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23.07.2012

14:33 Uhr

Großübernahme

Fresenius beweist Stärke

Der Gesundheitskonzern lässt im Übernahmekampf um Rhön-Klinikum die Muskeln spielen. Das Unternehmen schluckt für 1,1 Milliarden Dollar die US-Firma Fenwal. Im Poker um Rhön-Klinikum stärkt der Konzern so seine Position.

Der Gesundheitskonzern stärkt durch die Übernahme seine Stellung auf dem wichtigen US-Markt. dpa

Der Gesundheitskonzern stärkt durch die Übernahme seine Stellung auf dem wichtigen US-Markt.

FrankfurtDamit demonstriert der Konzern, dass er nicht vom Ausgang des Rhön-Pokers abhängig ist. „Die Position von Fresenius wird durch den Zukauf gestärkt“, sagte NordLB-Analyst Holger Fechner am Montag zu Reuters. Der Dax-Konzern, der gerade einen zweiten Anlauf zum Kauf der fränkischen Klinikkette prüft, mache damit deutlich, dass er auch außerhalb des deutschen Krankenhausmarktes zukaufen könne und bei Rhön-Klinikum nicht unter Zeitdruck stehe.

Fresenius hatte die Übernahme des US-Unternehmens, das Geräte zur Gewinnung und Verarbeitung von Blut für Blutbanken und Krankenhäuser herstellt, am Freitagabend angekündigt und dabei betont, parallel weiter Möglichkeiten zu einer Übernahme von Rhön zu prüfen. Der 3,1 Milliarden Euro schwere Kauf des Konkurrenten war im ersten Anlauf gescheitert, weil Fresenius nicht wie angestrebt mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Fresenius-Chef Ulf Schneider gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für viele wichtige Entscheidungen vorgesehen ist.

Zuletzt hat Fresenius nach Informationen von Reuters neue Wege für eine Übernahme von Rhön sondiert - und könnte sich dabei mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie zufrieden geben. Nach Einschätzung von Experten wie Edouard Aubery von Equinet wird es nach dem Kauf von Fenwal unwahrscheinlicher, dass Fresenius alle Rhön-Aktien kaufen wird. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass Fresenius eine niedrigere Annahmeschwelle wählt“, sagte auch NordLB-Analyst Fechner.

Neben dem Konkurrenten Asklepios, der Ende Juni bei Rhön eingestiegen war und die Übernahme durch Fresenius damit im ersten Anlauf torpediert hatte, sind bei der fränkischen Klinikkette Kreisen zufolge inzwischen auch die kleinere Klinikkette Sana und der Medizintechnikkonzern B. Braun engagiert. Es sei unwahrscheinlich, dass sich Fresenius rasch mit allen Beteiligten einige, sagte Fechner. Deshalb sei es eine Option für Fresenius, sich zunächst mit einer einfachen Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie bei Rhön zufriedenzugeben.

Finanzinvestoren machen Kasse
Die Rhön-Aktie notierte am Montag unverändert bei 17,80 Euro. Fresenius-Papiere gaben 0,2 Prozent nach, zählten damit aber zu den stärksten Werten im deutschen Leitindex. Der Dax gab knapp zwei Prozent nach. Die Übernahme von Fenwal sei nicht billig, aber im Vergleich zu anderen Übernahmen in dem Sektor auch nicht übermäßig teuer, erklärte Silvia-Quandt-Analystin Claudia Lakatos in einer Kurzanalyse.

Fresenius hat lediglich erklärt, der Kaufpreis liege unter den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung, mit der das Unternehmen im Mai gut eine Milliarde Euro eingesammelt hatte. Zwei mit der Transaktion vertraute Personen sagten Reuters, der Kaufpreis inklusive Schulden betrage 1,1 Milliarden Dollar (gut 900 Millionen Euro). Der Gesundheitskonzern Baxter hatte Fenwal abgespalten und 2007 für 540 Million Dollar an die Finanzinvestoren TPG und Maverick Capital verkauft. Nun schlagen die Investoren Fenwal für mehr als das Doppelte los.

Fresenius steigt durch die Übernahme zum weltgrößten Anbieter von Blut-Transfusionstechnik auf und stärkt seine Stellung im wichtigen US-Markt. Lakatos geht davon aus, dass Fresenius durch die Übernahme Synergien im zweistelligen Millionen-Bereich erzielen kann. „Wir gehen davon aus, dass die Übernahme ab 2014 positiv zum Ergebnis beitragen wird.“ 

Von

rtr

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