Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2013

19:18 Uhr

Hauptversammlung

Aktionäre befürchten größere Klagerisiken bei Porsche

Das Klagedickicht nach der Übernahme von Porsche durch VW beschäftigt die Anteilseigner auf der Hauptversammlung des Sportwagenbauers. Sie stellen kritische Fragen – und versuchen, den Versammlungsleiter abzusetzen.

Aktionäre klagen gegen Porsche wegen der Übernahmeschlacht mit VW und verlangen Schadensersatz. Reuters

Aktionäre klagen gegen Porsche wegen der Übernahmeschlacht mit VW und verlangen Schadensersatz.

LeipzigDie juristischen Nachwehen aus der Übernahmeschlacht mit VW hängen der Porsche Holding nach. Auf der Hauptversammlung am Dienstag beschäftigten sich die Fragen der Aktionäre vor allem mit dem daraus resultierenden Klagedickicht. „Welche Risiken verschwiegen und verschweigen sie den einfachen Mitgliedern des Aufsichtsrats und den Aktionären?“, fragte Martin Weinmann vom Verein „Verbraucherzentrale für Kapitalanleger“ in Leipzig. „Welche Belastungen kommen noch auf die Gesellschaften zu?“ Auch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hakte bei Risiken aus den laufenden Verfahren nach.

Neben der Schadenersatzklagen von Aktionären, die sich während der Übernahmequerelen zwischen Porsche und VW nicht ausreichend informiert sahen, stehen auch Fragen über Verantwortung von Managern und Aufsichtsräten aus. Ex-Finanzchef Holger Härter muss sich wegen Kreditbetrugs verantworten, er und sein Ex-Chef Wendelin Wiedeking sind zudem wegen Marktmanipulation angeklagt. In dem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Porsche-Aufsichtsräte.

Porsches Weg in die Krise und wieder heraus

Bewegte Jahre

Porsche hat bewegte Jahre hinter sich. Ein schneller Überblick, wie es dazu kommen konnte.

Der Anfang

Ferdinand Porsche machte sich 1931 in Stuttgart nach einer Anstellung bei Daimler selbstständig. Er konstruierte 1934 den VW-Käfer und legte so den Grundstein für den Volkswagenkonzern

Der Einstieg bei VW

Finanziell trafen sich beide Konzerne 2005 wieder. Porsche stieg mit zunächst 20 Prozent bei Volkswagen ein und erhöhte seinen Anteil bis 2009 auf knapp 51 Prozent.

Was schief lief

Der profitable, aber im Vergleich zu VW kleine Sportwagenbauer verschluckte sich in der Finanzkrise jedoch an der geplanten VW-Übernahme und konnte nur durch Milliardenkredite gerettet werden.

Der Weg aus der Krise

Nach der Krise ist Porsche wieder auf einem guten Weg. Für das Rumpfgeschäftsjahr vom 1. August bis zum 31. Dezember 2010 erzielte der Konzern ein Ergebnis nach Steuern in Höhe von 1,286 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 2009/10 wies Porsche ein negatives Ergebnis von minus 454 Millionen aus.

Zurück zu alter Stärke

Porsche ist vor allem auf dem amerikanischen und dem chinesischen Markt wieder stark. Im Mai lieferte der Autobauer weltweit über zwei Drittel mehr Fahrzeuge aus als im Vorjahresmonat

Die Schulden drücken

Im Frühjahr hat Porsche über eine Kapitalerhöhung 4,9 Milliarden Euro eingesammelt, um so den gigantischen Schuldenberg zu drücken

Verschmelzung mit VW

Der Schritt gilt als Etappe auf dem Weg zur Verschmelzung mit VW. Für die Fusion mussten mehrere Klippen umschifft werden. Im August 2012 wurde Porsche in den VW-Konzern integriert. Der Streit um die Übernahmeschlacht dürfte trotzdem weiterlaufen: Mehrere Klagen gegen ehemalige Porsche-Manager wegen des Machtkampfs mit VW werden derzeit vor Gericht verhandelt.

Rechtsanwalt Weimann, der die Holding schon mit mehreren Klagen nach Hauptversammlungen überzogen hat, beantragte deshalb eine Absetzung von Wolfgang Porsche als Versammlungsführer. Wolfgang Porsche aber wurde erneut in den Aufsichtsrat gewählt und bleibt Chef des Gremiums. Der Versuch, Wolfgang Porsche abzusetzen, war von vorneherein zum Scheitern verurteilt - die stimmberechtigten Stammaktien sind fast komplett in der Hand der Familie Porsche und Piëch. Den Rest hält die Quatar Holding Abstimmungen fallen daher in der Regel unkritisch aus.

Bei Porsche schüttelt man die rechtlichen Vorwürfe ohnehin ab: „Wir halten die Klagen für unbegründet“, lautete die Standardantwort. Selbst im Streit um die Schadenersatzforderungen ist man siegessicher. „Wir beurteilen unsere Prozessaussichten positiv“, sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Porsche hat es geschafft, die meisten Klagen nach Deutschland zu holen.

Schadenersatzklagen: Weitere Hedge-Fonds lassen in USA von Porsche ab

Schadenersatzklagen

Weitere Hedge-Fonds lassen in USA von Porsche ab

Vermeintliche Kursmanipulationen im Zusammenhang mit der versuchten Volkswagen-Übernahme durch Porsche beschäftigen etliche Gerichte. Zumindest in den USA meldet Porsche einen weiteren Etappensieg.

In den USA errang die Porsche Holding unterdessen einen weiteren Etappensieg. Noch einmal zwölf Kläger zogen ihre Berufung vor einem US-Bundesgericht zurück, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Bereits Anfang März hatten mehrere Kläger ihre Ansprüche zurückgenommen. Nun bleiben nur noch acht Kläger übrig.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

911turbo

30.04.2013, 18:34 Uhr

Man braucht eben immer wieder ein paar Kaffesatzleser, in diesem Fall Stefan Bratzel, die genau wissen was kommt. Schließlich ist dieser Herr ja ein Branchenexperte. Der alles kann und alles weis. Noch immer wird in den Medien das Thema Prozessrisiko hochgejubelt. Es ist NICHT verboten seine Strategien als Unternehmen zu ändern. Unrichtige Informationen müssen erst nachgewiesen werden. Die Kläge gegen Härter und Wiedeking wird mit einer Einstellung enden. Und weshalb sollten Zocker auf dem Gerichtswege ihre verlorene Kohle wieder bekommen. Solche Urteile gab es noch nie vor einem deutschen Gericht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×