert nun wegen diverser Mängel insgesamt 6,3 Millionen Wagen in die Werkstätten. Die Kosten schnellen auf 750 Millionen Dollar hoch, später veranschlagt das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar.

2. April 2014

Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

10. April 2014

GM beurlaubt zwei Ingenieure wegen der Zündschlösser. Zwei Wochen später wird die Entwicklungsabteilung umgebaut und deren Chef scheidet aus. Zwischenzeitlich gehen auch die Personalchefin und der Kommunikationschef.

23. April 2014

GM erklärt, die ersten Ersatzteilpakete mit Zündschlössern versandt zu haben. Nun starten die Reparaturen.

30. Juni 2014

Ein weiterer Rückruf betrifft 8,4 Millionen Wagen weltweit, die meisten davon in den USA. GM zufolge hätten diverse Wagen Defekte. „Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben“, erklärte Firmenchefin Mary Barra in Detroit.

GM hat bislang 16,5 Millionen Fahrzeuge wegen fehlerhafter Zündschlösser zurückgerufen. Bei mindestens 2,6 Millionen Kleinwagen konnte sich die Zündung während der Fahrt ausschalten und das Auto manövrierunfähig machen. Das Unternehmen hat eingeräumt, mehr als ein Jahrzehnt von den Problemen gewusst zu haben. Aber erst in diesem Jahr wurde mit den Rückrufen begonnen.

Mit dem Konstruktionsfehler bringt GM Unfälle mit mindestens 13 Toten in Verbindung. Verbraucherschützer vermuten deutlich höhere Opferzahlen. General Motors wird vorgeworfen, die Lösung des Problems verschleppt zu haben. Offenbar hatten Ingenieure bereits seit dem Jahr 2001 Kenntnis von den defekten Zündschlössern. Dem Unternehmen drohen Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe.

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