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31.07.2013

19:35 Uhr

Großbaustelle

Beitz' Tod reißt bei Thyssen-Krupp große Lücke

Der Tod von Berthold Beitz trifft Thyssen-Krupp mitten in einem dramatischen Wandel. In den letzten Lebensjahren des Patriarchs geriet der Konzern in schwere Turbulenzen. Der Konzern will nun den Befreiungsschlag.

Zentrale von Thyssen-Krupp in Essen: Der Konzern gleicht einer Großbaustelle. dpa

Zentrale von Thyssen-Krupp in Essen: Der Konzern gleicht einer Großbaustelle.

EssenThyssen-Krupp ist ohnehin eine der größten Großbaustellen der deutschen Wirtschaft. Noch zieht die Krupp-Stiftung die Fäden. Mit dem Tod von Firmenpatriarch und Stiftungschef Berthold Beitz aber verliert der Konzern seine maßgebliche Persönlichkeit.

Krupp und Thyssen waren lange der Stolz des Ruhrgebiets - heute steht der Konzern mit massiven Problemen mitten in einem dramatischen Wandel. Vorstandschef Heinrich Hiesinger zeigt bei internen Präsentationen gern das Bild einer Raupe, die zum Schmetterling wird. Es soll die Mitarbeiter von Thyssen-Krupp für einen radikalen Wandel motivieren, den sie vielleicht nicht für möglich gehalten haben. Der angeschlagene Stahlriese wird zu einem Industriekonzern umgebaut, der sich auf mehrere Standbeine stützt. Nur noch in Europa will das Traditionsunternehmen künftig im Stahlgeschäft mitmischen.

Diesen Einfluss hat die Krupp-Stiftung auf den Konzern

Größter Einzelaktionär

Die nach dem Tod von Alfried Krupp testamentarisch verfügte Kruppstiftung nahm 1968 ihre Arbeit auf. Sie war anfangs alleiniger Eigentümer der Fried. Krupp GmbH. Alfrieds Sohn Arndt hatte auf sein Erbe verzichtet. Heute hält sie 25,3 Prozent am Dax-Konzern Thyssen-Krupp und ist damit größter Einzelaktionär. Neben der Förderung von Kultur, Wissenschaft und sozialen Projekten hat die Stiftung auch den Satzungsauftrag, die Einheit des Unternehmens zu wahren.

Vertreter im Aufsichtsrat

Mit ihrer Sperrminorität ist die Stiftung auch ein Bollwerk gegen feindliche Übernahmen. Seit 2007 nutzt die Stiftung außerdem mit Billigung einer Hauptversammlungsmehrheit die gesetzliche Möglichkeit, drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat zu entsenden.

„Stahl-Festung“

Wenn die zehn Arbeitnehmervertreter und die Stiftungsentsandten sich einig sind, können sie mit zusammen 13 von 20 Stimmen im Aufsichtsrat Angriffe abwehren oder doch deutlich erschweren. Das „Manager Magazin“ nannte die Konstruktion eine „Stahl-Festung“. Eine Aktionärsklage dagegen wurde in zwei Instanzen abgewiesen, und der Bundesgerichtshof lehnte eine Revision ab. Vergeblich argumentierte der Kläger, dass das Mehrheitsprinzip verletzt werde.

Sitz in Villa Hügel

Angesichts des hohen Aktienanteils und des zusätzlichen Entsenderechtes verfügt die Kruppstiftung de facto über erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen im Konzern. Ihren Sitz hat die Stiftung an historischer Stelle: Im Park gegenüber der Villa Hügel, die bis 1945 Wohnsitz der Krupp-Familie war.

Thyssen-Krupp gleicht einer Großbaustelle. Eine Reihe von Verkäufen wie den Aktivitäten im zivilen Schiffbau und bei Edelstahl hat der Vorstand innerhalb von zwei Jahren über die Bühne gebracht. Geschäfte mit einem Gesamtumsatz von über zehn Milliarden Euro kamen so in neue Hände. Hinter dem wichtigsten Projekt, dem Verkauf der verlustreichen Stahlwerke in Brasilien und den USA fehlt der Haken allerdings noch.

Der Essener Konzern strebt eine zügige Einigung über den Verkauf von Steel Americas an. Einem Medienbericht zufolge allerdings hängt der Besitzerwechsel wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen am seidenen Faden. Thyssen-Krupp will den Befreiungsschlag, den das einstige Prestigeprojekt in Übersee hat nicht nur schätzungsweise zwölf Milliarden Euro gekostet. Es produziert auch laufend Verluste.

Kommentare (1)

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31.07.2013, 22:20 Uhr

Dieser Mann, spielt vielleicht für Krupps Politik eine Rolle. Aber entschieden hat er schon lange nichts mehr. Er war nur Vorzeigefigur und nun schmeicheln ihm seine eigenen Gegner und gleichzeitig wird seinem Nachfolger der Garaus gemacht.

Jetzt häucheln die Leute Anerkennung und hinten herum wurde nur gelogen und betrogen. Es ist wie mit Helmut Schmidt. In den letzten öffentlichen Auftritten konnte man erkennen das er jetzt nicht mehr vollkommen Herr seiner eigenen Gedanken ist. Gehardt Schröder haben sich in diesen Momenten nur angeschaut und gelächelt.

Aber am Grabe werden sie voller Taten, nur so Lobesworte von sich geben, das einem schwindlich werden kann.

So ist es auch in diesem Falle. Und mehr muss man dazu auch nicht sagen.

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