Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.09.2012

13:19 Uhr

Grün aus Überzeugung

Spritsparer und Leisetreter auf der IAA

VonMartin Murphy, Mark Christian Schneider

Emotionen spielen bei Lastwagen keine Rolle. Hier zählt in erster Linie eines: Wirtschaftlichkeit. Auf der IAA in Hannover präsentieren die Hersteller daher vor allem spritsparende und leise Nutzfahrzeuge.

Ein abgedeckter LKW auf dem Messegelände in Hannover beim Aufbau für die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA). dpa

Ein abgedeckter LKW auf dem Messegelände in Hannover beim Aufbau für die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA).

HannoverWer Andreas Renschler zuhört, könnte denken, er sitze einen fundamentalen Umweltschützer gegenüber. Renschler begrüßt die Verschärfung der Abgasnormen, kämpft für spritsparende Lastkraftwagen und für Hybridantriebe, einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor. Renschler ist aber kein Frontmann einer Ökopartei, sondern Vorstand von Daimler - und damit der wichtigste Vertreter der Nutzfahrzeugbranche. Die trifft sich derzeit in Hannover zur IAA Nutzfahrzeuge, der weltgrößten Messe für Lastwagen, Transporter und Busse. Anders als beim Frankfurter Pedant, wo es um sportliche und durchgestylte Pkws geht, redet man hier darüber, wie Nutzfahrzeuge spritsparender und leiser werden.

Emotionen wie beim Pkw-Kauf spielen bei der Anschaffung eines Nutzfahrzeuges keine Rolle. Die Kunden achteten auf Wirtschaftlichkeit, sagte Renschler. Beim Lkw macht der Kraftstoffanteil bis zu 40 Prozent der Betriebskosten aus. "Erst dann kommen die Ausgaben für den Fahrer und Abschreibungen auf das Fahrzeug", so Renschler. Der Spediteur mit dem geringsten Spritverbrauch bei seiner Fahrzeugflotte ist seiner Konkurrenz daher überlegen.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Mit der europaweiten Einführung neuer Umweltstandards wie der Euro 6 im Jahr 2014 stellt die Politik die Industrie vor große Herausforderungen. Denn mit Euro 6 soll die Emission von Stickoxiden und Feinstaubpartikel zwar um bis zu 80 Prozent gesenkt werden. Durch die dafür nötigen Aggregate würde aber der Spritverbrauch um fünf Prozent steigen, führt Renschler aus.

Inakzeptabel für die Kunden und damit für die Lkw-Bauer. Zumal sich ein Lkw um 8.000 bis 10.000 Euro verteuert, um ihn für die Norm fit zu machen.

Mit Investitionen in Milliardenhöhe haben Daimler, Scania/MAN und andere Lkw-Hersteller daher neue Motoren entwickelt, die zwischen drei und fünf Prozent weniger verbrauchen. Ein Fahrzeug verbrennt damit rund 2.000 Liter Diesel weniger im Jahr - ein erheblicher Kostenfaktor in einem Markt, in dem um Centbeträge gefeilscht wird.

Andreas Renschler, Mitglied des Daimler-Vorstands. dpa

Andreas Renschler, Mitglied des Daimler-Vorstands.

MAN-Truck-Chef Anders Nielsen meint, der Aufwand der Lkw-Bauer lohne sich. Für ihn ist Euro 6 ein Wachstumstreiber. Neue Motoren für die strengere Abgasnorm dürften das Geschäft ankurbeln, sagte er gestern. Bei Daimler machen die neuen Euro 6-Motoren inzwischen 30 Prozent der Neubestellungen aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×