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03.01.2006

09:21 Uhr

Handelsblatt-Interview

„An Toyota müssen sich alle messen“

Daniel Jones, der Erfinder der "Lean Production" über Unternehmen wie Toyota, die alles richtig machen, Unternehmen wie Tesco, die dank guter Zusammenarbeit mit anderen erfolgreich sind, und Unternehmen, die noch viel lernen müssen.

Daniel Jones. Foto: dpa.

Daniel Jones. Foto: dpa.

Handelsblatt: Sie haben gemeinsam mit James Womack die Idee der Lean Production – perfekte, schlanke Produktion ganz nach Kundenwünschen – entwickelt, dann geriet die Idee etwas in Vergessenheit. Heute ist sie auch in Deutschland wieder gefragt. Woran liegt das?

Jones: Vor 15 Jahren waren die deutschen Autohersteller begeistert von der Idee der Lean Production. Doch dann lief es wieder besser, und die Unternehmen verloren das Interesse daran. Die Deutschen dachten, allein mit guten Produkten ließen sich die Nachteile in der Fertigung ausgleichen. In Deutschland wurden unsere Ideen zudem nur mit schlanker, magerer Produktion und Kostensenkung gleichgesetzt – ein völliges Missverständnis. Das erklärt vielleicht auch, warum sich das Erfolgsmodell von Porsche nicht in anderen deutschen Unternehmen durchgesetzt hat. Erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren werden unsere Vorschläge wieder ernst genommen.

Es gibt aber auch andere Beispiele?

Ja, nicht nur krisengeschüttelte Firmen wollen lean sein. Beispiel Siemens. Man kann nicht gerade behaupten, der Konzern stecke in einer tiefen Krise. Trotzdem hat das Unternehmen erkannt, dass ihm die Lean-Ideen helfen können, etwa im Design eines Produkts, in der Fertigung und im Vertrieb.

Wie hat sich die Idee der Lean Production verändert?

Die Lean-Idee hat ihren Anfang in der Automobilindustrie bei Toyota genommen. Und die Japaner sind auch weiterhin Nummer eins in der Welt, was die Umsetzung dieser Idee betrifft. Toyota wird auch in absehbarer Zeit General Motors als weltgrößten Automobilhersteller ablösen. Welch besseren Beweis gibt es, dass die Idee der Lean Production tatsächlich funktioniert.

General Motors steckt ohnehin zurzeit in einer schweren Krise. Wie würden Sie jetzt dort die Lean-Ideen einsetzen, um dem Unternehmen zu helfen?

GM wendet die Lean-Prinzipien schon länger an. Aber das ist einfach nicht genug. Die wahren Probleme des Konzerns sind die hohen Pensions- und Gesundheitsausgaben – da reichen Lean Production und hohe Effizienz nicht mehr aus.

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