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12.04.2006

08:39 Uhr

Hauptversammlung

Daimler-Kleinaktionäre machen Front gegen alte Garde

Mehrere Aktionärsgruppen wollen dem Aufsichtsratschef Hilmar Kopper auf der Hauptversammlung des Autokonzerns Daimler-Chrysler am heutigen Mittwoch einen Denkzettel verpassen. Auch Ex-Konzernchef Jürgen Schrempp wird nicht ungeschoren davonkommen.

Im Visier der Aktionäre: Daimler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Foto: dpa Quelle: dpa

Im Visier der Aktionäre: Daimler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Foto: dpa

cn/hz BERLIN. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Vereinigung der Kritischen Aktionäre wollen Kopper und dem abwesenden Schrempp die Entlastung verweigern. „Wir gehen davon aus, dass wir die nötige Stimmenzahl beisammen haben, um eine Einzelabstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat durchzusetzen“, sagte der Sprecher der Kritischen Aktionäre, Paul Russmann.

Schrempp ist Ende 2005 ausgeschieden. Sein Nachfolger ist Dieter Zetsche. Üblicherweise werden Vorstand und Aufsichtsrat als Gremium en bloque entlastet. Eine Einzelabstimmung wäre vor allem ein symbolischer Akt. Die Entlastung gilt wegen des Rückhalts der Großaktionäre als sicher. Bereits 2005 scheiterte ein Versuch von Kleinaktionären und einigen Fondsgesellschaften Vorstand und Aufsichtsrat publikumswirksam die Zustimmung zu verweigern.

Die Kleinaktionäre wollen ihrem Unmut darüber Luft machen, dass Kopper bis 2007 an der Spitze des Daimler-Kontrollgremiums bleibt, obwohl am heutigen Mittwoch mit dem Ex-Daimler-Manager Manfred Bischoff bereits sein designierter Nachfolger in das Gremium berufen wird. Außerdem monieren viele Anleger, dass gegen Kopper immer noch wegen des Verdachts auf Verstoß gegen Insiderrichtlinien im Zusammenhang mit dem Schrempp-Rücktritt im Juli 2005 ermittelt wird.

Nach Aussage von Russmann benötigen die Aktionäre 384 000 Stimmen, um Einzelentlastungen durchzusetzen. Diese würden „mit großer Wahrscheinlichkeit“ erreicht, sagte Russmann. Auch der Großaktionär Richard Mayer habe seine Unterstützung signalisiert. Mayer hält alleine etwa 200 000 Stimmrechte. Mayer fordert zudem Sonderprüfungen für die Marken Smart und Maybach.

Freundlicher dürften die Aktionäre dagegen mit dem neuen Daimler-Chef Zetsche umgehen, der sich in Berlin erstmals der Kritik der Aktionäre stellt. Rund 30 Prozent legte die Daimler-Aktie seit der Ankündigung des Führungswechsels zu und schlug damit sogar den Dax. Die Anleger dürften deshalb bei der Hauptversammlung deutlich entspannter sein als in den Vorjahren.

Wurden Schrempp regelmäßig milliardenteure Fehler vorgehalten, hat der neue Vorstandschef längst dem großen Aufräumen begonnen: So verordnete Zetsche dem Konzern neue Führungsstrukturen, einen drastischen Personalabbau, harte Schnitte bei Smart sowie den Abbau der Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. „Der von Dieter Zetsche eingeschlagene Kurs geht in die richtige Richtung“, sagte ein Sprecher der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS, die Schrempp im vergangenen Jahr noch die Entlastung verweigerte. „Daimler ist auf einem guten Weg“, urteilt auch Analyst Stephan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Gut ankommen dürfte auch, dass Zetsche bereits jetzt – ein Jahr eher als vorgeschrieben – seine Vergütung für 2005 bekannt geben will. Dennoch wird es nicht nur lobende Worte geben. Ein Hauptthema dürfte die Schwäche der Mercedes-Gruppe und der defizitären Marke Smart sein. Viele Investoren hätten es lieber gesehen, wenn Zetsche Smart ganz dicht gemacht hätte. Die Kritik, bei der Sorgfalt geschlampt zu haben, weist der Vorstand zurück: Auch bei größter Sorgfalt gebe es kein risikoloses Investment.

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