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12.01.2004

06:00 Uhr

Handelsblatt-Interview

Thales will in Deutschland keine Schiffe bauen

Thales-Chef Denis Ranque über Werften, die deutsche Maut und die Probleme der europäischen Rüstungsindustrie.

Handelsblatt: Herr Ranque, eine gute Fee stellt Sie vor die Wahl, für den Rest Ihres Lebens über die Weltmeere zu segeln oder Chef der Fusion von Thales und BAE Systems zu werden. Wie würden Sie entscheiden?

Ranque: Keine Frage – ich nehme die erste Alternative, aus persönlicher wie aus geschäftlicher Sicht. Ich bin nicht nur passionierter Segler. Eine Fusion von Thales und BAE Systems würde keinen Sinn machen und Werte unserer Aktionäre zerstören. Es würde genau das Gleiche passieren wie nach der Fusion von BAE und Marconi in Großbritannien: Wenn sich zwei Spitzenreiter zusammentun, profitiert davon nur die Nummer drei. Thales war früher die Nummer drei auf dem britischen Markt. Heute sind wir die Nummer zwei – und unser Geschäft entwickelt sich sehr gut.

Europas Rüstungsindustrie steht vor einer Konsolidierungswelle. Ist Thales nicht zu klein?

Größe im Weltmarkt bedeutet nicht viel. Wir wollen nicht groß sein, nur um groß zu sein. Was zählt, ist die Größe in einem bestimmten Segment. In fast allen Märkten, auf denen Thales aktiv ist, sind wir in Europa die Nummer eins und weltweit die Nummer zwei oder drei – fast immer hinter US-Firmen. Wenn wir überhaupt ein Größenproblem haben, dann damit, dass wir fast keinen Zugang zum US-Markt haben. Dort erzielen wir nur zehn Prozent unseres Umsatzes, obwohl die USA 40 bis 50 Prozent des Weltmarkts ausmachen.

Während die USA bei Rüstungsgütern vor allem amerikanisch kauft, bestellen Europas Regierungen nicht immer europäisch. Denken wir nicht europäisch genug?

Die Europäer sind nicht gut organisiert. Arbeiten die Regierungen genug an gemeinsamen Anforderungsprofilen für Rüstungsgüter? Nein. Legen sie ihre Bestellungen zusammen? Noch immer zu selten. Werden Forschung und Entwicklung zusammengelegt? Nein. Die einzige Chance für Europa, die Importe aus den USA auszubalancieren, ist, einen echten gemeinsamen Rüstungsmarkt aufzubauen. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Die Geschwindigkeit, mit der das US-Verteidigungsbudget wächst, ist eindrucksvoll.

Im nächsten Jahr nimmt immerhin die neue EU-Rüstungsagentur ihre Arbeit auf.

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