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26.01.2012

19:30 Uhr

Hans-Carsten Hansen

„Wir brauchen längere Arbeitszeiten“

VonDietrich Creutzburg

BASF-Personalvorstand Hansen vertritt die Chemieindustrie in der kommenden Tarifrunde. Dabei will er nicht nur über die Lohnforderungen der Gewerkschaften reden, sondern auch über eine Agenda gegen den Fachkräftemangel.

Bald geht die Tarifrunde in der Chemiebranche los. Am 14. Februar will die IG BCE eine „kräftige“ Tariferhöhung fordern. dpa

Bald geht die Tarifrunde in der Chemiebranche los. Am 14. Februar will die IG BCE eine „kräftige“ Tariferhöhung fordern.

BerlinHandelsblatt: Herr Hansen, nach Ansicht Ihres Tarifpartners, der Gewerkschaft IG BCE, ist die chemische Industrie stark und erfolgreich genug für eine kräftige Lohnerhöhung. Missfällt Ihnen das?

Hans-Carsten Hansen: Natürlich haben wir ein erfolgreiches Jahr 2011 im Rücken. Für 2012 rechnen wir aber nur noch mit einem sehr moderaten Umsatzwachstum von vielleicht zwei Prozent, nach neun Prozent im Vorjahr. Die IG BCE wird daher aufpassen müssen, dass sie nicht überzieht.

Das Jahr 2011 war sogar deutlich besser als erwartet ...

... und wir haben damals mit 4,1 Prozent den deutschlandweit höchsten Tarifabschluss gemacht. Jetzt geht es um die künftige Entwicklung. Das vergangene Jahr ist abgeschlossen, und es gibt keinen Anlass, das ein zweites Mal in Tariferhöhungen umzumünzen. Ich hoffe sehr, dass die Gewerkschaft bei ihrer Forderung die wirtschaftliche Realität des Jahres 2012 beachtet und Augenmaß zeigt.

Zur Realität gehört auch ein zunehmender Fachkräftemangel. Ist nicht schon das Anlass, die Bezahlung in der Branche noch ein Stück attraktiver zu machen?

Man sollte nicht ausblenden, dass sich die Chemieindustrie schon auf einem hohen Tarifniveau bewegt. An attraktiver Vergütung mangelt es bei uns nicht. Unsere Hauptsorge ist vielmehr: Wie kann es angesichts des demografischen Wandels und der sinkenden Zahl verfügbarer Arbeitskräfte überhaupt gelingen, den Bedarf unserer Branche abzudecken? Wir müssen uns um qualifizierten Berufsnachwuchs kümmern – ja. Wir müssen aber auch die Potenziale derer besser nutzen, die bereits in den Unternehmen sind.

Inwiefern?

Knapp gesagt: Es geht darum, das Ziel einer längeren Lebensarbeitszeit tatsächlich in der Praxis zu erreichen. Dazu gehört es natürlich, die Arbeitswelt in den Unternehmen ganz konkret so zu gestalten, dass Menschen länger im Beruf bleiben können. Das erfordert aber auch weitere Veränderungen im Bereich der Tarifpolitik – bis hin zu einer Überprüfung einschlägiger Regelungen zur Arbeitszeit.

Wollen Sie etwa zur 40-Stunden-Woche zurück?

Wir plädieren nicht für eine pauschale Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Eines muss allerdings klar sein: Wir brauchen einen Mentalitätswandel, der endgültig wegführt von den alten Strategien der Arbeitszeitverkürzung. Das gilt beim Thema Wochenarbeitszeiten genauso wie beim Thema Frühverrentung und vorzeitiger Ruhestand. Diese Strategien passten gut in eine Zeit, in der es mehr Arbeitskräfte als Arbeitsplätze gab. Diese Zeit ist aber vorbei. Und darauf müssen wir reagieren.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

26.01.2012, 20:06 Uhr

Es ist schon interessant zu sehen, dass gestern durch die Medien ging, dass man in den USA die Arbeitszeit/- leistung der Europäer als zu niedrig erachte und heute springt ein Vorstand eines Dax- Unternehmens dankend auf den fahrenden Zug. Wenn in den USA alles so "Gold ist was glänzt", fragt man sich wieso das Land solche Probleme hat, zu produzieren und weltweit zu vermarkten.
Vielmehr sieht die Realität oftmals so aus, dass US- Arbeiter mehrere Jobs haben müssen, um "über die Runden zu kommen".

weniger

26.01.2012, 20:34 Uhr

Die BASF beleibt die langen Anzeigen und die Liste unbesetzter Stellen schuldig. Der von Personalchefs gefühlte Fachkräftemangel ist nichts anders als ein großangelegter Sozialabbau für die ausgebildete Mittelschicht. Sie wird auf Harz 4 runtergeschnitten, ist aber aus der Solidarität ausgenommen, da ein gut ausgebildeter erst seine Eigentumswohnung verkaufen muß,bevor er in die Gemeinschaft der 400 Euro Jobber aufgenomen wird.

fondsberater

26.01.2012, 20:49 Uhr

wäre mal interessant zu erfahren wieviel Ü50 bie BASF arbeiten! Garantiert weniger wie 15% der Gesamtbelegschaft.

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