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05.10.2015

16:23 Uhr

Handelsblatt Industriegipfel

Deutsche Unternehmen sollen enger zusammenrücken

VonDana Heide, Franz Hubik

Viele Firmen haben das Thema Industrie 4.0 noch nicht erkannt. Was passieren muss, damit Deutschland international nicht abgehängt wird, darüber diskutierten die Teilnehmer des 1. Handelsblatt Industriegipfels in Berlin.

Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, in Berlin. EUROFORUM, Dietmar Gust

1. Handelsblatt Industriegipfel

Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, in Berlin.

BerlinDieter Schweer macht sich Sorgen, dass die deutsche Industrie bei der Digitalisierung ins Hintertreffen gerät: „60 Prozent der Mittelständler haben das Thema nicht erkannt. Das ist eine erschreckend hohe Zahl“, warnte das Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) beim 1. Industriegipfel des Handelsblatts zum Thema Industrie 4.0 am Montag in Berlin.

Den einen Mittelständler gebe es zwar nicht, erklärte Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer. Doch es gebe einerseits Unternehmen, die ein „bisschen übervorsichtig sind“ und andererseits auch einige, die „gehen richtig nach vorn“. Einig waren sich die Teilnehmer jedoch darin, dass das Thema Industrie 4.0 Chefsache werden muss.

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Was die Unternehmen brauchen und worauf es bei der Digitalisierung jetzt ankommt, darüber sprachen die Diskussionsteilnehmer am ersten Tag des 1. Handelsblatt Industriegipfels in Berlin. „Wir betreten Neuland“, sagte Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs zu Beginn der Konferenz, in Anspielung auf die berühmt gewordenen Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit denen sie die Herausforderungen der Digitalisierung beschrieben hatte.

Hat EU-Digitalkommissar Günther Oettinger Recht mit seinem Urteil, dass wir die IT-Führerschaft verloren haben, wollte Handelsblatt-Chefredakteur Jakobs wissen. Die Bilanz der Tagungsteilnehmer fiel nüchtern aus. „Wir haben sie nicht verloren, wir hatten sie nie“, analysierte Henning Kagermann, Chef der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech.

Die intelligente Fabrik

Forschung in der Smart Factory

Langfristig dürfte die Vision der smarten Technik weit über den Einsatz einzelner Komponenten wie Datenbrillen hinaus gehen. So forschen Dominic Gorecky und seine Kollegen am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in einem Smart Factory-Laboratorium an neuen Technologien und ihrem Einfluss auf die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Produktionssteuerung per Chip

Produktionsmodule verschiedener Firmen lassen sich wie Legobausteine zu einem beliebigen Produktionsprozess kombinieren: Ein Modul fräst etwa eine individuelle Gravur in eine Platte, das nächste Modul setzt ein spezielles Gehäuse auf, ein anderes führt eine Qualitätskontrolle durch. Jedes Produkt kommuniziert mittels RFID-Kennzeichnung mit den Modulen, welcher Prozessschritt ausgeführt werden soll - die zentrale Steuerung wird damit aufgehoben. Um die Flexibilität von Industrie 4.0-Anlagen voll auszuschöpfen, agiert der Menschen als Manager des Gesamtsystems und trifft im Problemfall relevante Entscheidungen.

Noch lange kein Alltag

Bis zur Realisierung von Industrie 4.0 im Arbeitsalltag mit smarten Produktionsanlagen und mehr Freiräumen für Mitarbeiter dauert es laut Experten noch mindestens zehn Jahre. Eines der Hauptprobleme liegt laut Dominic Gorecky darin, dass sich die verschiedenen Maschinen- und Komponentenhersteller bisher nur schwer auf gemeinsame, offene Schnittstellen einigen können. Diese sind aber nötig, um eine umfassende Vernetzung möglich zu machen

Beim Thema IT sei Deutschland im Mittelfeld. BDI-Geschäftsführer Schweer wurde differenzierter: Oettinger unterscheide nicht genau zwischen Business-to-Business und Business-to-Consumer. Beim Thema Business-to-Consumer seien die Amerikaner zwar besser, aber bei Business-to-Business haben wir eine „hervorragende Ausgangsbasis“, sagte er.

Die Diskussionsteilnehmer identifizierten mehrere Baustellen. So müsse das Internet schneller werden, um Maschinen untereinander besser vernetzen zu können. Die Verbindungen müssten zudem sicherer werden, sowohl bei der Verfügbarkeit als auch bei der Datensicherheit. Europa sollte gemeinsame Standards setzen, damit man mit einer Stimme sprechen könne, wenn es um gemeinsame Standards etwa mit den USA gehe, forderte Fraunhofer-Präsident Neugebauer.

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