Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2013

14:43 Uhr

GM-Offensive in Europa

Girsky macht Opel neuen Mut

VonCarsten Herz

Mutterkonzern GM erteilt einer Opel-Fusion mit Peugeot eine Absage und setzt auf einen neuen Zehn-Jahres-Plan für Europa, um dort wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Rasche Erfolge sind aber nicht in Sicht.

Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende und General Motors Vize Steve Girsky. dapd

Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende und General Motors Vize Steve Girsky.

EisenachDie Ansage ist unmissverständlich. GM-Vizeboss und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky braucht nur einen Satz, um die Planspiele für eine Opel-Übernahme durch den französischen Hersteller Peugeot-Citroen platzen zu lassen. „Opel steht nicht zum Verkauf“, sagte Girsky am Rande einer Firmenveranstaltung in Eisenach. Das GM-Board stehe zur defizitären Tochter. „Wir planen langfristig mit Opel.“ Laut französischen Medienberichten drängt die französische Regierung den angeschlagenen Autohersteller Peugeot-Citroën (PSA), den ebenfalls kriselnden Konkurrenten Opel zu übernehmen.

Girsky, der in Eisenach demonstrativ einen brauen Sweater mit schwarzem Opel-Logo trägt, will davon nichts wissen. Er ist überzeugt, dass es GM gelingen wird, die Rüsselsheimer Tochter nicht nur profitabel, sondern auch wieder erfolgreich zu machen. Ein neuer Zehn-Jahresplan namens Drive 2022 soll nun die Wende bringen. Doch auf rasche Erfolge hofft Girsky nicht. Erst Mitte des Jahrzehnts peilt der Topmanager wieder eine Rückkehr in die Gewinnzone an.

Der Konzern hat in den vergangenen Jahren schon oft seine Zukunft neu geplant, skizziert und diskutiert. Schon Anfang 2010 – der Verkauf an den Zulieferer Magna war gerade gescheitert - ließ Opel wissen, dass der damalige Opel-Boss Nick Reilly einen „umfassenden Zukunftsplan“ vorstelle. Im Mai 2012 kündigte dann der Nachfolger Karl-Friedrich Stracke einen „Deutschland-Plan zur Stärkung von Opel“ an. Es ist die Chronik einer glücklosen Sanierung: Tausende Jobs fielen seitdem weg, doch das Unternehmen drehte sich immer nur im Kreis. Der Absatz ging weiter zurück  - und aus Verlusten wurden weiterhin keine Gewinne.

Doch Drive 2022 soll nun anders sein. „Die früheren Pläne basierten auf teilweise viel zu optimistischen Annahmen“, räumte Girsky ein. Das ist nun nicht mehr der Fall. „Wir planen jetzt konservativ.“ Die Marke wieder aufpoliert und die Fixkosten bis Mitte des Jahrzehnts um 500 Millionen Dollar reduziert werden, lautet die Vorgabe. 

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Was das heißt, bekam das Werk in Bochum bereits zu spüren. Mitte Dezember hatte das Management angekündigt, das Werk mit mehr als 3000 Beschäftigten 2016 zu schließen. Der neue Opel-Werksplan, der sich nun abzeichnet, baut nur noch auf zwei Produktionswerken in Deutschland auf: das Stammwerk Rüsselsheim sowie Eisenach, wo Opel gestern offiziell den Startschuss für die Serienfertigung des neuen Kleinstwagens Adam fiel. Opel-Eisenach-Betriebsrat Harald Lieske rechnet nach gegenwärtigem Stand mit einer Auslastung des Werks zu zwei Dritteln. Damit liefen zwischen 120.000 und 130.000 Autos pro Jahr in Thüringen vom Band.

Astra OPC im Handelsblatt-Autotest: Der Opel mit dem Turbo-Boost

Astra OPC im Handelsblatt-Autotest

Der Opel mit dem Turbo-Boost

Jeder Popel fährt 'nen Opel. Das war einmal. Die Zeiten des Kadetts sind vorbei. Opel ist längst keine Marke mehr für Opas. Glauben Sie nicht? Dann fahren Sie mit uns eine Runde im schnellsten Opel aller Zeiten.

Das Stammwerk in Rüsselsheim, wo derzeit noch das Mittelklasse-Modell Insignia und der Kompaktwagen Astra vom Band laufen, soll nach Vorstellungen von Opel-Interimschef Thomas Sedran mittelfristig sogar mit drei Schichten voll ausgelastet werden. Überlegungen, dafür die Mittelklasse von PSA ebenfalls auf dem Opel-Band zu bauen, sind allerdings vom Tisch.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

APO-Man

10.01.2013, 15:03 Uhr

So, mit diesem Bericht kann die Akte Opel also vorerst geschlossen werden: GM verkauft nicht und erst einmal sind keine weiteren Werksschließungen geplant.
Stürzen wir uns nun also auf andere Problemkinder: Was ist eigentlich mit Mercedes?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×