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12.04.2006

09:01 Uhr

Hauptversammlung

Daimler halbiert EADS-Anteil auf lange Sicht

Vor einer Woche hatte Daimler-Chrysler bekannt gegeben, dass sich der Autobauer von großen Teilen seines EADS-Aktienpakets trennt. Analysten hatten bereits zu der Zeit gemutmaßt, dass weitere Anteilsverkäufe folgen werden. Das bestätigt sich nun. Allerdings will Daimler nicht gänzlich beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern aussteigen.

HB/mwb/ali STUTTGART. Daimler-Chrysler will mindestens 15 Prozent an EADS halten. Das erklärte Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch vor der Hauptversammlung in Berlin laut Redetext. Daimler-Chrysler hatte kürzlich entschieden, seinen Anteil an dem Airbus-Mutterkonzern von 30 auf 22,5 Prozent zurückzufahren. Das treibt den Daimler-Gewinn im Jahr 2007 – wenn die Transaktion abgeschlossen wird – um 1 Mrd. Euro nach oben.

Zetsche sprach angesichts der großen Nachfrage nach dem Super-Airbus A380 von einer „hervorragenden Basis“ für ein weiteres profitables Wachstum in den kommenden Jahren. „Das wollen wir unterstützen und mit mindestens 15 Prozent ein wesentlicher Anteilseigner bleiben.“

Sollte Daimler-Chrysler seinen Anteil letztlich auf 15 Prozent senken, strebe die Konzernführung an, die Balance zwischen französischen und deutschen Anteilseignern weiterhin aufrecht zu erhalten. Auf französischer Seite sind der Staat mit 15 Prozent sowie der Medienkonzern Lagardère mit 7,5 Prozent die größten Anteilseigner.

Branchenexperten hatten den Anteilsverkauf, der in der vergangenen Woche verkündet worden war, als „klares Signal“, dass sich Daimler-Chrysler in den kommenden Jahren ganz aus Europas größtem Luftfahrt- und Rüstungskonzern zurückziehen wolle. Sie sprachen von einer weiteren „Weichenstellung“ bei der Neuausrichtung des Automobilkonzerns. Anders als sein Vorgänger Jürgen Schrempp hat Zetsche keine besondere Affinität zur Luft- und Raumfahrt. Darüber hinaus gilt der seit Jahresbeginn amtierende Daimler-Chrysler-Chef als entschlossener Sanierer, der selbst sagt, er wolle sich „nicht lange an Nebenkriegsschauplätzen aufhalten“.

Der Verkauf des 7,5-prozentigen EADS-Aktienpakets soll erst 2007 über die Bühne gehen, weil dadurch hohe Steuerzahlungen vermieden werden können. Finanzkreisen zufolge will der Automobilkonzern das Paket zunächst vor allem bei britischen Investmentfonds „parken“. Die Fonds sollen die Aktien dann später am Markt platzieren. Die Abwicklung der Transaktion sei im ersten Halbjahr 2007 geplant.

Zeitgleich mit Daimler-Chrysler gab auch Lagardère bekannt, seinen Anteil an EADS von 15 auf 7,5 Prozent zu halbieren. Konzernchef Arnaud Lagardère will das Geschäft von 2007 bis 2009 über eine Zwangswandelanleihe abwickeln. Wie Zetsche ist auch Lagadère dabei, sein Haus auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

Auto-Analyst Rolf Woller von der Hypo-Vereinsbank sagte dem Handelsblatt, positiv an dem Aktienverkauf sei für Daimler-Chrysler, dass durch die Erlöse „die Extrakosten für den Konzernumbau abgefedert werden können“. Diesen Umbau betreibt Zetsche im Eiltempo. Bereits als Mercedes-Chef sorgte er im vergangenen Herbst mit dem Abbau von 8 500 Stellen in der Produktion für einen Paukenschlag. Darüber hinaus werden in der Verwaltung von Daimler-Chrysler 6 000 der 30 000 Stellen gestrichen. Allein diese Maßnahme kostet den Konzern 2 Mrd. Euro. Schon 2005 war Daimler-Chrysler bei dem japanischen Autokonzern Mitsubishi ausgestiegen. Zum Jahreswechsel wurde auch der Dieselmotorenhersteller MTU-Friedrichshafen für 1,6 Mrd. Euro verkauft. Zuletzt kündigte Zetsche das Ende für den viersitzigen Kleinwagen Smart an. EADS ist die letzte große Beteiligung des Stuttgarter Automobilkonzerns.

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