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23.10.2014

14:49 Uhr

GM-Quartalszahlen

Opel fährt neue Millionenverluste ein

VonLukas Bay

In den USA und China laufen die Geschäfte für General Motors rund. Doch die Verluste von Opel und Chevrolet im Europageschäft summieren sich für den US-Autoriesen derzeit auf fast eine Milliarde Dollar.

Marketingstrategie

Umparken im Kopf - Umdenken bei Opel

Marketingstrategie: Umparken im Kopf - Umdenken bei Opel

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DüsseldorfEigentlich könnte General-Motors-Chefin Mary Barra zufrieden sein. Trotz umfangreicher Rückrufaktionen kann der größte US-Autobauer seinen Gewinn im dritten Quartal auf 1,38 Milliarden Dollar (1,09 Milliarden Euro) verdoppeln, das teilte der Konzern am Donnerstag mit. Auch der Umsatz kletterte geringfügig auf 39,3 Milliarden Dollar. Damit schlägt GM sogar die Erwartungen der Analysten. Doch Sorgenkind bleibt das Europageschäft, das größtenteils von Opel bestritten wird.

Der operative Verlust belief sich in Europa allein im dritten Quartal auf 387 Millionen Dollar. Über das gesamte bisherige Jahr gesehen fahren Opel und Chevrolet in Europa damit gemeinschaftlich einen Verlust von 976 Millionen Dollar (770 Millionen Euro) ein – und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Erklärt werden die schlechten Zahlen vor allem mit dem schwachen Geschäft in Russland und den Kosten der Umstrukturierung. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter, das Handelsblatt Online vorliegt, nimmt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann Stellung zu den Zahlen und gibt sich kämpferisch: „Unser Ergebnis in Europa liegt auch im dritten Quartal im Plan. Wir schlagen uns sogar etwas besser als Anfang des Jahres erwartet.“

Opel kann zwar im Quartal tatsächlich leicht auf 253.000 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Doch insgesamt schwächelt das Europageschäft von GM auch beim Absatz. Schuld ist vor allem die Schwestermarke Chevrolet, die sich sukzessive aus Europa zurückziehen soll. Im dritten Quartal verkaufte sie nur noch 31.000 Fahrzeuge, rund zwei Drittel weniger als im Vorjahr. Unterm Strich verliert General Motors damit in Europa weitere Marktanteile – von 7,7 Prozent im Vorjahreszeitraum sackte der Anteil auf 6,8 Prozent ab.

Der Umbau des Europageschäfts belastete das Ergebnis im Quartal mit 200 Millionen Euro, operativ konnten die Verluste also leicht reduziert werden. Um wieder profitabel zu werden, versucht Opel derzeit die Produktion neu zu ordnen: Das kompakten SUV Mokka wird von Korea ins spanische Saragossa verlegt. Das Opel-Werk in Bochum wird zum Jahresende geschlossen, die Zafira-Produktion übernimmt das Stammwerk in Rüsselsheim. Dafür wechselt die Produktion des Opel Astra mit der neuen Generation von Rüsselsheim ins polnische Gliwice. So will der Konzern die Auslastung erhöhen, die derzeit zu gering ist, um Gewinne zu machen.

Auslastung der Opel-Werke

Saragossa (Spanien)

In seinem spanischen Werk produziert Opel den Corsa und den Meriva. Bald soll auch noch der Kompakt-SUV Mokka hier gebaut werden. Mit einer Kapazität von 480.000 Fahrzeugen und einer Produktion von 300.000 Fahrzeugen ist das Werk zu zwei Dritteln ausgelastet und beschäftigt derzeit rund 5.800 Mitarbeiter.

Rüsselsheim (Deutschland)

Im Stammwerk von Opel werden der Insignia und der Astra gebaut. Mit dem Modellwechsel im kommenden Jahr soll der Astra allerdings nach Polen wandern, dafür kommt der Zafira aus dem Werk in Bochum. Die Auslastung muss dann dringend steigen. Denn derzeit liegt die Kapazität des Werks bei 280.000 Fahrzeugen - und die wird nur zu 54 Prozent ausgelastet.

Eisenach (Deutschland)

Das Werk mit seinen 1.600 Mitarbeitern ist die Kleinwagen-Hochburg von Opel. Hier werden der Corsa und der Adam gebaut. Was die Auslastung betrifft steht kein Opel-Werk derzeit besser da. Die Kapazität von 170.000 Fahrzeugen wird zu 71 Prozent ausgenutzt.

Bochum (Deutschland)

Das Werk soll zum Ende des Jahres schließen - noch arbeiten rund 3.200 Opelaner am Standort und bauen den Zafira und den Astra. Ausgelastet wird die Kapazität von 180.000 Fahrzeugen nur zu 52 Prozent.

Gliwice (Polen)

Das polnische Werk mit seinen 3000 Angestellten soll einer von zwei Standorten für die neue Astra-Generation werden - und muss dringend besser ausgelastet werden. Derzeit liegt die Auslastung bei mageren 43 Prozent bei einer Kapazität von 208.000 Fahrzeugen.

Ellesmere Port (Großbritannien)

Der zweite große Astra-Standort ist das Werk in Großbritannien, wo Opel derzeit 1.180 Mitarbeiter beschäftigt. Die Auslastung ist auch hier noch unprofitabel. Bei einer Kapazität von 188.000 Fahrzeugen liegt sie bei 43 Prozent.

Neben der schwierigen Situation bei der Auslastung belastet auch die Entwicklung des russischen Marktes das Ergebnis. Nach Zahlen der Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) schrumpfte der Opel-Absatz in Russland von Januar bis September um 21 Prozent auf knapp 47 500 Fahrzeuge - und damit noch schneller als der ohnehin einbrechende Markt. Darum wird nun in den Werken gespart: 500 Mitarbeiter des Werks in Sankt Petersburg sollen gehen. „Wir passen die Struktur unseres Russland-Geschäfts derart an, dass wir auch von einer Wiederbelebung des Marktes schnell profitieren können“, erklärte Opel-Chef Neumann.

Kommentare (3)

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Herr Bernd Greb

23.10.2014, 15:30 Uhr

Wenn alleine 60.000 Chevrolet-Fahrzeuge weniger - durch den
von GM beschlossenen Rückzug in EU - verkauft wurden, dann wäre dieser Aspekt gesondert schon für (60.000 Autos x 15.000,- €/Einheit im Durschschnitt) 900 Mio. Euro weniger Umsatz verantwortlich.

Frau Pia Paff

23.10.2014, 15:33 Uhr

Nächstes Jahr ist Job Hopper Neumann weg.
Für den VW Konzern in China kläglich versagt. Imer auf der Durchreise. Von einem Rauswurf zum nächsten. Findet aber immer wieder etwas.

Herr Wolfgang Trantow

23.10.2014, 19:15 Uhr

Das ist das Ergebnis der Qualitätsarbeit der Manager. Hr. Schwarz ist das Vorbild!

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