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16.07.2011

14:49 Uhr

Grüne Gentechnik

Biotech-Forschung vor der Abwanderung

VonSiegfried Hofmann

Bayer hat seine Forschung im Bereich der Biotech schon vor Jahren aus Deutschland abgezogen. Die angeheizte Diskussion in der Politik sorgt für wachsende Skepsis. Andere Unternehmen könnten Bayer folgen.

Die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora. Quelle: dpa

Die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora.

FrankfurtDie Grüne Gentechnik hatte in Deutschland noch nie einen guten Stand. Mit dem politischen Aufstieg der Grünen haben sich die längerfristigen Perspektiven aus Sicht von Branchenvertretern weiter verschlechtert.
Bei den wenigen Firmen, die sich hierzulande in der Pflanzen-Biotechnologie engagieren, löst diese Entwicklung nun offenbar Überlegungen aus, die Forschung noch stärker nach Nordamerika oder Asien zu verlagern. Entsprechende Diskussionen gibt es nach Informationen der Agentur Bloomberg zum Beispiel bei BASF.

Hintergrund dürfte in diesem Fall unter anderem der Einzug der Grünen in die Regierung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz sein, wo der BASF-Konzern seinen Sitz hat und einen Großteil der Pflanzenschutz- und Saatgutforschung betreibt. Im Koalitionsvertrag verständigten sich SPD und Grüne darauf, dass es in Rheinland-Pfalz auch in Zukunft keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen geben soll, ebenso wenig wie eine Förderung von "anwendungsbezogener Agro-Gentechnik-Forschung".

Grüne stehen für Null-Toleranz

Den Schutz vor negativen Folgen dieser Forschung will man vielmehr verbessern und gleichzeitig für Null-Toleranz eintreten. Das heißt, man will keinerlei Verunreinigung von Saatgut, Futtermitteln und Erntegut mit genveränderten Organismen akzeptieren. In Sachen grüner Gentechnik bezieht die Landesregierung damit eine klare Gegenposition zum größten Industrieunternehmen im Land.

BASF äußert sich dazu diplomatisch: BASF Plant Science (in der der Konzern seine Pflanzenbiotech-Forschung gebündelt hat) stehe zu ihren Standorten in Deutschland. Aktuell plane man nicht, Forschungsaktivitäten abzuziehen. "Allerdings tragen wir bei der Auswahl unserer Forschungs- und Entwicklungs-Projekte den regionalen politischen Gegebenheiten Rechnung", heißt es. Wegen der schwierigen Situation in Europa bezüglich genmodifizierter Pflanzen habe man schon vor einiger Zeit entschieden, keine ausschließlich auf den europäischen Markt zielenden Projekte mehr zu starten. Man wolle auch mit der neuen Landesregierung einen offenen und konstruktiven Dialog führen, und das schließe die Klärung der Haltung zur Grünen Gentechnik ein.

Der Ludwigshafener Chemieriese ist bisher im Saatgut-Geschäft nicht vertreten, investiert aber jährlich rund 150 Millionen Euro - ein Zehntel seines gesamten F+E-Budgets - in die Forschung. BASF Plant Science beschäftigt rund 780 Mitarbeiter, davon 323 an den deutschen Standorten Limburgerhof, Berlin und Gatersleben.

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