Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2011

00:00 Uhr

Hans Overdiek

Anleger fordern Rücktritt von Pfleiderer-Chef

VonAxel Höpner

Das Management des Holzverarbeiters Pfleiderer räumt Fehler ein. Trotzdem fordern Anleger jetzt den Rücktritt von Chef Hans Overdiek. Auch Schadensersatzklagen hält die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz für denkbar.

Ein Pfleiderer-Mitarbeiter bei der Arbeit auf dem Werksgelände im oberpfälzischen Neumarkt. Quelle: dpa

Ein Pfleiderer-Mitarbeiter bei der Arbeit auf dem Werksgelände im oberpfälzischen Neumarkt.

München Es ist eine ungewohnte Rolle für Hans Overdiek. Der Chef des existenzgefährdeten Holzverarbeiters Pfleiderer aus Neumarkt trat früher gerne großspurig auf, er war der Sonnenkönig in der Oberpfalz. Doch gestern auf der außerordentlichen Hauptversammlung musste Overdiek vor die Aktionäre treten und Buße tun. Zwar im dunklen Anzug mit roter Krawatte und nicht im Büßergewand, aber sichtlich geknickt.
Bei der Expansion in die USA habe das Management keinen guten Job gemacht, Akquisitionen seien zu teuer gewesen und schlecht integriert worden, räumte Overdiek kleinlaut ein. "Ich bin weit davon entfernt, alles auf externe Faktoren - den Markteinbruch, die Finanzkrise, die Rezession - zu schieben", sagte er. Die Krise von Pfleiderer, soll das im Klartext heißen, ist zum guten Teil hausgemacht. Overdieks Eingeständnis reichte den frustrierten Aktionären jedoch nicht - mehrere von ihnen forderten den Rücktritt des Pfleiderer-Chefs.
Die Anleger hätten praktisch ihr gesamtes Geld verloren, kritisierte Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Schadensersatzklagen seien denkbar. Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fügte hinzu, es sei unverständlich, dass der Absturz nicht früher erkannt wurde. Overdiek entgegnete, er habe seinen Rücktritt angeboten, sei aber gebeten worden, weiterzumachen. Er trage jedoch die Verantwortung für das, was in den vergangenen Jahren geschehen sei.
Die Reue Overdieks zeigt, wie dramatisch die Lage bei dem Traditionsunternehmen ist, das einmal in die weite Welt ausgezogen war, um die Marktführerschaft bei Spanplatten und Laminatfußböden zu erobern. Das Ergebnis ist ein Scherbenhaufen: Wegen hoher Verluste ist das Eigenkapital drastisch zusammengeschmolzen, was die außerordentliche Hauptversammlung notwendig machte. In der AG, so berichtete Overdiek gestern, betrug der Nettoverlust im vergangenen Jahr 345 Millionen Euro (2009: minus 57 Millionen Euro). Der Schuldenberg des Unternehmens beträgt knapp eine Milliarde Euro.
Doch es gibt Hoffnung für Pfleiderer. Im Grundsatz haben sich die Parteien im März auf harte Einschnitte geeinigt: Die Gläubiger müssen einen guten Teil ihrer Forderungen fallen lassen. Bei den Kernverbindlichkeiten in Höhe von 750 Millionen Euro verzichten die Banken und Hedge-Fonds nach Informationen des Handelsblatts auf etwa 40 Prozent ihrer Forderungen. Pfleiderer wird so auf einen Schlag 300 Millionen Euro der Schulden los. "Das ist weit mehr, als der Vorstand erhofft hatte", sagte ein Branchenkenner.
Im Gegenzug übernehmen die Gläubiger über eine Kapitalerhöhung die Kontrolle bei Pfleiderer. Über die Details wird hinter den Kulissen noch heftig gerungen. "Das Schiff ist weiterhin in schwerer See, und es ist noch ein gutes Stück bis in den sicheren Hafen", sagte Overdiek. Im Umfeld des Unternehmens hofft man, dass die Einigung mit den Gläubigern spätestens bis Ende Mai unter Dach und Fach ist.
Overdiek gewinnt dadurch wieder Oberwasser - allzu lange will er nun auch wieder nicht Buße tun. Er habe jedenfalls "Motivation genug, die Restrukturierung mit aller Kraft voranzutreiben und zum Erfolg zu führen", bekräftigte er. Nicht alle Aktionäre nahmen das erfreut zur Kenntnis.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×