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29.03.2012

06:18 Uhr

Handelsblatt Exklusiv

Opel-Bochum ist in ernsthafter Gefahr

VonCarsten Herz

ExklusivDie Opel-Mitarbeiter in Bochum zittern um ihre Jobs. Dabei würde die Schließung des Werkes zunächst einmal sehr viel Geld kosten. Doch eine Studie zeigt: Sie rechnet sich in weniger als drei Jahren.

Eine Schließung des Werks in Bochum könnte sich in drei Jahren rechnen. Reuters

Eine Schließung des Werks in Bochum könnte sich in drei Jahren rechnen.

FrankfurtDer Opel-Mutterkonzern General Motors wird sich von hohen Kosten für seine anvisierten Werksschließungen in Europa voraussichtlich nicht stoppen lassen. Ein Aus der Fertigungsstätte in Bochum könnte dem US-Giganten nach einer Analyse des CAR Centers Automotive Research für das Handelsblatt trotz hoher Abfindungszahlungen leichter fallen als gedacht. Selbst wenn GM den 3.200 Mitarbeitern Abfindungszahlungen von 150.000 Euro pro Kopf zahlen müsse, würde sich bei einer Verlagerung der Produktion nach Polen angesichts der günstigeren Lohnkosten ein goldener Handschlag innerhalb von drei Jahren amortisieren, lautet das Ergebnis von Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer. „Danach spart Opel durch die Maßnahme schätzungsweise rund 210 Millionen Euro pro Jahr.“ 

Für die Verteidigungslinie der Opel-Arbeitnehmer gegen die Sparpläne des Managements sind das schlechte Nachrichten. Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte jüngst gewarnt, dass eine teure Schließung von Fabriken eine Rückkehr der GM-Tochter in die Gewinnzone auf Jahre verhindern würde. Auch der Bochumer Betriebsrat warnte bereits vor der  „teuersten Werksschließung aller Zeiten“. Die Modellrechnung der Branchenexperten vom CAR Center berücksichtigt allerdings nicht mögliche Transfers von Anlagen nach Polen sowie den Imageschaden und die daraus folgende Kaufzurückhaltung, den ein Aus für Bochum verursachen könnte. So hatte der Handyhersteller Nokia nach der Schließung seiner Fertigungsstätte in Bochum deutliche Marktanteilsverluste in Deutschland erlitten.

Das Handelsblatt und das Wall Street Journal hatten vergangene Woche vorab berichtet, dass der interne vorläufige Sanierungsplan für Opel das Aus für zwei Werke in Europa vorsieht - vor allem Bochum und das britische Ellesmere Port sind gefährdet. Denn der seit Jahren Verluste schreibende Hersteller ächzt trotz einer zwei Jahre dauernden Restrukturierung und der 2010 erfolgten Schließung des Werkes Antwerpen unter massiven Überkapazitäten. Nach Prognose des CAR-Centers wird Opel und seine Schwestermarke Vauxhall im Jahr 2015 lediglich 1,05 Millionen Autos in Europa verkaufen - die momentan installierte Kapazität reicht aber für mehr als 1,5 Millionen Autos.  Opel und seine Schwestermarke Vauxhall laufe jedoch derzeit schon nur mit 70 Prozent seiner Kapazität, schätzt Dudenhöffer, und werde im laufenden Jahr noch höhere Verluste als im Vorjahr einfahren. 2011 hatte das Minus rund 570 Millionen Euro betragen.

Doch im anbahnenden Überlebenskampf zwischen den europäischen Werken hat Bochum schlechte Karten. Sowohl was Logistikstrukturen als auch was Arbeitskosten angeht, liegt das Werk in Nordrhein-Westfalen im europäischen Vergleich mit den anderen Opel-Werken nach Einschätzung von Dudenhöffer im hinteren Feld. Arbeitskosten sind zwar beim Kapazitätsabbau nicht die allein entscheidende Größe - auch der Wert der Gebäude und Anlagen sind ein wichtiges Kriterium. Doch das 1962 eröffnete Werk in Bochum habe aufgrund seines hohen Alters auch einen deutlich geringeren Wert als etwa die jüngeren Fertigungsstätten in Eisenach oder am Stammsitz Rüsselsheim.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

29.03.2012, 06:51 Uhr

und werde im laufenden Jahr noch höhere Verluste als im Vorjahr einfahren. 2011 hatte das Minus rund 570 Millionen Euro betragen.
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Nun erklären sie doch bitte mal wer,warum und wie lange diese Verluste bezahlen soll !!!
Diese roten zahlen versickern ja nicht irgendwo , die müssen ausgeglichen werden , im Moment macht das GM und die sollten das so schnell wie nur möglich beenden .
Kann ein verlustbringendes unternehmen (oder auch teile davon ) nicht in die Gewinnzone gebracht werden , muss es Insolvent gehen !!!
Macht Bochum zu , schmeißt die zuerst raus die am lautesten gebrüllt haben - abschalten sofort denn zu den Produktionskosten zählen auch die Energiepreise .

Opler

29.03.2012, 07:14 Uhr

"schmeißt die zuerst raus die am lautesten gebrüllt haben "

Lassen Sie sich erst mal erklären, durch welche , schon beihnahe kriminelle Machenschaften, General Motors die Firma OPEL ins Minus bringt.Alle Entwicklungskosten die in Rüsselsheim auflaufen - auch für amerikanische Modelle, wie Chevrolet Volt, Chevrolet Cagiva, Buick Regal, werden auf´s Konto von Rüsselsheim gerechnet - die Gewinne für die verkauften Autos werden aber aufs amerikanische Gewinnkonto gebucht!
Wer wie Sie mit solchen prol - Argumenten um sich schmeißt, dem wünsche ich von Herzen ein sofortige Arbeitslosigkeit mit baldigem Absturz in Harz 4!!!!!

Account gelöscht!

29.03.2012, 07:42 Uhr

@ Opler

Ein Unternehmen mit verschiedenen marken hat ein Entwicklungszentrum , warum sollte jede marke ein eigenes Entwicklungszentrum haben wenn es doch zum selben Unternehmen gehört ?

Macht den Laden dicht !

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