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09.01.2006

09:17 Uhr

Guidant-Übernahme

Übernahme-Schlacht in der US-Medizintechnik

Um den Medizintechnik-Hersteller Guidant bahnt sich eine Übernahmeschlacht an. Nach Johnson & Johnson hat nun auch Boston Scientific ein Angebot vorgelegt. Analysten gehen davon aus, dass J&J das Gebot zurück zieht. Noch halten sie jedoch daran fest.

HB DÜSSELDORF. In der amerikanischen Medizintechnik bahnt sich eine milliardenschwere Übernahmeschlacht an. Die Boston Scientific Corp, Natick, bietet 25 Milliarden Dollar (20,6 Milliarden Euro) für den Medizintechnikhersteller Guidant. Wie das Unternehmen gestern nach dem Abschluss der Due Diligence bekräftigte, sollen nach einer Übernahme die Bereiche Vascular Intervention und das Endovascular-Geschäft an Abbott Laboratories, Abbott Park, verkauft werden. Die Rechte an Guidants Gefäßimplantaten (Stents) sollen zwischen beiden Unternehmen geteilt werden. Boston Scientific bietet für eine Aktie oder 72 Dollar je Aktie, jeweils zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien.

Der Vorstand von Guidant kündigte an, das endgültige Angebot gemeinsam mit den Investmentbanken J.P. Morgan Chase und Morgan Stanley zu prüfen. Ein weiteres Angebot der Konkurrenz von Johnson & Johnson (J&J) liegt ebenfalls noch im Rennen, allerdings fällt es deutlich niedriger aus. Angesichts mehrerer Produktrückrufe hatte der Konkurrent Johnson & Johnson (J&J), New Brunswick, für Guidant zuletzt nur noch 21,5 Mrd Dollar geboten. Am 31. Januar werden die Guidant- Aktionäre über die Fusion mit J&J abstimmen.

Boston Scientific Corp ist ein führender Hersteller von so genannten Stents. Dies sind winzige Röhrchen, die in verkalkte Arterien eingesetzt werden, um Herz- und Schlaganfälle zu verhindern. Der US-Konzern will mit dem Guidant-Kauf in den global rasch wachsenden Markt für Herzschrittmacher und Defibrillatoren herein kommen. Guidant will die Übernahmeofferte prüfen.

J&J teilte mit, das Unternehmen erwarte trotz des konkurrierenden Angebotes, Guidant zu übernehmen. Die Wettbewerbsbehörden hätten dem Geschäft zugestimmt und die Guidant-Aktionäre würden am 31. Januar darüber entscheiden. Boston Scientific stellt sich mit seinem Schritt gegen den größeren Konkurrenten Johnson & Johnson im Milliardenmarkt für medizinische Instrumente zur Öffnung verstopfter Herzarterien. Außerdem könnte Boston Scientific damit in den Markt für implantierbare Herzdefibrillatoren einsteigen.

J&J hatte ursprünglich 25,4 Milliarden Dollar für Guidant geboten, die Offerte dann jedoch wegen Rückrufproblemen bei Guidant-Produkten deutlich reduziert. Der Guidant-Verwaltungsrat dürfte das Boston- Scientific-Angebot rasch prüfen. Sollte er es als besser deklarieren als die J&J-Offerte, hätte J&J fünf Tage Zeit, mit einem aufgestockten Angebot zu kontern.

Mit der Übernahme erwartet Boston Scientific pro forma 2007 rund 10 Mrd Dollar Umsatz. Bei einer zweistelligen Wachstumsrate könnten die Einnahmen bis 2011 bis auf 16 Mrd. $ steigen. Den Gewinn je Aktie sieht das Unternehmen mit der Übernahme 2007 auf 1,50 bis 1,66 Dollar je Aktie steigen. 2008 soll das Ergebnis 1, 98 bis 2,18 Dollar je Aktie betragen. Im Oktober hatte Boston Scientific für 2005 angekündigt, vor Sonderposten werde der Gewinn bei 1,55 bis 1,59 Mrd Dollar Umsatz 1,81 bis 1,85 Dollar je Anteilsschein betragen.

Um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen, will Boston Scientific beim Abschluss des Guidant-Kaufs sofort zwei Guidant-Sparten für 3,8 Milliarden Dollar an das US-Pharmaunternehmen Abbott Laboratories verkaufen. Die beiden Sparten haben nach Abbott-Angaben einen Umsatz von einer Milliarde Dollar. Zusätzlich soll Boston Scientific je nach Produktzulassungen weitere 500 Millionen Dollar erhalten. Außerdem will Abbott Boston Scientific einen Kredit von 700 Millionen Dollar geben.

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