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25.01.2007

16:34 Uhr

Hauptversammlung

Aktionäre kritisieren Siemens-Führung

Auch die gute Zwischenbilanz konnte die Aktionäre des Münchener Technologiekonzerns Siemens nicht besänftigen. Mit harten Worten attackierten die Anteilseigner auf der Hauptversammlung die Unternehmensführung. Sie warfen ihr Schlamperei und Geheimniskrämerei vor. Der Unmut kann für Vorstand und Aufsichtsrat noch böse Folgen haben.

Konzernchef Kleinfeld musste sich schwere Anschuldigungen gefallen lassen. Foto: dpa

Konzernchef Kleinfeld musste sich schwere Anschuldigungen gefallen lassen. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. „Das Unternehmen schlittert von einer Affäre in die nächste“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag vor rund 12 000 Aktionären in München. Der Schmiergeldskandal sei ein Armutszeugnis für die Kontrollsysteme des Unternehmens. Zudem habe die Führung zu langsam auf die Vorfälle reagiert und die Öffentlichkeit über das wahre Ausmaß der Affäre lange im Dunkeln gelassen.

Die DSW und andere Kleinaktionärsvertreter lehnten daher eine Entlastung der Konzernführung ab. Mit der Abstimmung über die Entlastung, die vor allem symbolische Bedeutung hat, wird wegen der langen Rednerliste erst für den Abend gerechnet.

Die ISS, größte und wichtigste Organisation für die Beratung institutioneller Investoren in den USA, hat ihren Kunden ebenfalls empfohlen, Siemens-Vorstand und -Aufsichtsrat nicht zu entlasten. „Dieses Votum ist für institutionelle Aktionäre praktisch bindend“, sagte ein hochrangiger Fondsmanager dem Handelsblatt. „Auf der Hauptversammlung gibt es einen großen Knall“, hieß es. Zu den Kunden von ISS gehören namhafte Fondsgesellschaften. ISS begründet die Empfehlung damit, dass das Siemens-Management zu spät auf den Korruptionsskandal reagiert und damit seine Pflichten vernachlässigt habe.

Es sei überraschend, dass das Verschwinden von 200 bis 420 Mill. Euro in schwarze Kassen in den vergangenen Jahren nicht aufgefallen sei, sagte Henning Gebhardt von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Offenbar sei Siemens zu komplex aufgestellt. „Ein Konzern von dieser Größe ist extrem schwierig zu prüfen und zu kontrollieren.“

Auch Hans-Christof Hirt vom britischen Fondsmanager Hermes sagte, er sehe sich derzeit nicht in der Lage, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung auszusprechen. Man müsse die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. „Vorstand und Aufsichtsrat haben die Schmiergeldaffäre zumindest nicht verhindert und die Aufklärung spät eingeleitet.“

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