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23.08.2012

19:51 Uhr

Happy Birthday

125 Jahre „Made in Germany“

Einst sollte es als Handelshemmnis dienen. Heute ist es für viele Unternehmen unverzichtbar: „Made in Germany“. Das Label darf benutzt werden, wenn die Hälfte der Wertschöpfung in Deutschland erbracht wurde.

Eine Karte mit der Aufschrift "Made in Germany" dpa

Eine Karte mit der Aufschrift "Made in Germany"

DüsseldorfDer Schuss ging nach hinten los. Mit dem Label „Made in Germany“ sollten vor 125 Jahren deutsche Produkte in Großbritannien diskriminiert werden. Geklappt hat das nicht. Die Idee wurde zum Erfolgsrezept - allerdings für die deutschen Hersteller. Heute ist der kleine Schriftzug vor allem für viele mittelständische Unternehmen unverzichtbar.

Das britische Handelsmarkengesetz vom 23. August 1887 gilt als Geburtsstunde des heute weltweit bekannten Labels. Hintergrund waren damals Konkurrenzsorgen von Messerherstellern aus Sheffield, die auf Maßnahmen gegen die unliebsamen Billigheimer vom Kontinent drängten. Doch das Londoner Parlament stand vor einem Dilemma: „Die Briten hätten Schutzzölle hochziehen können, doch als Exportnation profitierte das Land selbst davon, dass es weltweit so relativ wenig Zölle gab“, beschreibt Dieter Ziegler, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte an der Bochumer Ruhr-Universität, die Situation.

Auf Druck der Hersteller musste jedoch gehandelt werden und so kam es zur Einführung des neuen Labels. „Das Made-in-Germany-Gesetz war so etwas wie ein Kompromiss“, beschreibt der Historiker die verzwickte Lage. „Man schließt die deutschen Waren nicht aus, indem man sie mit Zöllen belegt, aber man signalisiert dem britischen Verbraucher "Achtung - was du hier kaufst ist zwar billig, aber auch schlecht"“, so der Historiker.

Nach einer Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden dramatischen Aufholjagd der deutschen Produzenten in Sachen Qualitätsverbesserung entdeckten viele Verbraucher jedoch schon bald die Qualität der importierten Produkte. „Heute ist es ein Qualitätssiegel, auf das von vielen deutschen Unternehmen großer Wert gelegt wird und um dessen Weiterbestand Deutschland kämpft“, sagt Olaf Plötner, Fakultätsmitglied der European School of Management and Technology in Berlin.

Vor allem für mittelständisch geprägte Unternehmen, die nicht über ein bekanntes Firmenlogo verfügten, sei das „Made in Germany“ nach wie vor unverzichtbar, berichtet Volker Treier, Bereichsleiter International beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Es ist für den Exporterfolg nicht wegzudenken“, sagt er.

Verpassen kann sich jeder das Label selbst - vorgeschrieben ist eine Herkunftsbezeichnung in Deutschland nicht. „Es ist aber nicht unverbindlich“, warnt der DIHK-Experte. Notfalls müsse das Werbeversprechen auch einer gerichtlichen Überprüfung standhalten können. Dabei reicht es nach den Erfahrungen des Experten jedoch in der Regel aus, wenn 45 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erbracht wurden.

Kommentare (2)

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23.08.2012, 20:14 Uhr

"Achtung - was du hier kaufst ist zwar billig, aber auch schlecht"“

Diese Auslegung verfälscht die historischen Hintergründe. Es ging nicht um eine Qualitätswarnung, es ging um die Warnung: "Achtung, dieser Kauf unterstützt den Feind!"

Seinerzeit war die britische Gesellschaft in aller Öffentlichkeit FEINDSCHAFTLICH auf Deutschland zu sprechen. Sie hatten ein Trauma zu verarbeiten, nachdem durch den Sieg der Deutschen gegen Frankreich 1871 mit der Vereinigung der deutscen Kleinstaaten zum DEUTSCHEN KAISERREICH von heute auf morgen die damalige Weltmacht Nr. 1 - Grossbritannien - über Nacht durch Deutschland auf den 2. Platz verdrängt wurde.

Fortan arbeitete die britische Politik auf allen Kanälen gegen Deutschland, initiierte die Einkreisungspolitik auf Bündnisbasis und drängte ganz offen auf einen militärischen Show-Down - der schließlich zum 1. Weltkrieg führte.

GenervteSchuelerin

25.08.2012, 11:54 Uhr

Ich habe mich persönlich ein wenig geärgert, weil dieser Artikel mit einem Artikel aus dem Pfälzischen Merkur vom 22.08.2012 zu großen Teilen übereinstimmt und nicht ersichtlich ist, ob der Artikel aus dem Merkur für diesen als Quelle diente.

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