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03.05.2016

15:17 Uhr

Golf TDI

VW kommt bei Diesel-Rückruf weiter kaum voran

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Gerade einmal einige Tausend VW-Diesel konnten bislang von der Betrugssoftware befreit werden. Daran ändert auch der Rückruf der ersten Golf-Modelle noch nichts.

VW informiert Kunden schriftlich, dass ihr Fahrzeug nun umprogrammiert werden kann. dpa

Rückrufaktion Volkswagen im Abgasskandal

VW informiert Kunden schriftlich, dass ihr Fahrzeug nun umprogrammiert werden kann.

WolfsburgNach einer monatelangen Hängepartie hat VW im Abgas-Skandal mit dem Rückruf beim Golf begonnen. Allerdings können vorerst nur wenige Modelle des Verkaufsschlagers für die Umrüstung in die Werkstatt: Zunächst sollen von Dienstag an die Besitzer von europaweit 15 000 Autos vom Typ Golf TDI Blue Motion per Post über die vorgezogene Software-Umrüstung informiert werden.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gilt der Rückruf in Deutschland damit für knapp 4000 Golf der sechsten Generation. Genaue Zahlen und Angaben zu den Modellen wollte VW zunächst nicht veröffentlichen.

US-Umweltfonds und Dieselgate: Wohin mit den VW-Milliarden?

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VW muss in den USA einen Fonds für grüne Technologien einrichten. Doch was soll mit dem Geld eigentlich passieren? Auto-Manager, Umweltverbände und selbst Elon Musk haben da ihre ganz eigenen Vorstellungen.

Der Konzern hatte sich mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf die neue Planung geeinigt, weil es beim ursprünglichen Zeitplan massive Probleme gibt. Für den eigentlich bereits ab Ende Februar vorgesehenen Start der Werkstattbesuche für rund 160.000 Passat-Modelle fehlt trotz umfangreicher Tests nach wie vor eine Freigabe durch das KBA.

Zeitgleich zu den Briefen an die Kunden schaltete VW am Dienstag auch das für die Software-Umrüstung benötigte Update für die etwa 2000 Vertragswerkstätten frei. „Grundsätzlich sind sie dann ab sofort in der Lage, die Aktion bei den Modellen durchzuführen“, sagte ein VW-Sprecher. Das Update gilt aber nur für ausgewählte Modelle des Golfs mit 2,0 Liter-Motor und Schaltgetriebe. Die große Masse des weltweit meistverkauften VW-Modells mit der Betrugssoftware muss damit weiter auf den Rückruf warten.

Stunde der Wahrheit bei VW

Was fordert Breyer konkret?

Der Richter erwartet einen Plan zur Umrüstung der etwa 580.000 Dieselwagen, die in den USA von der Affäre um manipulierte Emissionswerte betroffen sind. Er will die Fahrzeuge mit illegal überhöhtem Schadstoff-Ausstoß nicht länger auf US-Straßen sehen. Breyer fordert „spezifische und detaillierte“ Vorschläge, wie die Betrugsprogramme beseitigt werden. Sonst kann er unter Androhung von Strafen anordnen, die betroffenen Autos aus dem Verkehr zu ziehen.

Was ist daran so problematisch?

Eine Umrüstung aller Dieselfahrzeuge gilt als unmöglich, das haben Vertreter der US-Umweltbehörden bereits klargemacht. Vor allem bei den Modelljahren 2009 bis 2013, die veraltete Motoren und den höchsten Abgasausstoß haben, gibt es offenbar keine Lösungen. Ein Ausbau der „defeat device“ genannten Manipulations-Software könnte zudem zulasten anderer Faktoren wie Spritverbrauch oder Motorleistung gehen. Diese Probleme hat VW auch beim Passat-Rückruf in Deutschland.

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma?

VW könnte diejenigen Diesel zurückkaufen, die nicht repariert werden können. Konzernintern geht man von mindestens 100.000 Wagen aus, doch es könnten auch deutlich mehr werden. Es geht um viel Geld: Entscheidend wären bei einem Rückkauf die Restwerte und die Anzahl der Fahrzeuge – aber die Kosten würden selbst bei einem günstigen Szenario in die Milliarden gehen. Und fraglich ist, ob alle Besitzer ihre Wagen abgeben wollen. Als Alternative zu Rückkäufen gelten deshalb auch Geldauflagen für VW, um die Autos im Betrieb zu halten.

Was kommt sonst noch auf den Konzern zu?

Um eine Einigung mit der EPA zu erzielen, wären weitere teure Zugeständnisse wie die Einrichtung von US-Umweltfonds denkbar. Ansonsten drohen hohe Strafen für Verstöße gegen US-Gesetze. Allein eine Zivilklage des Justizministeriums fordert Bußgelder über 45 Milliarden Dollar (knapp 40 Mrd Euro). Hinzu kommen Hunderte weitere Klagen von Autobesitzern, aber auch von anderen US-Behörden. Bislang hat VW 6,7 Milliarden Euro für „Dieselgate“ beiseite gelegt.

Was wäre daran so gefährlich?

Volkswagens Strategie, mit den privaten Klägern und der US-Regierung Vergleiche zu schließen, würde sich so zerschlagen. Der Konzern setzt bislang alles daran, das riesige Verfahren im vorprozessualen Stadium zu halten und zu nutzen, um außergerichtliche Kompromisse zu erreichen. Dafür hat VW unter anderem den Staranwalt Ken Feinberg angeheuert. Diese Taktik ist durchaus gängig im US-Recht – nur in Ausnahmen kommt es in solchen Fällen wirklich zum Prozess.

Warum steht VW so unter Druck?

Das Unternehmen hat in den USA auch sieben Monate, nachdem der Skandal ins Rollen kam, keine Lösung. Der Geduldsfaden von Richter Breyer ist strapaziert. Zudem haben die VW-Manager wiederholt mit unglücklichen Aussagen für Unmut im Land gesorgt. Vorstandschef Matthias Müller wird vorgeworfen, die Affäre als ein „technisches Problem“ verharmlost zu haben. VW bewegt sich auf sehr dünnem Eis - es droht neben den Zivilklagen auch noch ein strafrechtliches Verfahren, und die US-Justiz ermittelt weiter auf Hochtouren.

Nachdem im vergangenen September der weltweite Abgas-Skandal bei Volkswagen bekannt geworden war, hatten die Wolfsburger 2016 zum „Jahr des Rückrufs“ ausgerufen. Doch der Rückrufplan ist in den ersten vier Monaten alles andere als glatt verlaufen.

Nachdem im Januar der Pick-up Amarok – rund 8500 Modelle sind hier betroffen – noch planmäßig startete, muss der anschließend angesetzte Passat bis heute auf die KBA-Freigabe warten. Offizielle Begründungen gibt es keine. Nach dpa-Informationen sind unter anderem erhöhte Kraftstoff-Verbrauchswerte nach dem Update dafür verantwortlich.

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