Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.08.2015

11:41 Uhr

Händlerproteste in Korea

Klassenkampf bei Porsche

Porsche ist für den VW-Konzern eine Gewinnmaschine. Doch in Südkorea protestieren nun die eigenen Händler gegen die Sportwagenschmiede aus Zuffenhausen. Sie fühlen sich zu schlecht bezahlt.

„Die Gewerkschaft sei eine Krebszelle, die herausgeschnitten werden müsse.“ Reuters

Porsche-Autohaus in Seoul

„Die Gewerkschaft sei eine Krebszelle, die herausgeschnitten werden müsse.“

DüsseldorfKeine Warnwesten, keine Trillerpfeifen – wenn Porsche-Händler protestieren, dann mit Stil. Im Anzug demonstrierten rund 60 südkoreanische Händler am vergangenen Donnerstag vor der Zentrale der Händler-Organisation Stuttgart Sports Cars (SSCL), die in Korea die Sportwagen der Schwaben vertreibt. Sie fühlen sich schlecht bezahlt, klagen über die Arbeitsbedingungen.

Die Eskalation hat aber noch einen weiteren Grund: es geht um den Einfluss der Gewerkschaft bei den Porsche-Händlern. Zuletzt waren vier Angestellte, darunter auch der örtliche Gewerkschaftschef, entlassen worden – vor allem wegen ihrer Arbeit in der Arbeitnehmervertretung, behaupten die Protestierenden.

Porsche-Personalchef Thomas Edig: „Nicht immer nur jammern“

Porsche-Personalchef Thomas Edig

Premium „Nicht immer nur jammern“

Immer mehr Jugendliche studieren, statt eine Ausbildung zu machen. Porsche-Personalchef Thomas Edig spricht im Interview über Hauptschüler als Lehrlinge, Fließbandarbeit und Nerds, die sich nicht für Autos begeistern.

Erst im Mai 2014 hatten sich die Angestellten organisiert, nachdem es wegen unvergüteter Überstunden und schlechter Bezahlung immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten mit der SSCL gekommen war. „Nachdem wir die Gewerkschaft gegründet haben, bedrohte uns der SSCL-Chef Graeme Hunter“, berichtet ein Händler in der „Korea Times“. „Die Gewerkschaft sei eine Krebszelle, die herausgeschnitten werden müsse.“ Am Ende habe das Unternehmen die vier Vertreter der Gewerkschafft geschasst mit dem Vorwurf, sich persönlich bereichert zu haben.

Vor allem die schlechte Bezahlung soll einer der Gründe für die Gründung der Gewerkschaft gewesen sein. Statt einer Basisbezahlung vergütet Porsche die örtlichen Händler mit rund einem Prozent Provision. Wegen des verschärften Wettbewerbs in Korea hätten Händler einen Teil der Provision an den Kunden weitergegeben. Manche hätten so nur umgerechnet rund 100 Euro im Monat verdient, klagt ein Händler in der „Korea Times“. Die Händler seien bereit, auch eine Woche zu streiken, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Für Porsche wäre das eine schlechte Nachricht, denn eigentlich laufen die Geschäfte in Südkorea gut. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der schwäbische Sportwagenbauer dort einen Gewinn von umgerechnet 11,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von 225,5 Millionen Euro. Der Absatz hat im Jahresvergleich um 26 Prozent auf rund 2600 Fahrzeuge zugelegt.

Von

bay

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×