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25.04.2013

18:48 Uhr

Grafitspezialist

SGL forciert Joint-Venture-Pläne in China

Elektroden für die Stahlproduktion mit Strom sind das Kerngeschäft von SGL. Die Wiesbadener sondieren derzeit den Markt in China – und sind zu einem Joint Venture bereit, denn mehr Kapazitäten verträgt der Markt kaum.

Das Logo der SGL Group am Eingang eines Werks in Meitingen (Schwaben): Der Grafitspezialist schaut sich nach einem Joint Venture um. dpa

Das Logo der SGL Group am Eingang eines Werks in Meitingen (Schwaben): Der Grafitspezialist schaut sich nach einem Joint Venture um.

FrankfurtDer Wiesbadener Grafitspezialist SGL Carbon treibt seine Pläne für eine Gemeinschaftsfirma in China im Grafitelektroden-Geschäft voran. „Ich hoffe, dass das in diesem Jahr passieren kann, mal sehen wie sich Markt und Umfeld entwickeln“, sagte Konzernchef Robert Koehler der Nachrichtenagentur Reuters. Grafitelektroden werden in Hochöfen zur Elektrostahl-Produktion eingesetzt. China ist mit Abstand der weltgrößte Stahlerzeuger, rund 46 Prozent der globalen Stahlproduktion stammen von dort. Allerdings macht Elektrostahl im Reich der Mitte nur einen Anteil von etwa zehn Prozent der Stahlproduktion aus. Doch das wird sich nach Einschätzung des SGL-Chefs in den nächsten Jahren ändern. Koehler geht davon aus, dass die Elektrostahlproduktion in China bis etwa 2020 bis 2025 in Richtung 25 bis 30 Prozent geht.

In ein Joint Venture würde SGL unter anderem seine Marktkenntnis und sein technologisches Wissen einbringen. „Es geht um das richtige Timing für den Einstieg“, sagte der Manager, der den SGL-Konzern seit mehr als 20 Jahren leitet. Neue Kapazitäten zu schaffen hält Koehler allerdings nicht für sinnvoll. „Die Chinesen haben im Bereich Graphitelektroden schon überinvestiert.“ Der US-Rivale Graftec hatte vor kurzem darüber geklagt, dass der weltweite Grafitelektroden-Markt, dessen Volumen bei etwa 1,2 bis 1,3 Millionen Tonnen liegt, an Überkapazitäten leidet. Graftec zufolge nahmen 2012 welweit die Kapazitäten um 100.000 Tonnen zu – allein 65.000 Tonnen stammten von chinesischen Produzenten.

Daher ist es Koehler zufolge derzeit vernünftiger, in einem Joint Venture bestehende Werke aufzurüsten und etwa Rohstoffeinkäufe gemeinsam zu nutzen. Auch andere Unternehmen gehen diesen Weg. Erst vor wenigen Wochen hatte sich der japanische Konkurrent Showa Denko in China an der Sinosteel Sichuan Carbon beteiligt, ohne zugleich die Kapazitäten aufzustocken. Zu den größten chinesischen Grafitelektroden-Produzenten zählen aktuell die Unternehmen Kaifeng Carbon, Fangda Carbon und Nantong.

Grafitelektroden sind neben Kathoden für die Aluminiumschmelze das Brot- und Buttergeschäft des Wiesbadener Konzerns. Die als Performance Products (PP) firmierende Sparte steuerte 2012 rund 55 Prozent zum Konzernumsatz von 1,7 Milliarden Euro bei.

Zuletzt waren die Preise für Grafitelektroden etwas unter Druck geraten. Koehler zufolge hat China Preisdumping beim Stahl betrieben – mit negativen Auswirkungen auf die lokalen Produzenten von Elektrostahl im umliegenden Ausland. Aktuell würden die Elektroden-Mengen in Asien aber nach dem Regierungswechsel und dem chinesischen Neujahrsfest wieder anziehen. Zudem hätten asiatische Länder in Reaktion auf China durch protektionistische Maßnahmen ihre eigenen Produktionen gestärkt, was laut Koehler inzwischen Wirkung zeigt.

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„Deswegen haben wir im Moment die gegenläufige Situation: Die Mengen steigen und die Preise liegen niedriger als im letzten Jahr“, sagte der Manager. Im weiteren Jahresverlauf rechnet er auch bei den Preisen mit Besserung. „Ich gehe davon aus, dass sich das jetzt wieder dreht, spätestens am Ende des Jahres bei den Preisverhandlungen für 2014.“

Von

rtr

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