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18.06.2014

20:02 Uhr

GM-Rückrufaktionen

US-Abgeordnete nehmen Mary Barra in die Mangel

General Motors hat wegen diverser Mängel 20 Millionen Wagen in die Werkstätten gerufen – es waren sogar Menschen ums Leben gekommen. Nun stellen US-Abgeordnete unangenehme Fragen: Was wussten die Topmanager?

GM-Chefin Mary Barra vor dem Kongressausschuss: „Das Topmanagement hatte kein Wissen von diesen Dingen.“ Reuters

GM-Chefin Mary Barra vor dem Kongressausschuss: „Das Topmanagement hatte kein Wissen von diesen Dingen.“

WashingtonDie seit Jahresbeginn amtierende GM-Chefin Mary Barra muss sich im Zündschloss-Skandal die Frage nach ihrer eigenen Rolle gefallen lassen. Abgeordnete wollten am Mittwoch bei einer Kongressanhörung in Washington wissen, wie ein gefährlicher Defekt mehr als zehn Jahre lang ignoriert werden konnte. Bei Unfällen mit Kompaktwagen, die bei voller Fahrt ausgingen, starben nach GM-Angaben 13 Menschen. Verbraucherschützer gehen von mehr als 300 Toten aus.

Zwar habe ein GM-Bericht die Verfehlungen einzelner Mitarbeiter aufgeführt, jedoch habe der Bericht nicht geklärt, wer letztlich an der Spitze verantwortlich gewesen sei, sagte die Abgeordnete Diana DeGette. Sie merkte an, dass Barra vor ihrer Berufung zur Konzernchefin die Entwicklungsabteilung geleitet habe und damit auch zuständig für die Fahrzeugsicherheit gewesen sei. Auch wenn Barra selbst nichts gewusst habe, so seien Mitarbeiter informiert gewesen.

Barra beharrte bei ihrem dritten Auftritt vor einem Kongressausschuss darauf, erstmals im Dezember vergangenen Jahres von den Problemen erfahren zu haben. „Das Topmanagement hatte kein Wissen von diesen Dingen.“ Im Januar dieses Jahres übernahm sie den Chefposten. Kurz darauf stieß sie eine Reihe von Rückrufen an, die mittlerweile 20 Millionen Wagen weltweit umfassen und den Opel-Mutterkonzern veranschlagte 2 Milliarden Dollar kosten werden.

Das Rückruf-Debakel von General Motors

13. Februar 2014

GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

25. Februar 2014

GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. In Europa sind einige Tausend Roadster Opel GT betroffen. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

12. März 2014

Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten.

6. März 2014

Barra leitet eine interne Untersuchung ein. Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Sicherheitsbehörde NHTSA überprüft, ob GM den Rückruf verschleppt hat. In US-Medien häufen sich Geschichten von Unfallopfern.

17. März 2014

GM ruft weitere Autos wegen anderer Defekte zurück, etwa wegen Airbag-Ausfällen. Auch aktuelle Modelle sind nun betroffen. Wegen der Zündschlösser gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

19. März 2014

Die US-Regierung bestraft Toyota wegen der Pannenserie 2009/2010. Die Japaner müssen 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Auch hier lautet der Vorwurf, der Konzern habe die Probleme zunächst vertuscht.

29. März 2014

GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

31. März 2014

Der nächste Ruf startet wegen ausfallender Servolenkungen. GM beordert nun wegen diverser Mängel insgesamt 6,3 Millionen Wagen in die Werkstätten. Die Kosten schnellen auf 750 Millionen Dollar hoch, später veranschlagt das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar.

2. April 2014

Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

10. April 2014

GM beurlaubt zwei Ingenieure wegen der Zündschlösser. Zwei Wochen später wird die Entwicklungsabteilung umgebaut und deren Chef scheidet aus. Zwischenzeitlich gehen auch die Personalchefin und der Kommunikationschef.

23. April 2014

GM erklärt, die ersten Ersatzteilpakete mit Zündschlössern versandt zu haben. Nun starten die Reparaturen.

30. Juni 2014

Ein weiterer Rückruf betrifft 8,4 Millionen Wagen weltweit, die meisten davon in den USA. GM zufolge hätten diverse Wagen Defekte. „Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben“, erklärte Firmenchefin Mary Barra in Detroit.

Die Firmenkultur bei GM sei darauf ausgerichtet gewesen, dass niemand Verantwortung übernommen habe, sagte der Abgeordnete Fred Upton. „Das System hat versagt und Leute sind gestorben. Dies hätte vermieden werden können.“ Barra räumte Versäumnisse ein, erklärte aber, Maßnahmen ergriffen zu haben wie die Trennung von 15 Mitarbeitern. „Das war ein starkes Signal....Wir tun viel.“

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