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11.04.2012

06:42 Uhr

Greenpeace-Vorwurf

Versorger haben zu geringe Atom-Rücklagen

VonMartin Murphy, Fabian Gartmann, Wolfgang Reuter

Wieder Ärger für Deutschlands Atomkonzerne: Greenpeace sieht die Rücklagen der Kernkraftwerksbetreiber nicht gesichert. 30 Milliarden Euro sollen in einen Staatsfonds. Und die Argumente der Naturschützer sind nicht ohne.

Atomkraftgegner vor dem AKW Gundremmingen (Schwaben). dpa

Atomkraftgegner vor dem AKW Gundremmingen (Schwaben).

Düsseldorf/FrankfurtIn der Atomindustrie sorgt der Termin seit Tagen für Unruhe: Heute Vormittag wird Greenpeace in Berlin zusammen mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) die Bundesregierung auffordern, die Rückstellungen der Atomkonzerne für Abriss und Entsorgung der Kernkraftwerke in einen Staatsfonds zu überführen.

Doch nicht die Forderung an sich ist besorgniserregend, sondern die Begründung: Greenpeace und das FÖS halten die zurückgelegten 30 Milliarden Euro nicht für insolvenzsicher. "Das Geld liegt nicht auf Sonderkonten, sondern ist in den Unternehmen investiert", sagte Thomas Breuer, der den Energiebereich bei Greenpeace leitet, dem Handelsblatt.

Wenn also ein Konzern pleitegehe, trage letztendlich der Steuerzahler die Last. Breuer arbeitete 15 Jahre bei der Deutschen Bank. Aus der Zeit kennt er die Konzerne, allen voran RWE und Eon, als sichere Gewinnmaschinen mit ihren abgeschriebenen Atomkraftwerken. Doch seit der Nuklearkatastrophe in Fukushima und der darauf folgenden Energiewende in Deutschland sind die Firmen fragile Kolosse, die zum Radikalumbau gezwungen werden.

Atom bietet keine sichere Rendite, wie die Wende der Bundesregierung von pro auf contra Kernenergie zeigte. Neue Atomkraftwerke können sie sich auch im Ausland nicht mehr leisten. Vor zwei Wochen stoppten RWE und Eon ihre Pläne, in Großbritannien 17 Milliarden Euro in den Bau neuer Atommeiler zu investieren.

Der Rückbau eines Atomkraftwerks

Der Grund dafür ist keineswegs nur in der ökologischen Vernunft der Konzerne zu sehen. Zum einen, so versichern hochrangige Manager der Konzerne, haben die Ratingagenturen klar zu verstehen gegeben, dass im Falle weiterer nuklearer Risiken eine Abstufung der Kreditwürdigkeit droht.

Gerade für RWE, deren Einstufung Moody's und Standard & Poor's gerade überprüfen, hätte dies gravierende Auswirkungen. Denn viele Energiehändler dürfen mit B-Adressen - die nächste Stufe wäre bei RWE "Baa1" (Moody's) und "BBB+" (S&P) - keine Geschäfte machen. Die Handelssparte des Konzerns würde damit stark eingeschränkt.

Der deutsche Energiemix heute und morgen

Aus welchen Energieträgern sich Strom in Deutschland 2020 in Zukunft zusammensetzen könnte.

Zum anderen waren Verhandlungen von RWE und Eon mit der britischen Regierung über einen garantierten Abnahmepreis für den Atomstrom gescheitert, heißt es in Konzernkreisen. Ohne einen Mindestpreis wäre der Bau neuer Reaktoren ein wirtschaftliches Risiko. Denn Strom wird in Großbritannien vermehrt aus Gas produziert - und das ist billig am Markt zu haben.

Gut möglich, dass sich die geplanten Atommeiler auch langfristig nicht gerechnet hätten. Offiziell kommentierten die Firmen dies nicht. Allerdings bestätigen Eingeweihte, dass auch die britische Regierung wisse, dass sich neue Atommeiler bei den sehr günstigen Strompreisen nicht rechnen.

Kommentare (38)

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Tranner

11.04.2012, 07:37 Uhr

Greenpeace sollte sich um Dinge kümmern, von denen es auch wenigstens ein Minimum an Ahnung hat. Natürlich bleibt das Geld im Unternehmen. Das ist wirtschaftlich sinnvoll und nötig.
Zum Einen muss der Betrieb einer Anlage (egal welche) auch den Rückbau ersteinmal erwirtschaften.
Zweitens führt eine Herauslösung des Kapitals erst zu einem Insolvenzrisiko.

Traurig, dass solch dumme Vorschläge im Handelsblatt eine Plattform erhalten.

Klimaterror

11.04.2012, 07:48 Uhr

Was um Himmels Willen ist denn eine Atom-Rücklage? Naturschützer Grün-Piss? Hier wird gerade die Natur erheblich zerstört durch Windräder (Massensterben von Vögeln und Fledermäusen) und Maismonokultur (Flora- und Faunazerstörung).
Dieser politisch gesteuerte Verein macht genau das Gegenteil von seinen angeblichen Zielen.

Aufklaerung

11.04.2012, 07:51 Uhr

Ach, Versorger haben zu wenig Atom-Rücklagen? Dann nehmen wir ihnen diese auch noch ganz ab? Oder wie?

Klar. Ein leicht zu durchschauenden Schmiernstück der Ökos: Denn der auch von den Ökos vehement geforderte Verkauf des Höchstspannungsnetzes an Tennet (NL) hat sich als Desaster erwiesen. Tennet kann nämlich den nun plötzlich für die "Energiewende" nötigen Netzumbau (rd.15 Mrd. €) nicht bezahlen.

Wetten, dass die Ökos nun die Atom-Rücklagen der Versorger für den Netzausbau scheinheilig in einen "Staatsfonds" holen wollen, um diese dann in ihrem Sinne für den Netzumbau zu verpulvern. Die ersten Rufe nach Staatsknete für den Netzausbau sind schon da gewesen.

Und dann gint es ernsthaft Spinner, die von günstigem Stroim faseln, der AKWs unwirtschaftlich mache ......!

(...)
+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++



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