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01.03.2012

06:59 Uhr

GM-Peugeot

Die Hochzeit der schwachen Autoriesen

VonCarsten Herz, Thomas Hanke, Thomas Jahn

General Motors und PSA Peugeot Citroen feiern ihre neue Allianz. Doch die Partnerschaft der Autoriesen ist nur eine Notgemeinschaft, um das Europageschäft wieder profitabel zu machen.

Peugeot und GM heiraten aus Schwäche. AFP

Peugeot und GM heiraten aus Schwäche.

Frankfurt/Paris/New YorkVoll zufrieden zeigten sich die neuen Partner GM und PSA nach Abschluss ihrer Allianz in New York: „Die Partnerschaft birgt enorme Chancen“, betonte GM-Boss Dan Akerson. PSA-Boss Philippe Varin sprach von einem „herausragenden Moment“ für beide Konzerne.

Nach langen Verhandlungen haben sich die Unternehmen gestern nach Börsenschluss auf eine globale Allianz geeinigt. Dazu steigt GM im Zuge einer Kapitalerhöhung über eine Milliarde Euro von PSA mit sieben Prozent bei dem französischen Autobauer ein und wird zum zweitgrößten Aktionär der Franzosen nach der Peugeot-Familiengruppe, deren Anteil von 30 auf 25 Prozent sinkt. Die Unternehmen wollen ihren Einkauf weltweit bündeln und gemeinsame Fahrzeugarchitekturen, Komponenten und Module nutzen. Die Synergien daraus sollen sich nach fünf Jahren auf jährlich zwei Milliarden Dollar belaufen.

Vor allem bei Klein- und Mittelklassefahrzeugen sehen die Konzerne Potenzial. Die beiden Unternehmen erwägen darüber hinaus, eine neue gemeinsame Architektur für Automobile mit besonders niedrigen Emissionen zu entwickeln. Das erste gemeinsam entwickelte Auto soll 2016 starten. Die Kooperation sieht auch integrierte Transport- und Logistikketten vor. Weitere Möglichkeiten würden ausgelotet.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Es ist eine Notgemeinschaft zweier Unternehmen, die zu den Verlierern des Autojahrs 2011 zählen. Opel brockt der Konzernmutter in Detroit seit Jahren Verluste ein, die sich auf Milliardenbeträge summieren. Auch Peugeot steckt in der Krise. 2011 machte der Konzern im Autobereich einen Verlust von 430 Millionen Euro. Rentable Konzernteile wie das Logistikgeschäft sollen teilweise verkauft werden.

Die Allianz ersetze nicht die unabhängig voneinander verfolgten jeweiligen Bemühungen, im Europageschäft wieder nachhaltig profitabel zu sein, räumte Akerson ein. Unmittelbar werde die Produktion der beiden Gruppen nicht betroffen. Langfristig ist aber denkbar, dass Opel-Modelle bei PSA produziert werden oder umgekehrt, wie Varin dem Handelsblatt bestätigte: „2016 werden wir die Ergebnisse unserer gemeinsamen Plattform-Entwicklung haben. Da einige Werke wettbewerbsfähiger sind als andere, kann das Folgen für die Verteilung der Produktion haben.“

Kommentare (4)

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Harry_f

01.03.2012, 08:05 Uhr

Vielleicht hätte man erst einmal die eigenen Kunden fragen sollen. Ich fahre aus Überzeugung Citroen. Wenn die Fahrzeuge jetzt mit Opel-Teilen "aufgepeppt" werden, dann ist das nicht mehr meine Marke. Wenn ich ein GM-Fabrikat gewollt hätte, hätte ich mir ja eines kaufen können.
PSA hat sich hier selbst das Grab geschaufelt. Schade, bin gerne Citroen gefahren.

Account gelöscht!

01.03.2012, 08:48 Uhr

Es gibt nur einen Weg einen Autokonzern profitabel zu machen. Gute Autos zu bauen, die der Markt will. Und dazu sind die hohen Herren in diesen Firmen offensichtlich nicht fähig. Alles Andere ist nur Geschwätz und führt, sofern dieser Faktor nicht real ist, zu gar nichts! Überkapazitäten sind übrigens auch die Folge rückgängiger Verkaufszahlen.

Aquentus

01.03.2012, 10:00 Uhr

Aquentus:
Laut Angaben des Handelsblattes (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autoindustrie-sind-die-patente-von-gm-und-opel-unzertrennlich/3125524.html) wurden die Patente und das Know-How von Opel an GM für 1,8 Mrd.€ an GM verkauft und als Gegenleistung gab es nicht mal Cash sondern einen Schuldschein. Der Payback für GM ist weniger als drei Jahre da (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/lizenzen-teure-trennung-opel-zahlt-milliarden-an-gm/3192164.html) Opel zur Zeit ca. 800 Mio € pro Jahr für die Nutzung dieser Patente zahlt. Welches unabhängiges Unternehmen würde so einen Vertrag eingehen, insbesondere wenn man nur in Europa agieren darf und nun das formals eigene Know How weltweit vermarket wird und hier Chance auf eigene Lizenzgewinne genommen wurden. Somit ist Opel schlechter gerechnet als es ist. Dann werden genügend "Serviceleistungen" in Rechnung gestellt sein um weitere Kosten in Opel zu plazieren. Schade finde ich es dass selbst das Handelsblatt auf solche offensichtlichen Punkte in der Kommentierung nicht eingeht.

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