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14.06.2011

16:41 Uhr

Handelsblatt Exklusiv

Ex-Conergy-Chef Ammer legt nach Anklage Mandate nieder

VonMartin Murphy, Reuters

ExklusivNeuer Ärger bei Conergy: Der Absturz des Hamburger Solarkonzerns holt das frühere Management ein. Ex-Finanzvorstand Heiko Piossek bekommt Probleme mit der Staatsanwaltschaft. Ex-Chef Ammer legt mehrere Mandate nieder.

Das Werk des angeschlagenen Solarunternehmen Conergy in Frankfurt (Oder). Quelle: dpa

Das Werk des angeschlagenen Solarunternehmen Conergy in Frankfurt (Oder).

DüsseldorfDie Staatsanwaltschaft Hamburg hat gegen den früheren Vorstandschef Hans-Martin Rüter und Ex-Finanzvorstand Heiko Piossek wegen möglicher Bilanzfälschung und Insiderhandel mit Conergy-Aktien Anklage erhoben, wie das Handelsblatt aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen erfahren hat. Anklagt wurden auch sechs weitere Führungskräfte, darunter der frühere Aufsichtsratschef Dieter Ammer.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sollen in der Bilanz für das Jahr 2006 unter anderem Umsätze mit Tochtergesellschaften falsch ausgewiesen haben. Conergy hatte den Jahresumsatz nachträglich um rund 70 Millionen Euro senken müssen. Die Staatsanwaltschaft lehnte einen Kommentar dazu ab, die Angeklagten waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Ermittler werfen Rüter und auch Piossek vor, dass sie im Wissen um die falsche Bilanz noch im Frühjahr 2007 Aktien der Conergy AG im großen Stil verkauft haben. Rüter strich dabei 16,4 Millionen Euro ein und Piossek noch 108.000 Euro. Wenige Monate nach den Verkäufen wurde die miserable wirtschaftliche Lage von Conergy öffentlich und die Aktie brach ein. Mit 30 Cent kostet sie noch heute nur einen Bruchteil des damaligen Wertes.

Nicht aktiv die Bilanz gefälscht aber doch von der falschen Bilanz gewusst haben soll Dieter Ammer. Der frühere Tchibo-Chef war zu der fraglichen Zeit Aufsichtsratsvorsitzender; er strich durch den Verkauf von Conergy-Papieren im März 2007 die Summe von 10,9 Millionen Euro ein.

Ammer legt Mandate nieder

Wie am Dienstag bekannt wurde, legt Ammer seine Aufsichts- und Beiratsmandate bei verschiedenen Unternehmen nieder. Dies betreffe neben dem Aufsichtsratsposten bei Conergy unter anderem Ämter bei der Deutschen Bank und dem Mischkonzern Heraeus, teilte Ammer mit. Der Manager begründete diesen Schritt mit einer gegen ihn und andere Ex-Conergy-Manager erhobenen Anklage. „Hiermit ist in keiner Weise ein Schuldeingeständnis verbunden“, betonte er.

Bereits am 8. Juni hatte Ammer bekannt gegeben, aus persönlichen Gründen aus dem Kontrollgremium des Anlagenbauers Gea auszuscheiden.

Ammer versicherte: „Der Aufsichtsrat hat stets, auch im Krisenjahr 2007, nach Gesetz und Satzung gehandelt. Deshalb werde ich mich mit allen juristischen Mitteln gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen.“Ammer hatte bereits vor zwei Jahren erklärt: „Weder ich noch der Bilanzausschuss oder der Aufsichtsrat haben zu irgendeinem Zeitpunkt von eventuellen Bilanzfälschungen gewusst, geschweige denn sie begleitet.“ Seine Aktienverkäufe im Jahr 2007 habe er niemals mit Insiderwissen getätigt.

Ammer hatte im Herbst 2007 den Vorstandsposten bei Conergy übernommen, nachdem sich Firmengründer Rüter bei dem Versuch, das Unternehmen zum Öko-Konzern auszubauen, verhoben hatte. Die 1998 gegründete Conergy war dadurch vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

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