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24.01.2006

15:55 Uhr

Harte Fronten bei AEG

„Überlebensfrage“ für Electrolux

Trotz des Streiks der Belegschaft des von Schließung bedrohten AEG-Werks in Nürnberg zeigt sich der Mutterkonzern Electrolux unnachgiebig.

HB NÜRNBERG/STOCKHOLM. Electrolux-Chef Hans Stråberg verteidigte die geplante Schließung des Hausgeräte-Werks mit 1700 Beschäftigten am Dienstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur als „Überlebensfrage“ für den schwedischen Konzern.

Er hoffe, dass noch vor der Vorlage der Konzern-Bilanzzahlen am 14. Februar eine Lösung für die Beschäftigten gefunden werde, sagte Stråberg. Streikleiter Jürgen Wechsler reagierte mit den Worten: „Diesen Gefallen werden wir ihm nicht tun.“ Unterdessen begann auch bei der AEG-Logistiksparte am Dienstag die Urabstimmung über einen Arbeitskampf.

Der Streik bei AEG werde auch während möglicher Verhandlungen weiter gehen, sagte Wechsler der dpa. Er werde erst beendet, wenn ein Ergebnis unterschrieben sei. „Wir haben keinen Grund nachzugeben“, sagte Wechsler. „Wir haben kein Angebot auf dem Tisch.“ Vom Electrolux-Konzern gebe es bisher keine Aufforderung zu Verhandlungen.

Stråberg hatte am Dienstag in dem dpa-Gespräch in Stockholm seine Bereitschaft zur sofortigen Aufnahme von Verhandlungen mit der Gewerkschaft über die Bedingungen für die geplante Betriebsschließung bekundet. „Ich hoffe, dass wir uns jetzt so schnell wie möglich zusammensetzen, um eine Lösung für unsere Beschäftigten und unser Unternehmen in Nürnberg zu finden. Und ich hoffe, dass wir alles wesentlich schneller schaffen als bis zum 14. Februar.“

Er verstehe die Enttäuschung der Beschäftigten, fügte der Konzernchef hinzu. „Aber was jetzt läuft, nutzt niemandem.“ Stråberg verteidigte den Schließungsbeschluss: „Wir verlieren Geld bei jedem Produkt, das wir in Nürnberg herstellen. Für uns ist das eine Überlebensfrage. Wir können einfach nicht mit unseren Konkurrenten mithalten, die mit Waschmaschinen aus Polen auf den deutschen Markt kommen. Das ist leider die bittere Wahrheit.“ Der Electrolux-Chef kündigte an, sich selbst in die Verhandlungen einzuschalten, „wenn es erforderlich ist“.

Wechsler nannte Stråbergs Äußerungen „vage“. Das Nürnberger Werk schreibe schwarze Zahlen. Der Betriebsrat habe zudem ein Zukunftskonzept für das AEG-Werk entwickelt, auf das Stråberg nicht eingegangen sei. Der Konzern will Waschmaschinen und Geschirrspüler künftig billiger in Polen und Italien produzieren.

Bei der AEG-Logistiksparte mit rund 160 Beschäftigten begann am Dienstag die Urabstimmung über Kampfmaßnahmen. In Nürnberg hätten sich in den ersten Stunden bereits mehr als 90 Prozent der Beschäftigten beteiligt, berichtete Wechsler. Betroffen sind auch Arbeitnehmer in Rothenburg ob der Tauber und in Dormagen. Electrolux hatte die Sparte im vergangenen Jahr in eine eigene GmbH ausgegliedert, die dann aus der Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie ausgetreten war. Dadurch drohen den Beschäftigten nach Angaben der IG Metall hohe Einkommenseinbußen.

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