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04.09.2013

13:41 Uhr

Hauptversammlung

Balda-Aufsichtsratschef gibt auf

Seit Monaten tobt beim Kunststoffspezialisten Balda ein Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und Großaktionär. Nun gibt Chefkontrolleur Michael Naschke auf. Auf der Hauptversammlung kündigt er seinen Rücktritt an.

Balda-Chefkontrolleur Michael Naschke auf. Auf der Hauptversammlung kündigt er seinen Rücktritt an. dpa

Balda-Chefkontrolleur Michael Naschke auf. Auf der Hauptversammlung kündigt er seinen Rücktritt an.

DüsseldorfMichael Naschke, der Aufsichtsratsvorsitzende des Spritzgussspezialisten Balda, ist zurückgetreten. Dies gab der umstrittene Chefkontrolleur in seiner Rede vor den Aktionären auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin bekannt. Er begründete seine Entscheidung damit, dass er „im Interesse und zum Wohl der Gesellschaft eine Neubesetzung des Aufsichtsrates ermöglichen“ wolle.

Einziger Gegenstand der Hauptversammlung war die Neubesetzung des Gremiums. Naschke und Elector, hinter dem sein ehemaliger Kanzlei-Partner Thomas van Aubel steht, hatten sich seit Monaten einen erbitterten Machtkampf geliefert. Van Aubel hatte sogar gerichtlich durchgesetzt, dass Naschke die heutige Versammlung nicht leiten dürfe.

Hintergrund des Rücktritts könnten auch neue Erkenntnisse über Naschkes Aktivitäten im Aufsichtsrat in den vergangenen Jahren gewesen sein. Das Handelsblatt berichtete heute, dass Naschke 2011 an einem Verkauf von Balda-Aktienoptionen beteiligt war, von denen weder der Vorstand noch die anderen Aufsichtsräte etwas wussten. Balda war drauf und dran, vier Millionen Euro für diese Optionen auszugeben, bevor Rechtsanwälte die Aktion kurz vor dem Vollzug stoppten. Großaktionär van Aubel hat Naschke wegen der Sache angezeigt.

Van Aubel wirft dem Aufsichtsrat unter der Leitung von Naschke Inkompetenz vor und setzte gerichtlich die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung durch. Van Aubel strebt die Abwahl des dreiköpfigen Gremiums an und will selber zusammen mit Manager Oliver Oechsle und Anwältin Frauke Vogler das Ruder übernehmen. Bei einer Hauptversammlungspräsenz von unter 60 Prozent hätte er mit seinem knapp 30-Prozent-Anteil gute Chancen, seinen Antrag durchzuboxen.

Vor zwei Wochen hatten sich indes weitere Anteilseigner ins Spiel gebracht. Die US-Investoren TPG mit dem Fonds Octavian und Indaba schicken den ehemaligen Merck -Manager Klaus Rueth ins Rennen um einen Platz im Aufsichtsrat. Octavian und Indaba halten zusammen 13,26 Prozent an dem Kunststoffteile-Hersteller.

Das Rennen um Posten im Balda -Aufsichtsrat wird eng. Nach einer ersten Meldung des Kontrollgremiums am Mittwoch auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin sind 60,25 Prozent des Aktienkapitals vertreten, wie ein Konzernsprecher mitteilte. Damit wird Großaktionär Thomas van Aubel mit seinem Anteil von 29,94 Prozent an dem Kunststoffteile-Hersteller möglicherweise nicht sein Ziel durchboxen können, den Aufsichtsrat nur mit seinen Kandidaten zu besetzen.

Die Fortsetzung des Konflikts könnte Balda Schaden zufügen. Vorstandschef Dominik Müser hatte erklärt, dass die Geschäfte des Kunststoffteile-Herstellers durch den seit acht Monaten schwelenden Streit unter Druck stünden. Kunden seien durch den öffentlich ausgetragenen Zwist verunsichert. Ein großer Abnehmer der Medizintechnik habe bereits einen Folgeauftrag verschoben.

Müser bekräftigte sein Jahresziel für das im Juni ausgelaufene Bilanzjahr 2012/13, das sowohl vor wie auch nach Sondereffekten einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vorsieht.

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