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09.01.2012

21:21 Uhr

Großaktionäre als Konfliktherd

Ein Karbonhersteller ringt um seine Unabhängigkeit

VonMartin Murphy

Über einen langen Zeitraum hinweg hielten sich Investoren lieber von dem Grafit- und Karbonspezialisten SGL fern. Heute ist das anders. Doch die Interessen großer Aktionäre decken sich nicht immer mit denen der Gruppe.

Das Logo der SGL Group am Eingang des Carbon-Werks. dpa

Das Logo der SGL Group am Eingang des Carbon-Werks.

WiesbadenEr ist der dienstälteste Boss in der Familie der Dax-Konzerne: Robert Koehler. Kompakte Statur, drahtige Brille, silbergraue Haare, ein paar Sommersprossen im Gesicht und gerne eine Zigarre im Mund: Koehler hat etwas Hemdsärmeliges, aber auch etwas Feinsinniges – und ein wenig verschmitzt wirkt er obendrein. Ein typischer Mittelständler also? Nein.

Koehler ist Manager. Allerdings ist er mehr als nur Chef der SGL Gruppe, eines an der Börse und im M-Dax notierten Karbonherstellers. Koehler ist SGL, er ist das Aushängeschild der Firma, er ist ihr Gesicht. Nur ihre Zukunft ist er dauerhaft nicht. Der fast 63-Jährige hat noch drei Jahre vor sich – drei ganz entscheidende Jahre, in denen wichtige Weichen gestellt werden müssen.

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Einerseits hat Koehler seit bald 20 Jahren aus einem defizitären Bereich des Chemiekonzerns Hoechst eine prosperierende Firma geformt. Ein Unternehmen, um das sich prominente Investoren scharen: Die Milliardärin Susanne Klatten und die von ihrer Familie kontrollierte BMW halten zusammen inzwischen 45 Prozent an SGL. Ferdinand Piëch hat sich mit seiner VW-Gruppe ebenfalls an dem Mittelständler beteiligt – er kontrolliert 9,9 Prozent. Der Mischkonzern Voith ist mit 9,1 Prozent eingestiegen. Seither sind all die Analysten verstummt, die dem SGL-Chef Kapitalvernichtung vorgeworfen hatten – weil er viel Geld in die Herstellung von Karbonfasern investiert hat.

Andererseits aber kämpft Koehler um die Unabhängigkeit von SGL. Denn er weiß, dass der Konzern zwischen den Interessen seiner Aktionäre zermahlen werden könnte.

Vor allem zwischen den Autobauern. Das Unternehmen ist nämlich der einzige Hersteller von Karbonfasern in Europa. Und BMW wie auch VW wollen sich mit ihren Beteiligungen die Lieferungen des extrem leichten Werkstoffs sichern, den sie dann zu Karosserieteilen für Elektroautos verarbeiten.

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