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21.08.2012

11:26 Uhr

Größter Rohstoffhändler

Preisdruck reißt Glencore aus dem Höhenflug

Der Grundgüter-Händler Glencore bekommt die Konjunkturflaute zu spüren. Die geringere Nachfrage nach Industriemetallen belastet den verschwiegenen Giganten. Auch der Kauf des Minenkonzerns Xstrata steht auf der Kippe.

Hauptsitz des Rohstoff-Riesen Glencore in Zug in der Schweiz: Der Gigant leidet unter dem Preisrückgang. Reuters

Hauptsitz des Rohstoff-Riesen Glencore in Zug in der Schweiz: Der Gigant leidet unter dem Preisrückgang.

Zug/DüsseldorfDer weltgrößte Rohstoffhändler Glencore hat vor der geplanten 30-Milliarden-Dollar-Übernahme des Bergbauriesen Xstrata einen Gewinneinbruch erlitten. Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis sei im ersten Halbjahr um 26 Prozent auf 1,81 Milliarden Dollar zurückgegangen, teilt Glencore mit.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr entsprach einem Rückgang gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres um 17 Prozent. Allerdings bedeute dies zugleich im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2011 eine Steigerung um 22 Prozent. Trotz des Rückgangs hielt sich Glencore aber besser als von Analysten erwartet.

Die Geschichte von Glencore

Gründung

Marc Rich wurde 1934 als Marcell David Reich in Antwerpen geboren. 1974 gründete Rich im schweizerischen Zug seine Firma „Rich & Co.“, aus der später der Rohstoffriese Glencore hervorgeht. Das Rohstoffunternehmen konzentriert sich zunächst auf den Handel mit Eisen, Nicht-Eisen-Metallen und Erdöl.

Anklage in den USA

Im Jahr 1983 wurde Marc Rich in den USA wegen Steuerhinterziehung, Falschaussage und Handel mit dem Iran angeklagt. Zu einem Prozess kam es allerdings nicht, weil Rich bereits vor der Anklageerhebung auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft verzichtete und sich in Spanien einbürgern ließ.

Umstrittene Öllieferungen an Südafrika

Indem Rich - trotz eines internationalen Embargos - das südafrikanische Apartheid-Regime zwischen 1979 und 1993 mit mehr als 400 Milliarden Barrel Öl belieferte, hielt er es an der Macht. Der Profit für Richs Firmen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Ausscheiden des Firmengründers

Mit der Zeit war Rich als Firmenchef untragbar geworden. Er stand unter anderem jahrelang auf der Liste der „Most Wanted“ des FBI. 1993 verkaufte Rich den Großteil der Firma an seine Manager und wurde damit indirekt aus dem Unternehmen gedrängt.

Umbenennung

1994 wurde die Firma vom neuen Management umbenannt. Seit dem firmiert der Rohstoffhändler unter dem Namen Glencore (Global Energy Commodity and Resources).

Neue Geschäftsfelder

Bereits 1982 war das Unternehmen in die Agrarwirtschaft eingestiegen. Nach und nach wurden die Geschäftsfelder durch Akquisitionen in Produktion, Verarbeitung und Handel mit Aluminium, Aluminiomoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle, Öl und Agrarprodukten ausgeweitet.

Besitzverhältnisse 1993 - 2011

Seit dem Ausscheiden von Marc Rich befand sich das Unternehmen im Besitz des Managements. Die zwölf Personen der obersten Führungsetage waren zugleich die größten Anteilseigner.

Börsengang

Im Mai 2011 fand der IPO von Glencore statt. Der Börsengang in London und Hongkong brachte dem Unternehmen bis zu zwölf Milliarden Dollar ein. Damit war der IPO der größte Börsengang des Jahres 2011 sowie der größte Börsengang der London Stock Exchange aller Zeiten.

Beteiligungen

Glencore hält unter anderem Anteile an dem australischen Bergbaukonzern Minara Resources (Nickel) und Century Aluminium aus den USA. Auch an Xstrata hielt Glencore jahrelang 34,5 Prozent. Seit 2007 ist Glencore auch mit dem russischen Aluminium-Konzern Rusal verwoben.

Der Handelskonzern mit Hauptsitz bei Zug in der Schweiz gesellt sich damit zu Bergbaukonzernen wie Rio Tinto, Vale oder Xstrata. Diese erlitten in den ersten Monaten des Jahres ebenfalls zum Teil deutliche Gewinnrückgänge. Grund sind fallende Rohstoffpreise und zugleich steigende Kosten.

So fiel der Kurs von Zinn seit Jahresbeginn um 32 Prozent. In Indonesien schließen reihenweise Zinn-Produzent ihre Werke. Das Land hat seine Produktionskapazität um 70 Prozent reduziert. Auf Indonesien entfallen rund 40 Prozent der weltweiten Zinn-Produktion. Auch die Preise für Kupfer, Eisenerz oder Nickel gaben deutlich nach.

Während sich die Minenbetreiber für die zweite Jahreshälfte wieder optimistisch zeigen, malt Glencore-Chef Ivan Glasenberg ein eher verhaltenes Bild. „In die Zukunft blickend erwarten wir keine deutliche Verbesserung, weder bei der Marktlage noch beim konjunkturellen Umfeld.“

Auch hinter der vollständigen Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata stehen Fragezeichen. Aber Widerstände gegen die geplante Fusion mit Xstrata könnten Glencore nicht von dem Vorhaben abbringen, sagte Konzernchef Glasenberg. „Dies ist keine feindliche Übernahme, sondern eine, die vom Konzernchef von Xstrata und seinen unabhängigen Direktoren voll unterstützt wird.“

Die von beiden Unternehmen angestrebte Mega-Fusion war auf Eis gelegt worden, nachdem der Golfstaat Katar als Xstrata-Großaktionär im Juli einen deutlich höheren Preis für die Übernahme forderte. Die staatseigene Qatar Holding sowie einige anderen Aktionäre bezeichneten das Angebot von 2,8 Glencore-Aktien für jeden Xstrata-Anteilsschein als zu gering und verlangten dafür jeweils 3,25 Aktien.

Die wichtigsten Eisenerz-Lieferanten

Rang 10

Iran

Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.

Rang 9

Kanada

Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.

Rang 8

USA

Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.

Rang 7

Südafrika

Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.

Rang 6

Ukraine

Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.

Rang 5

Russland

Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.

Rang 4

Indien

Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.

Rang 3

Brasilien

Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.

Rang 2

Australien

Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.

Rang 1

China

Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.

Quelle: US Geological Survey

Sollte Katar die Fusion von Glencore und Xstrata am Ende doch kippen, will Glasenberg „weitermachen“. „Ich verstehe nicht ganz die Gründe und die Logik hinter der Aktion von Katar, denn Katar war zuvor kein großer Anteilseigner von Xstrata“, sagt Glasenberg. Die Staatsholding von Katar hatte ihren Anteil an Xstrata zuletzt auf rund zwölf Prozent aufgestockt. Im Februar hatte der Anteil noch rund drei Prozent betragen.

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