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10.04.2013

16:23 Uhr

GM will Milliarden für Opel geben

„Wir sind jetzt wieder die Angreifer“

ExklusivDie Spitze von General Motors besucht die deutsche Tochter Opel. Der US-Autobauer verspricht die Milliardeninvestitionen. Damit bläst der neu Chef Neumann zur Attacke, doch die Politik ist bei GM skeptisch.

Hilfe für die Krisentochter

GM öffnet Geldhahn für Opel

Hilfe für die Krisentochter: GM öffnet Geldhahn für Opel

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RüsselsheimMit Milliardeninvestitionen will GM-Chef Dan Akerson die angeschlagene Tochter Opel wieder auf die Erfolgsspur führen. Der US-Konzern werde bis 2016 vier Milliarden Euro in Deutschland und Europa investieren, sagte Akerson am Mittwoch in Rüsselsheim: „Als weltweit agierendes Automobilunternehmen braucht GM eine starke Präsenz in Europa - sowohl bei Design und Entwicklung als auch bei Fertigung und Verkauf.“ Opel genieße die volle Unterstützung des Mutterkonzerns, sagte Akerson nach einem Treffen der GM-Spitze mit der Opel-Führung.

Am Ende der Autofertigung im Werk Bochum Anfang 2015 hält GM unterdessen fest. Konzern-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky sagte, er bedauere das Votum der Mitarbeiter in Bochum gegen den in monatelangen Verhandlungen ausgearbeiteten Sanierungsplan: „Aber wir akzeptieren die Entscheidung.“

Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug begrüßte die Entscheidung GMs zu der Milliardeninvestition in Opel. Vor einigen Jahren wäre es noch kaum denkbar gewesen, eine solch "unmissverständliche Unterstützung des GM-Verwaltungsrates" zu bekommen. GM helfe Opel damit in "schwierigen Zeiten". Opel dürfe "nicht langfristig in dem Gefängnis von sechs Prozent Marktanteil gefangen bleiben".

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Den Bundesländern Hessen und Thüringen reicht die bisher zugesagte Unterstützung durch GM für Opel nicht aus. „Was weiterhin fehlt, ist, dass General Motors endlich Opel von seinen ,Fesseln' befreit und es ermöglicht wird, Opel-Fahrzeuge weltweit, ohne Restriktionen zu verkaufen“, sagte Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) dem Handelsblatt. Nur wenn Opel diese Restriktionen los sei, sei es auch möglich, Marktchancen weltweit wahrzunehmen, sagte Rentsch.

Ähnlich äußerte sich auch Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD). „Opel muss endlich die Möglichkeit bekommen, auf den internationalen Wachstumsmärkten in Asien und Südamerika präsent zu sein. Diesen Weg muss General Motors aktiv unterstützten“, sagte Machnig. Gerade moderne Kleinwagen wie der Adam, der in Eisenach produziert werde, hätten eine gute Chance auf den neuen Wachstumsmärkten. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, es gebe begründete Hoffnung für Opel, wieder zu wachsen. Angesichts der Zusagen von GM sei das Land Hessen zwar „nicht euphorisch, aber sehr dankbar“.

GM setzt in Europa seit Jahren Geld in den Sand, alleine 2012 stand ein operativer Verlust von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) in den Büchern. Die angekündigten Investitionen sollen als Teil des Wachstums- und Sparprogramms „Drive 2022“ vor allem in neue Modelle und Motoren fließen. Damit will das Unternehmen auf dem schrumpfenden europäischen Markt Anteile zurückgewinnen.

Kommentare (10)

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scharfschuetze

10.04.2013, 16:25 Uhr

Oh immer diese Ami-Großmäuler!
Seit -zig Jahren kriegen sie nix mehr auf die Reihe und wechseln die Chefs schneller als andere Leute die Unterwäsche. Machen einen Laden nach dem andern zu und wollen im Notfall dann unser Geld für ihre Versäumnisse.
Und kaum haben sie dann mal wieder nen Heiermann im Sack, spucken sie große Töne.

Rhoenblick

10.04.2013, 17:02 Uhr

Ein klares Signal von GM. Der Betriebsrat von Bochum lag und liegt völlig falsch. Die Gewerkschaftsmitglieder müssen erkennen, dass Rainer Einenkel sich und sein Urteilsvermögen völlig falsch eingeschätzt hat. Wortgewaltig erging sich Einenkel in Interviews in Vermutungen und Annahmen, fern von der Realität. Einenkel hatte den in zähen Verhandlungen ausgehandelten Tarifvertrag zur Sanierung des angeschlagenen Autobauers abgelehnt und die Belegschaft im Ruhrgebiet auf seine Seite gebracht. Als einziges Werk in Deutschland lehnte Bochum den Vertrag ab, der am Mittwoch in Kraft getreten ist. Solche Opelaner wie Einenkel et al. sind verantwortlich für die ewigen Quälereien bei Opel. Aber es ist natürlich einfacher einen antiamerikanischen Reflex auszulösen, als konstruktiv sich einzuordnen. Nun, Reflexe sind entwicklungsgeschichtlich primitive Verhaltensweisen. Rainer Einenkel muss weg – dann hat Opel frei Bahn! Der "Scharfschütze" liegt völlig falsch - ein typischer deutscher Schuss aus der Hüfte - der einmal mehr fehl geht: Wer die Opel-geschichte kennt, weiss, dass es ohne GM, ohne die USA Opel schon lange nicht mehr geben würde.

btw

10.04.2013, 17:02 Uhr

GM greift an:
Was denn noch?
Reicht es nicht das eigene Image in Europa vollkommen verhunzt zu haben?

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