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27.07.2012

12:59 Uhr

Gute Zahlen

Rüstungsriesen demonstrieren Stärke

VonLukas Bay

Weltweit schrumpfen die Verteidigungsetats. Doch die meisten Rüstungskonzerne legen gute Zahlen vor - und erhöhen ihre Prognosen. Die Branchengrößen haben sich für die Absatzkrise gut gerüstet.

Der F-35 Joint Strike Fighter von Lockheed-Martin soll nun auch für Großbritannien fliegen. AFP

Der F-35 Joint Strike Fighter von Lockheed-Martin soll nun auch für Großbritannien fliegen.

Obwohl US-Präsident Barack Obama den Verteidigungsetat in den kommenden zehn Jahren um fast eine Billionen Dollar kürzen will, legen die Rüstungskonzerne gute Zahlen vor und erwarten steigende Gewinne. Dafür sollen die Kosten gesenkt werden.

Der größte Rüstungskonzern der Welt machte am Montag den Anfang: Lockheed-Chef Robert Stevens kritisierte die Kürzung des US-Rüstungsbudgets. Er drohte damit 10.000 Mitarbeiter zu entlassen, wenn die Kürzungen wie geplant umgesetzt werden.

Dabei hatte der Lockheed-Chef eigentlich eine positive Überraschung für die Anleger mitgebracht. Mit einem Gewinnplus von 4,4 Prozent auf 781 Millionen Dollar schnitt der Rüstungsriese besser ab als von Analysten erwartet. Auch der Umsatz legte um 3,3 Prozent auf 11,9 Milliarden Dollar zu. Lockheed habe ein "sehr solides Quartal mit wachsenden Umsätzen und Gewinnmargen über unseren Erwartungen hingelegt", sagt Joel Levington, Analyst bei Brookfield Investment Management. Damit hatte niemand gerechnet.

Denn besonders beim F-35 Joint Strike Fighter war der Druck auf Lockheed zuletzt massiv gewachsen. General Mark Walsh, der als Favorit des Präsidenten als Chef der Air Force gilt, hatte zuletzt kritisiert, dass die Produktion des Prestige-Kampffliegers nicht so schnell vorangehe wie erwartet. Gerade der F-35 gehört zu den Umsatztreibern des Konzern.

Im zweiten Quartal wuchsen die Bestellungen auf 200 Millionen Dollar. Der Umsatz der Luftfahrtsparte legte um ein Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Das schwache Wachstum führt der Rüstungsriese vor allem auf einen Streik in einem wichtigen Werk in Texas zurück. Der Profit der Sparte wuchs dagegen um 14 Prozent auf 454 Millionen Euro. 

Bei der EADS-Rüstungstochter Cassidian fällt das Ergebnis schlechter aus. Während die anderen Sparten des Konzerns teilweise zweistellig zulegten, stagnierte der Umsatz der Rüstungssparte im ersten Halbjahr bei 2,19 Milliarden Euro, während der Gewinn mit 88 Millionen Euro sogar etwas niedriger ausfiel.

Das mäßige Ergebnis begründet EADS mit den hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Insbesondere im Drohnenbereich und in der Internetsicherheit investiert Cassidian hohe Summen.

Die größten Waffenimporteure

Platz 10

Griechenland

Auch die umfangreichen Waffenimporte der Griechen haben die Schuldenkrise vorangetrieben. Mit neuen U-Booten von TKMS und Panzern von Krauss-Maffei Wegmann wurde die Armee aufgerüstet. Profitiert haben vor allem deutsche Rüstungskonzerne. 2010 gingen damit drei Prozent der weltweiten Rüstungsimporte auf das Konto der Griechen. 2011 wurden keine neuen Waffenimporte mehr vereinbart.

Platz 9

Vereinigte Arabische Emirate

36-Milliarden-Dollar-Deal mit den US-Rüstungskonzernen Boeing und Lockheed Martin katapultiert auch die Vereinigten Arabischen Emirate unter die größte Waffenimporteure der Welt. Vor allem F-15 Kampfjets sind in der Region gefragt.

Platz 8

USA

Auch der größte Waffenimporteur der Welt kauft auch bei ausländischen Waffenherstellern ein. Insgesamt machen die Waffenkäufe im Ausland drei Prozent des Marktes aus.

Platz 7

Algerien

Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika gilt als Freund deutscher Waffensysteme. Zuletzt orderte er 54 Fuchs-Radpanzer für 150 Millionen Euro. Im weltweiten Waffenhandel gehen vier Prozent auf die Rechnung des nordafrikanischen Staats.

Platz 6

Australien

Mit dem umfangreichsten Rüstungsprogramm in der Geschichte des Landes baut die Regierung derzeit die australische Armee um. Auf der Einkaufsliste: 100 Kampfflugzeuge, sechs U-Boote, acht Kriegsschiffe. Insgesamt 70 Milliarden US-Dollar sind dafür eingeplant.

Platz 5

Singapur

Der südostasiatische Stadtstaat baut vor allem seine Seeflotte massiv aus, um die für die heimische Wirtschaft so wichtigen Seewege zu sichern. Auch zur Abschreckung Chinas schnellen die Waffenimporte in die Höhe.

Platz 4

China

Mit massiven Aufrüstungsprogrammen ist kaum eine Armee schneller modernisiert worden als die chinesische. Zuletzt wurden die Investitionen zwar etwas gedrosselt. Doch immer noch gehen fünf Prozent der verkauften Waffen weltweit nach China.

Platz 3

Pakistan

Krisengebiete wohin man blickt. Im Westen muss das Land eine kaum beherrschbare Grenze zu Afghanistan sichern. Um gegen die Taliban vorrücken zu können, wurde massiv investiert. Zudem treibt der weiterhin schwelende Konflikt mit Indien die Waffenkäufe.

Platz 2

Südkorea

Die Drohungen des unberechenbaren Bruderstaats aus dem Norden sorgen für steigende Waffenverkäufe im Süden. Vor allem Streubomben und Raketen werden stark nachgefragt. Mit einem Anteil von sechs Prozent kommen die Südkoreaner damit auf den zweiten Platz.

Platz 1

Indien

Nirgendwo auf der Welt wird so viel in Rüstung investiert wie auch der indischen Halbinsel. Neben dem Konflikt mit Pakistan befürchten die Inder, durch die neue Stärke Chinas ihre Führungsrolle zu verlieren. 82 Prozent der importierten Waffen stammen von russischen Unternehmen. Insgesamt gehen zehn Prozent der weltweit verkauften Waffen nach Indien.

Zuletzt hatte EADS in einem Konsortium die Entwicklung der europäischen Luft-Luft-Rakete Meteor erfolgreich abgeschlossen. Sie soll Ende des Jahres erstmals ausgeliefert werden. Ohnehin sind die Auftragsbücher der Rüstungstochter prall gefüllt: Aufträge für 16,3 Milliarden Euro stehen noch aus. Die hohe Nachfrage ist vor allem durch den Eurofighter und Raketensysteme zu erklären.

Mit der Übernahme von 75,1 Prozent der Militäroptiksparte von Carl Zeiss will Cassidian weitere Geschäftsfelder erschließen. Das Unternehmen stellt unter anderem Wärmebildkameras, Laser-Entfernungsmesser und auch das Zielfernrohr für den Kampfpanzer Leopard 2 her und hatte 2011 rund160 Millionen Euro Umsatzerwirtschaftet.

Auch bei strategischen Allianzen will sich Cassidian breiter aufstellen. Zuletzt hatte die EADS-Tochter eine engere Zusammenarbeit mit Rheinmetall bei der Entwicklung von Drohnen.

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