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10.05.2012

14:29 Uhr

Hauptversammlung

Dialyse-Patienten sichern FMC-Zukunft

Fresenius Medical Care ist für die Zukunft nicht bange. Die Zahl der Dialyse-Patienten wächst - und beschert FMC ein gutes Geschäft. FMC-Chef Ben Lipps hinterlässt ein gut aufgestelltes Unternehmen.

Fresenius Medical Care setzt auf das Geschäft mit der Dialyse. dapd

Fresenius Medical Care setzt auf das Geschäft mit der Dialyse.

FrankfurtImmer mehr Menschen werden dem Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) zufolge in den kommenden Jahren auf Blutwäsche angewiesen sein. Die Zahl der Dialyse-Patienten weltweit werde sich bis 2020 nahezu verdoppeln auf annähernd vier Millionen, sagte FMC-Chef Ben Lipps am Donnerstag bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Frankfurt. Hauptursachen für Nierenversagen, was eine Blutwäsche durch Maschinen nötig macht, seien die Alterung der Bevölkerung und die Ausbreitung von Bluthochdruck und Diabetes-Erkrankungen.

Der weltgrößte Dialyseanbieter will angesichts der wachsenden Patientenzahlen die Kapazitäten in seinen Kliniken ausbauen und alternative Behandlungsformen vorantreiben - etwa die Dialyse über Nacht oder Zuhause. Auch Zukäufe stünden weiter auf der Agenda, sagte Finanzchef Michael Brosnan. Allerdings werde der Konzern für Übernahmen im kommenden Jahr vermutlich etwas weniger ausgeben als in diesem Jahr und 2011, als FMC sich Zukäufe Milliarden kosten ließ.

Die Stärken und Schwächen von Fresenius Medical Care

FMC - mehr als nur eine Tochter

Fresenius Medical Care (FMC) ist die wohl wichtigste Tochterfirma Deutschlands. Der Dax-Konzern beglückt seine Aktionäre Quartal für Quartal mit solidem Gewinnwachstum. Aber es gibt auch Schwachpunkte. Ein schneller Blick auf die Stärken und Schwächen.

Stärke: Stabile Wachstumsaussichten

Rund vier Prozent wächst der weltweite Dialysemarkt jedes Jahr. Weil die Bevölkerung altert und immer mehr Menschen Diabetes bekommen, was die häufigste Ursache für Nierenversagen und die Notwendigkeit einer Dialysebehandlung ist, kann sich Fresenius Medical Care auf eine weiter steigende Nachfrage nach seinen Produkten einstellen. Somit wächst der Konzern weiter - und zwar weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen.

Stärke: Blutwäsche boomt

Im Jahr 2011 summierten sich Dienstleistungen und Produkte rund um die Blutwäsche nach Schätzungen von FMC auf ein weltweites Marktvolumen von rund 75 Milliarden US-Dollar. Dialyseprodukte stehen dabei für einen Umsatz von rund 13 Milliarden Dollar, Dialysedienstleistungen inklusive Medikamente machen 62 Milliarden Dollar Umsatz aus.

Stärke: Zahl der Patienten steigt

Die Zahl der Patienten liegt derzeit bei über zwei Millionen weltweit. Laut FMC-Schätzungen dürfte die Patientenzahl jährlich um sechs Prozent zunehmen. Vor allem in den Schwellenländern kann die Versorgung noch deutlich ausgebaut werden.

Stärke: Gute Margen

Fresenius Medical Care führt im US-Markt mit einem Anteil von 40 Prozent vor dem Wettbewerber Da Vita, der auf einen Marktanteil von rund einem Drittel kommt. Da Vita ist fast ausschließlich in den USA tätig ist. Mit einer Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 16,2 Prozent erzielen beide Unternehmen im Dialysemarkt attraktive Gewinne.

Stärke: Weiteres Wachstum erwartet

Während der pauschale Vergütungssatz in den USA im Lauf des Geschäftsjahres 2011 rückläufig war, ist er im ersten Quartal 2012 im Vorjahresvergleich von 348 auf 353 Dollar je Behandlung gestiegen. Wie die vergangene Woche vorgelegten Quartalszahlen gezeigt haben, legte der Umsatz von FMC um neun Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar zu, der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 13 Prozent auf 503 Millionen Dollar. FMC erwartet, die EBIT-Marge in diesem Jahr auf 16,9 Prozent steigern zu können.

Schwäche: Abhängigkeit vom US-Markt

Zwei Drittel der Umsätze macht FMC in den USA. Das ist teilweise der Marktstruktur geschuldet: Während Dialysedienstleistungen dort zu einem großen Teil von privaten Firmen wie FMC angeboten werden, werden diese in Europa vor allem von öffentlichen Krankenhäusern durchgeführt. Hier ist FMC vor allem mit Produkten im Geschäft.

Schwäche: Neue Märkte schwer zu erschließen

Lediglich in Ländern wie Portugal und Spanien und auch Osteuropa gibt es Strukturen, die privaten Anbietern wie FMC einen größeren Einstieg als Dienstleister in den Markt ermöglichen. Dennoch muss FMC stärker in andere Regionen expandieren, um sich von den USA unabhängiger zu machen. Die Einführung des neuen Vergütungssystems im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie stark staatliche Eingriffe das System verändern können. 2014 soll das pauschale Erstattungssystem möglicherweise um weitere für die Dialyse notwendige Leistungen ergänzt werden. FMC muss auch dann wieder den Beweis antreten, dass der Konzern mögliche Leistungskürzungen durch Kosteneinsparungen oder Synergieeffekte kompensieren kann.

Schwäche: Hohe Mittelabflüsse

Diverse Übernahmen - unter anderem von Euromedic und American Access - führten bei FMC zuletzt zu hohen Mittelabflüssen. Der Cash-Flow aus der operativen Geschäftstätigkeit lag 2011 mit 1,1 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Dollar) zwar sechs Prozent über dem Vorjahr. Nach Abzug der Investitionen kletterte auch der Free Cash-Flow um zwei Prozent auf 676 Millionen Euro.

Schwäche: Free Cash-Flow im Minus

Da FMC aber satte 1,4 Milliarden Euro für die Übernahmen ausgab, rutschte der Free Cash-Flow nach Akquisitionen ins Minus. Im Vorjahr hatte FMC noch 188 Millionen Euro erwirtschaftet. Dadurch kam der Dialysespezialist nicht umhin, 2011 die Verschuldung zu erhöhen. Das Verhältnis von Finanzschulden zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Debt to Ebitda) lag 2011 bei 2,69 nach 2,38 im Vorjahr.

Mit der Reform am weltgrößten Dialysemarkts USA komme FMC immer besser zurecht, betonte FMC-Vize-Chef Rice Powell. Die US-Krankenversicherung Medicare rechnet Dialysebehandlungen seit 2011 pauschal ab. Seit Anfang diesen Jahres bezahlt Medicare dafür als Inflationsausgleich zwei Prozent mehr, was im ersten Quartal den Gewinn von FMC nach oben trieb.

In den kommenden Jahren wolle FMC seine Gewinnmargen steigern, kündigte Powell an.„Trotz der Diskussion über weitere Einsparungen im US-Gesundheitssystem gehen wird nicht davon aus, dass die Erstattung in Amerika in den nächsten Jahren gekürzt wird.“

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Powell wird Ende des Jahres die Führung von FMC übernehmen, sein Vorgänger Lipps geht nach 27 Jahren im Unternehmen und zwölf Jahren als Vorstandschef in Ruhestand. Bei seiner letzten Hauptversammlung als FMC-Chef verabschiedeten rund 400 Aktionäre den 71-Jährigen mit minutenlangen Applaus. In seiner Zeit als Vorstandschef habe sich der Umsatz von FMC verdreifacht und der Gewinn versechsfacht, lobte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Sie haben das Haus bestellt und übergeben es in hervorragendem Zustand.“

Aufsichtsratschef Gerd Krick hob Lipps bescheidene Art hervor und war den Tränen nahe, als er seine Abschiedsworte an den Amerikaner richtete. „Danke Ben für alles, was Sie für uns getan haben.“ Lipps Nachfolger Powell machte deutlich, dass er bei FMC den Kurs des ältesten Dax-Chefs fortsetzen will. „Wir brauchen keine radikalen Veränderungen.“

Von

rtr

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