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02.10.2015

13:23 Uhr

Große Abhängigkeit von VW

Osteuropa hat plötzlich Angst vor Volkswagen

VonHans-Peter Siebenhaar

Über Jahre hat der VW-Konzern die Wirtschaft in vielen Staaten Osteuropas angeschoben. Nun fürchten Ungarn, Tschechien und die Slowakei einen massiven Konjunkturknick durch die Diesel-Affäre.

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WienDer Abgas-Skandal bei Volkswagen droht das Wirtschaftswachstum in der Tschechischen Republik, der Slowakei und in Ungarn zu beschädigen. Nach Einschätzung der Bank of America könnte sich das Wachstum der Bruttoinlandsprodukts in Tschechien und Ungarn um ein bis anderthalb Prozent nach unten bewegen. Das geht aus einem Report der Bank hervor.

In der Nähe von Prag hat die VW-Marke Skoda ihren Sitz. In Ungarn besitzt Audi in Györ einen wichtigen Standort. 2015 begann Audi dort mit der Serienproduktion der Audi A3 Limousine und des A3 Cabriolet. Im vergangenen Jahr startete die Serienfertigung des TT Coupé und des TT Roadster.

Handelsblatt-Dossier:
Inside Wolfsburg

Volkswagen hatte höchste Ziele: Die Welt der Autos wollte man auch mit der Dieseltechnologie erobern. Doch die Motoren lieferten nicht die vom US-Staat geforderten Abgaswerte, weshalb der Wolfsburger Automobilkonzern eine groß angelegte Manipulation begann. Die Rekonstruktion eines Betrugs in elf Kapiteln.

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In der Slowakei schließlich ist Volkswagen mit einem Werk in der Hauptstadt Bratislava der größte ausländische Investor. In der Fabrik, in der für die Marken, VW, Seat, Porsche, Audi, Skoda und Bentley produziert wird, arbeiten knapp 10.000 Beschäftigte. Im vergangenen Jahr wurden dort knapp 400.000 Fahrzeuge gefertigt.

Die Stimmung in dem riesigen Werk an der Donau, rund 20 Minuten vom historischen Zentrums Bratislavas, ist schwierig. Die Mitarbeiter, die stolz sind bei Volkswagen zu arbeiten, traf der Skandal völlig unvorbereitet. Derzeit werde versucht, pragmatisch mit der Situation umzugehen. Einen kleinen Trost gibt es für die Belegschaft: In der Slowakei wurden keine der betroffenen Motoren gebaut.

Experten warnen jedoch vor zu pessimistischen Annahmen. „Noch können wir über einen möglichen Rückgang der Absatzzahlen nur spekulieren. Um konkrete Aussagen treffen zu können, brauchen wir noch Zeit“, sagt ein in Prag ansässiger Branchenexperte. „Ob es überhaupt nachhaltige Auswirkungen in den osteuropäischen Ländern kommen wird, muss man noch beobachten. Derzeit kann man noch keine verlässlichen Aussagen treffen“, sagte Chefanalyst Thomas Neuhold von Kepler Chevreux in Wien am Freitag.

So könnte VW die „Dieselgate“-Kosten schultern

Kann sich der Konzern das leisten?

Der Abgas-Skandal kratzt nicht nur am Image des Volkswagen-Konzerns - er dürfte vor allem sehr teuer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kosten des Skandals und wie VW sie stemmen könnte.

Quelle: dpa

Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Auomobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Auch eine VW-Sprecherin in der Slowakei warnte: „Für ein Beurteilung ist es noch viel zu früh.“ Es gebe überhaupt noch keine empirische Grundlage, hieß es am Freitag bei der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer. „Mit Sicherheit kann derzeit niemand eine Aussage treffen. Die Frage ist auch, ob VW kein Einzelfall ist oder auch noch andere Autokonzerne betroffen sind“, sagte Vize-Geschäftsführer Markus Halt am Freitag in Bratislava.

Kommentare (19)

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Herr Vinz Queri

02.10.2015, 13:41 Uhr

>> Über Jahre hat der VW-Konzern die Wirtschaft in vielen Staaten Osteuropas angeschoben >>

Unter der Regie der Politdilettanten aus Berlin !

Ein Staatsgelenkter Konzern VEB-VW ist gescheitert, wie auch die EUtopia scheitern wird !

Herr Ingo Tietz

02.10.2015, 13:54 Uhr

Wir sollten uns endlich wieder auf uns selbst, unsere eigene Stärke und unseren eigenen Arbeitsmarkt konzentrieren und dort investieren und neue Arbeitsplätze schaffen, anstatt unser Kapital im Ausland zu investieren, welches dort dann auf Pump verkonsumiert wird. Während wir auf den Forderungen sitzenbleiben und mit immer neuen Rettungsbürgschaften und Kerditzusagen unsere ausländischen Schuldner retten müssen.
Wir brauchen hier bei uns im Land die Arbeitsplätze und nicht in Ungarn, Tschechien, der Slowakei oder sonstwo. Wir brauchen hier die Kaufkraft für unsere Bürger, zur Stärkung und dem Ausbau des eigenen Binnenmarktes. Export ja, aber nur mit einem starken eigenen Binnenmarkt.

Account gelöscht!

02.10.2015, 14:07 Uhr

Und das mediale Bashing gegen VW geht munter weiter. Die Grün-Sozialisten halten dieses Bashing munter am laufen.
ES GEHT HIER UM ABGASWERTE UND UM KEINE SICHERHEITSRELEVANTEN VERSÄUMNISSE!!!

Das ist eine Sache zwischen Käufer und VW und zwischen Wettbewerber und VW. Und ich würde mir jederzeit einen VW kaufen.....beim Kauf hat mich noch nie der Abgaswert interessiert....Preis Leistung müssen stimmen und bei VW find ich einfach zuviel Leistung für die ich nicht zahlen will. Das ist das einzige Argument, warum ich bis dato keinen VW gekauft habe.

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