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15.01.2013

17:44 Uhr

Harter Wettbewerb

Meyer Werft will 50 Millionen Euro einsparen

Unterbeschäftigung und Preisverfall: Die Meyer Werft aus Papenburg muss einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen. Mit dem Betriebsrat und der IG Metall soll nun ein entsprechendes Maßnahmenpaket erstellt werden.

Das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Gem" beim Verlassen der Meyer Werft. ap

Das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Gem" beim Verlassen der Meyer Werft.

PapenburgWegen des schärfer werdenden weltweiten Wettbewerbs will die Meyer Werft aus dem emsländischen Papenburg in diesem Jahr 50 Millionen Euro einsparen. „Der Preisverfall geht offenbar schneller voran als wir unsere Produktivität verbessern können“, sagte am Dienstag ein Sprecher des Unternehmens zu entsprechenden Medienberichten. In den nächsten zwei Wochen solle mit der IG Metall und dem Betriebsrat ein Sparpaket ausgehandelt werden.

Laut „Neuer Osnabrücker Zeitung“ sind die Papenburger Schiffsbauer nicht bei dem Auftrag für den Luxusliner „Oasis of the Seas 3“ der amerikanischen Reederei Royal Caribbean zum Zug gekommen. Dieser Vertrag hätte einen Wert von rund einer Milliarde Euro gehabt.

Die größten Werft-Pleiten Deutschlands

Mai 1996

Der Bremer Vulkan geht als größter deutscher Werftenverbund in Konkurs. Knapp 2000 Beschäftigte verlieren ihren Job. Der Konzern hatte umgerechnet mindestens 435 Millionen Euro Subventionen zweckentfremdet, die eigentlich für Tochterfirmen in Ostdeutschland bestimmt waren. Der im Herbst 1995 zurückgetretene Vorstandschef Friedrich Hennemann und zwei weitere Mitarbeiter werden später wegen Untreue zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Februar 2004

Die Lloyd Werft Bremerhaven mit rund 500 Beschäftigten beantragt Insolvenz. Die finanziellen Probleme entstanden vor allem durch die Havarie des gekenterten Kreuzfahrtschiffes „Pride of America“. In der Folgezeit gelingt die Sanierung des Unternehmens, 2006 steigen die italienische Staatswerft Fincantieri und eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Bremen als Gesellschafter ein. 2011 arbeiten 200 Menschen bei Lloyd.

September 2008

Die Kieler Traditionswerft Lindenau stellt Insolvenzantrag. Die auf Doppelhüllen-Tanker spezialisierte Werft verfügt nach eigenen Angaben über Aufträge von zusammen 225 Millionen Euro. Anfang 2012 geht der Millionenauftrag für eine größere Reparatur des Marine-Segelschulschiffes Gorch Fock an die Konkurrenz. Von den ehemals 370 Beschäftigten arbeiten noch 38 bei Lindenau.

Januar 2009

Die Bremerhavener Schichau Seebeck Werft meldet Insolvenz an. Offene Verbindlichkeiten bei Lieferanten konnten trotz eines gut gefüllten Auftragsbuches nicht beglichen werden. Auf der Werft arbeiten mehr als 300 Beschäftigte. Kurz darauf wird die Werft geschlossen.

Juni 2009

Für die Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde wird trotz staatlich verbürgter Kredite in dreistelliger Millionenhöhe Insolvenz beantragt. Es scheitern zunächst alle Versuche, vorhandene Aufträge zu sichern und neue Investoren zu finden. Im August stimmt der Gläubigerausschuss dem Verkauf an den russischen Investor Igor Jussufow zu, der mit 40,5 Millionen Euro einsteigt. Auf den später in Nordic Yards umbenannten Werften arbeiten 2011 noch knapp 970 der einst 2400 Beschäftigten.

November 2011

Deutschlands älteste Werft, die Hamburger Sietas-Gruppe, geht in die Insolvenz. Im Juni 2012 wird das Unternehmen zerschlagen: Die Sietas-Werft geht an die niederländische Veka-Gruppe. Die Bremer Lürssen-Gruppe übernimmt die Reparaturwerft Norderwerft. Die norwegische TTS Group ASA erhält den Zuschlag für die Neuenfelder Maschinenfabrik. Seit dem Insolvenzantrag sind 350 der ehemals 1000 Arbeitsplätze gestrichen worden.

29. August 2012

Die P+S-Werften stellen beim Amtsgericht Stralsund einen Insolvenzantrag für die beiden Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast. Knapp 2000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs.

Betriebsratsvorsitzender Thomas Gelder sagte, er sei überzeugt, dass es noch Potenzial für Einsparungen gebe. Wichtig sei es, eine Lösung für die Unterbeschäftigung zu finden, die in einigen Bereichen des Unternehmens herrsche.

Die Werft ist eigenen Angaben zufolge bis Herbst 2015 mit Aufträgen ausgelastet. Erst im Herbst hatte das Unternehmen mit der US-Reederei Norwegian Cruise Line einen Auftrag über ein neues Kreuzfahrtschiff für 4200 Passagiere mit einem Wert von 700 Millionen Euro bekommen. Rund 2500 Menschen arbeiten auf der Werft.

Von

dpa

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