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10.11.2016

16:22 Uhr

Handelsblatt Auto-Gipfel

„Das männliche Hirn ist mit dem Auto verwachsen“

VonLukas Bay

Die Zukunftsforscher Matthias Horx und Alexander Makowsky entwickeln auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel ihre Vision von der Mobilität von morgen. Warum ausgerechnet männliche Traditionalisten den Durchbruch verhindern.

Alexander Mankowsky und Matthias Horx (v.l.n.r.) diskutieren auf dem Auto-Gipfel des Handelsblatts in München über die Fortbewegung der Zukunft. Thorsten Jochim für Handelsblatt

Zukunftsforscher

Alexander Mankowsky und Matthias Horx (v.l.n.r.) diskutieren auf dem Auto-Gipfel des Handelsblatts in München über die Fortbewegung der Zukunft.

MünchenDas Publikum glaubt an die Zukunft. Satte 70 Prozent sagen, dass sie einem Autopiloten im Wagen ihr Leben anvertrauen würden. Und auch sonst befinden sich im Publikum des Handelsblatt-Auto-Gipfels viele Menschen, die der neuen Technik aufgeschlossen gegenüberstehen. Damit hätte Zukunftsforscher Matthias Horx wohl nicht gerechnet.

Aus seiner Sicht sind es vor allem die männlichen Traditionalisten, die den Durchbruch des elektrifizierten, selbstfahrenden Autos erschweren. „Vor allem das männliche Hirn ist sehr stark mit dem Auto verwachsen“, sagt Horx. Das steuern einer leistungskräftigen Maschine sei Ausdruck der Dominanz, ein kulturell erlerntes Muster. „Dabei werden viele Endorphine ausgeschüttet und darauf verzichten Menschen nicht gern“.

Für Horx ist der Wandel trotzdem kaum aufzuhalten. 60 Prozent aller Autofahrer – also die Mehrheit – säße nicht gerne am Steuer. Ältere Menschen, auch Romantiker oder Buchleser. Diese würden die neue Form der Mobilität sehr gerne erleben. Dabei müsse sich die Industrie aber vom technologischen Denken lösen. „Wenn man nicht versteht, was eigentlich die Psychologie des Autofahrens ist, also den menschlichen Aspekt, hat man große Schwierigkeiten, die Zukunft wirklich zu verstehen“, sagt Horx.

Sein Diskussionspartner Alexander Mankowsky ist bei Daimler genau für diese Aspekte der zukünftigen Mobilität zuständig. Mit seinem Think Tank in Berlin entwickelt er Zukunftsvisionen, mit denen der Autobauer seine künftigen Modelle plant. Auf der Bühne der Münchener BMW-Welt erklärt der Daimler-Denker, wie seine Idee der zukünftigen Mobilität aussehen könnte, am Beispiel des Konzeptfahrzeugs F-015, das er gemeinsam mit den Ingenieuren entworfen hat.

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„Das Zentrum ist das Interieur“, sagt Mankowsky. Das Auto sei konzipiert wie eine schützende Hand oder eine Kutsche. Die Mitfahrer können wie im gewöhnlichen Auto nach vorne blicken, sich auf Wunsch aber auch gegenübersitzen. Denn das beste Mittel gegen den Stress beim Fahren sei die menschliche Kommunikation, das „miteinander quatschen“, wie Mankowsky es ausdrückt.

Und auch das Gefühl, dem selbstfahrenden Auto hilflos ausgeliefert zu sein, will Mankowsky mit Technologie lösen. Kommandomodule in den Türen sollen jedem Fahrer auf Wunsch die Möglichkeit geben, ein Ziel zu bestimmen. Ein Kind könne dem Auto befehlen, dass es die nächste Eisdiele ansteuern soll. „Man bleibt Herr des Gerätes“, sagt der Daimler-Visionär. Das Auto solle ein Platz sein, an dem man sich erholen und schlafen kann und „Dinge macht, die man in der heutigen hektischen Zeit nicht mehr hinbekommt.“

Man müsse bei der Mobilität der Zukunft aber auch über das Auto hinausdenken. „Alles, was Transport angeht, wäre am Ende auch skalierbar“, sagt Makowsky – vom selbstfahrenden Trolley bis zum selbstfahrenden Haus. Eine Vision des Kollegen, die Zukunftsforscher Horx humorvoll aufgreift. „Das gab es als Fantasie öfter schon einmal. Nennt sich glaube ich Wohnwagen.“ Für Horx bietet die Zukunft noch andere Formen der Fortbewegung. „Die Frage ist auch, wie viel unserer Mobilität sich in den Cyberspace bewegt. Wenn man mit einer VR-Brille alles Mögliche erleben kann, entsteht eine sekundäre Form der Mobilität“, sagt Horx.

Wird das Auto am Ende durch die VR-Brille ersetzt? Für Daimler-Forscher Mankowsky keine wünschenswerte Entwicklung. „Wir schließen unser Gehirn über das Licht ab“, sagt er. Doch unser Wahrnehmungsapparat funktioniere mit Feedback. „Das finde ich gefährlich. Ein bisschen wie das LSD damals.“

Ohnehin stellen beide Zukunftsforscher in ihrer Diskussion immer wieder fest, wie viele Zukunftsvisionen, sich am Ende als Luftnummern entpuppen. Mankowsky führt dafür den Psychologen Sigmund Freud ins Feld, der Menschen als „Prothesen-Götter“ bezeichnet. „Wir sind Götter, können fliegen, laut reden – aber wir müssen immer eine Prothese dafür anlegen“, erklärt er. Darum müsse man die Fantasien sortieren. Denn viele hätten schon Grundmängel.

Kommentare (1)

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Herr Peter Klose

10.11.2016, 17:27 Uhr

Komisch dass hier bei den Zukunftsforschern der aktuell grösste Boom der Mobilität in der Stadt gar nicht erwähnt wird. Das mit elektrischem Hilfsanrtieb angetriebene Zweirad. Ein Automobil muss nicht zwingend vier Räder haben, insbesondere in Der Stadt wird die Grösse des Fahrzeugs zum schweren Nachteil Das schweizerische Twike beispielsweise hat schon vor zwei jahrzehnten hier Maßstäbe gesetzt mit einem Leergewicht um die 200 Kg bei zwei Sitzen und Vollkarosserie. Das heisst mittlerweile ist die e-Technologie deutlich weiterentwickelt worden und es wären eine vielzahl von neuen Fahrzeugtypen denkbar.
Der Tesla ist trotz seiner führenden technischen Konzeption eben auch nur eine Änderung beim antrieb des klassischen PKW, alles andere bleibt komplett gleich wie gehabt: Vier Räder, vier Türen, vier-bis fünf Sitze und konzipiert für die Langstrecke.
Für Zukunfstorscher sollte da doch eigentlich deutlich mehr denkbar sein als nur e-antrieb statt Verbrenner. Aber wie es aussieht werden die Innovationen per abstimmung mit den füssen sich durchsetzen, ausdrücklich gegen(!) die aktuellen big player und insbesondere die ignorante Politik.
Ein trauriges Kapitel füe sich sind auch die Architekten, die unsere Häuser der Zukunft planen und bauen, irgendwelche Konzepte jenseits von Tiefgarage für PKW sind mir noch nicht begegnet, dabei stellen doch gerade die hochpreisigen Pedelecs und Lastenfahrräder ganz neue anforderungen an sichere Abstellmöglichkeiten jenseits von "Fahrradkeller" und "Fahrradständer im Hof". Wer Mobilität ressourcenschonend (Stichwort: Klimawandel/CO2) anstrebt muss auch die Infrastruktur dafür planen und anbieten.
Und auch bei den Verkehrskonzepten kann man nur neidisch ins Ausland schauen, viel mehr als nur ein paar zusätzliche Fahradstreifen aufmalen ist hierzulande kaum zu erwarten.

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