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30.08.2012

14:26 Uhr

Gutachter bestätigt

Im Boden Sachsens stecken große Zinnvorkommen

Probebohrungen haben gezeigt: Im Erzgebirge lagern reiche Zinnvorkommen. In Gottesberg und Geyer liegen tausende Tonnen. Das Metall ist auf dem Weltmarkt gefragt. Der Traditionsbergbau in der Region könnte aufleben.

Die Geologin Anja Ehser begutachtet im Bohrkernlager der Deutschen Rohstoff AG in Chemnitz Proben mit Zinnvorkommen aus Gottesberg im Vogtland. dpa

Die Geologin Anja Ehser begutachtet im Bohrkernlager der Deutschen Rohstoff AG in Chemnitz Proben mit Zinnvorkommen aus Gottesberg im Vogtland.

ChemnitzProbebohrungen haben große Zinnvorkommen in Sachsen bestätigt. Das teilte die Deutsche Rohstoff AG am Donnerstag in Chemnitz mit. Das Unternehmen hatte von November 2011 bis April 2012 in Gottesberg und Geyer im Erzgebirge insgesamt acht Erkundungsbohrungen unternommen, um die bereits aus DDR-Zeiten stammende Schätzung des Rohstoffvorkommens zu überprüfen.

Einem Gutachten zufolge verfügen beide Lagerstätten über insgesamt rund 159.000 Tonnen Zinn. Damit Zählen die Vorkommen zu den größten der Welt. Zinn wird seit längerem auf dem Weltmarkt besonders stark nachgefragt, es gibt aber kaum neue Vorkommen.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

Die Lagerstätten Gottesberg und Geyer wurden bereits zu DDR-Zeiten in den 70er und 80er Jahren intensiv erkundet. Mit dem Abbau von Zinn könnte aber frühestens in einigen Jahren begonnen werden. Thomas Gutschlag, Vorstand der Deutsche Rohstoff AG, erklärte, es werde nun mit Hochdruck daran gearbeitet, die beiden Vorkommen weiter zu entwickeln. Noch in diesem Jahr solle ein weiteres Bohrprogramm in Gottesberg starten.

Der Zinnbergbau hat in Sachsen eine lange Tradition. Das Bergwerk Altenberg im Osterzgebirge produzierte mit einigen Unterbrechungen von 1440 bis 1991 Zinn und war bei seiner Schließung die letzte aktive europäische Zinnmine. Vor allem wegen der stark gestiegenen Weltmarktpreise für Zinn scheint eine Wiederaufnahme des Abbaus in Deutschland wieder attraktiv.

Der Chefgeologe der Deutschen Rohstoff AG, Jörg Reichert (l) und der Vorstand Thomas Gutschlag im Bohrkernlager der AG in Chemnitz. dpa

Der Chefgeologe der Deutschen Rohstoff AG, Jörg Reichert (l) und der Vorstand Thomas Gutschlag im Bohrkernlager der AG in Chemnitz.

Ein Großteil der Weltproduktion stammt derzeit aus China und Indonesien. Die Nachfrage nach Zinn vor allem bei der Produktion von Elektrogeräten sowie Blechen und Legierungen steigt aber. Die Entwicklung der beiden großen deutschen Zinnvorkommen Gottesberg und Geyer soll nun die im australischen Brisbane ansässige Tin International Limited (TIN) vorantreiben.

Die Deutsche Rohstoff AG in Heidelberg hält die Mehrheit der Anteile an dem Unternehmen, das noch in diesem Jahr in Australien an die Börse gebracht werden soll, um die weitere Finanzierung für Gottesberg und Geyer sicherzustellen.

Zinn ist nicht der einzige Rohstoff, der im Erzgebirge lagert. In der traditionsreichen Bergbauregion gibt es auch Vorkommen des für die Chip-Industrie wichtigen Metalls Indium sowie Zink, Silber, Kupfer, Blei und Wolfram.

Von

afp

Kommentare (1)

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vandale

30.08.2012, 16:34 Uhr

Ein regelmässiger Begleiter aller Erze des Erzgebirges und anderer Deutscher Vorkommen ist das Uran. Mit den anderen Erzen gelangt dies dann gleichfalls auf die Halden.

Im Zeitalter der Oekoreligion mit seinem Atomstrahlenglauben hört man dies nicht sehr gerne und verzichtet darauf dies zu benennen.

Vandale

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