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05.05.2011

12:38 Uhr

Hauptversammlung

Eon-Chef Teyssen hört auf zu kuscheln

VonNils Rüdel

In der Kernenergie-Debatte gab Eon-Chef Johannes Teyssen bislang den netten und kompromissbereiten Atom-Manager. Auf der Hauptversammlung schlägt er lautere Töne an.

Eon-Chef Johannes Teyssen heute auf der Hauptversammlung. Quelle: Reuters

Eon-Chef Johannes Teyssen heute auf der Hauptversammlung.

EssenWohin die Reise gehen soll, wird schon in der U-Bahn klar, am Bahnsteig Essen Hauptbahnhof. Der Infoscreen der örtlichen Verkehrsbetriebe, der gelangweilte Fahrgäste ablenken soll, meldet heute einen besonderen Jubiläumstag: Am 5. Mai 1981 ging auf Sizilien das erste Solarkraftwerk der Welt ans Netz, Eurelios.  

Kaum einer der weißhaarigen Männer und Frauen auf dem Bahnsteig nimmt davon Notiz. Sie drängeln sich am Bahnsteig, sie wollen zur Grugahalle, wo heute jemand eine Menge zum Thema Sonnenenergie, mehr aber noch über Atomkraft, erzählen wird. Johannes Teyssen, Chef des Energiekonzerns Eon, stellt sich an diesem Donnerstag der Hauptversammlung.

Für die Aktionäre ist es aber zunächst einmal ein Spießrutenlauf. Sie werden begrüßt von einer Schar Demonstranten, von bunten Transparenten, „Atomausstieg jetzt“, „Stromkonzerne entmachten“, „Atomanlagen stilllegen“, von Trillerpfeifen. Es sind freundliche Protestler, an denen die grauhaarigen Herren vorbeiziehen. Clowns pusten Seifenblasen, eine Frau jongliert zwischen einem Papp-Kohlekraftwerk und einem Windrad.   

„Diese Berufsprotestierer“, schimpft ein Mann mit dunklem Anzug und Pilotenkoffer. Der Polizist in Kampfmontur daneben grinst. Die Beamten sehen entspannt aus, hier ist es friedlich. Vor gut zwei Wochen, als RWE zur Hauptversammlung rief, war vor der Tür der Grugahalle deutlich mehr los.

Das muss für Eon-Chef Teyssen allerdings nichts heißen. Der 51-Jährige muss heute schwierige Fragen beantworten: Wie reagiert der größte Betreiber von Kernkraftwerken in Deutschland auf die von der Politik propagierte Energiewende? Was will Teyssen mit der Tochter Ruhrgas anfangen, die wegen Verwerfungen auf dem Gasmarkt in Schieflage geraten ist? Wo soll Eon wachsen? Und wie will der Chef die hohe Verschuldung abbauen?

Im Zentrum der Aufmerksamkeit aber steht die Atomfrage. Immerhin betreibt Eon sechs Kernkraftwerke in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein und ist an weiteren fünf beteiligt. Sie machen zusammen 45 Prozent des produzierten Stroms des Konzerns aus – deutlich mehr als die 27 Prozent bei RWE.

Kommentare (9)

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Herbert

05.05.2011, 12:37 Uhr

Auf Brennstoffe wie Gas und Öl gibt es mit größter Selbstverständlichkeit Steuern. Nur für Kernbrennstoffe gibt es seit 40 Jahren eine dreiste Steuerbefreiung.

Die Kernbrennstoffsteuer muss nicht abgeschafft, sondern erhöht werden. Eine Verdreifachung wäre sicherlich angebracht. Es kann schließlich nicht angehen, dass der Steuerzahler erst über 100 Milliarden Euro Subventionen für die Atomindustrie zahlt, die Kostenrisiken einer Atomkatastrophe von 10000 Milliarden (Prognos-Schätzung) fast vollständig allein trägt (Deckungssume der Haftpflichtversicherung der AKW-Betreiber: 0,25 Milliarden Euro) und anschließend auch noch Milliardenbeträge für die Beseitigung der Atomsauereien in Asse und Morsleben zahlen soll!

Account gelöscht!

05.05.2011, 12:57 Uhr

Deutschland Entscheidungsträger in Sachen Energiepolitik sind zur Zeit nicht zu beneiden, denn egal wie sie entscheiden, sind sie immer der Sündenbock einer fordernden Mehrheit, für die der Strom einfach nur aus der Steckdose kommt.
Werden die Atomkraftwerke relativ kurzfristig abgeschaltet, wie es die Vox Populi fordert, gibt es zwei mögliche Szenarien: entweder wird das verknappte inländische Stromangebot durch Stromimporte aus dem Ausland ausgeglichen, was zwar die Volksseele befriedigen mag aber per Saldo nicht an der Gefahrensituation ändert.
Oder die Verknappung des Angebots wird akzeptiert, was zu deutlich steigenden Strompreisen in Deutschland führt mit der Konsequenz, dass zahlreiche Industriezweige ins Ausland abwandern werden.
Es gibt sicherlich gute Gründe aus der Kernenergie auszusteigen aber ich würde mir eine sachliche Diskussion wünschen.
So vermisse ich z.B. bei der Beurteilung der Energieeffizienz von Solarzellen die Einbeziehung der Tatsachen, dass mittlerweile die meisten Solarzellen weite Wege aus Asien zurücklegen und dass die kostenintensive Speicherung überschüssiger Solarenergie sowie der Ausgleich des Nachtverbrauchs zur Zeit anderen überlassen wird.

Herbert

05.05.2011, 13:16 Uhr

Da sind Sie den Legenden der Atomindustrie aufgesessen.

Deutschland exportiert so viel Strom, dass bei einem Abschalten der Atomkraftwerke kein Strom importiert wird, sondern einfach weniger exportiert wird. Bei einem Ausbau der erneuerbaren Energien würde sogar weiter Strom exportiert.

Auch die Geschichte mit den angeblich steigenden Preisen durch einen Atomausstieg sind Legenden. Tatsächlich steigen die Strompreise völlig unabhängig von einem Atomausstieg, weil die Preise für Kohle, Gas, Uran und Öl steigen.
Ob ein Atomausstieg dagegen zu einem Strompreisanstieg beiträgt oder ihn eher dämpft, ist umstritten. Manche Studien kommen auf eine Preisdämpfung, weil die Marktmacht des Oligopols der Stromkonzerne reduziert wird, andere Studien kommen auf leicht steigende Preise. Prognos hat kürzlich einen Strompreisanstieg durch einen Atomausstieg von 0,2 Cent pro kWh im besten und 0,6 Cent im schlimmsten Fall berechnet. Und zwar bis 2025. Das sind dann 0,02 Cent bis 0,04 Cent pro Jahr. Wohlgemerkt: 0,02 Cent, nicht 0,02 Euro!

Zum Vergleich: Durch einen Wechsel des Stromanbieters können Sie bis zu 3 Cent sparen.

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