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29.03.2017

13:09 Uhr

Hauptversammlung in Berlin

Daimler-Chef Zetsche kommt in Erklärungsnot

VonMarkus Fasse

Daimler-Chef Dieter Zetsche preist Elektroantriebe und Roboterautos. Doch die 6.000 Aktionäre beeindruckt das nicht. Sie legen den Finger in die Wunde – und wollen wissen: Droht auch Daimler ein Dieselgate?

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BerlinWenn Konzernchefs auf einer Hauptversammlung zu den Aktionären sprechen, dann hat das etwas von einer Regierungserklärung. Genau so verstand Daimler-Chef Dieter Zetsche auch seine halbstündige Rede vor den rund 6.000 Daimler-Aktionären im City-Cube in Berlin. Nicht wie sonst in Jeans und Turnschuhen – sondern in Anzug aber ohne Krawatte – tritt er vor die Hauptversammlung. „Noch nie waren wir so erfolgreich wie heute“, rief Zetsche und verweist auf die starke Bilanz. Mit 3,5 Milliarden Euro schüttet Daimler für 2016 im Vergleich zur Konkurrenz die höchste Dividendensumme im Dax aus.

Zetsche nutzt den Auftritt, um für sein Zukunftsprogramm zu werben. Mehr als zehn Elektroautos wollen die Stuttgarter bis 2022 unter dem Namen „EQ“ auf die Straße bringen. Das kostet aber auch mindestens zehn Milliarden Euro und dürfte die Finanzkraft des Konzern in den kommenden Jahren erheblich fordern.

Allein im vergangenen Jahr stockte Daimler den Entwicklungsetat um 15 Prozent auf sieben Milliarden Euro auf, die Hälfte davon ging in „grüne Technologien“. Schließlich plant Daimler ein „ganzes Ökosystem“ für Mobilität. Dazu gehörten Car-Sharing ebenso wie selbstfahrende Autos oder der „sinnvolle Einsatz künstlicher Intelligenz“, wirbt Zetsche. Dazu werde auch Daimler selbst umgebaut, jeder Fünfte der 282.000 Beschäftigten soll künftig in Schwarmorganisationen arbeiten, die Hierarchiestufen für Entscheidungen werden von sechs auf zwei gekappt. „In meiner ganzen Laufbahn habe ich noch nie einen so starken Veränderungswillen bei Daimler gespürt“, bekennt Zetsche, der seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen arbeitet.

Getrübt wird die Aufbruchsstimmung durch Affären, die den Konzern belasten. Seit vergangener Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen nicht-benannte Daimler-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Betrug und strafbarer Werbung im Zusammenhang mit Dieselmotoren.

Zetsche geht in seiner Rede auf die Vorwürfe ein: „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden“, betont der Daimler-Chef. „Weder das Kraftfahrtbundesamt noch das Bundesverkehrsministerium haben im Rahmen ihrer Messungen bei unseren Fahrzeugen einen Verstoß gegen geltendes Recht festgestellt.“ Dennoch: „Es ist mehr als nachvollziehbar, dass Abweichungen zwischen Labor- und Straßenwerten zu vielen Fragen führen. Um so wichtiger sind klare Regeln und transparente, realistischere Testverfahren.“

Kommentare (11)

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Herr Arnd Stricker

29.03.2017, 13:36 Uhr

Inzwischen mutet das Verdächtigen von Automobilkonzernen in Deutschland wie das Sägen an dem Ast, auf dem man sitzt, an. Die USA hat die Abgasvorschriften für Dieselmotoren wohl nicht aus Umweltgesichtspunkten so geschrieben, dahinter steht eher Industriepolitik, weil die amerikanische Autoindustrie nicht in der Lage ist, effiziente, kleine Dieselmotoren zu bauen, Ansonsten müssten die Umweltbehörden auch gegen die RiesenSUVs und Pickups vorgehen, die in den USA einen großen Anteil haben. Natürlich war die Reaktion des VW-Konzerns mittels Manipulation ein Riesenfehler. Genauso ist es jetzt ein Riesenfehler, die gesamte deutsche Autoindustrie schlecht zu reden und auf das Hirngespinst der batteriegetriebenen E-Autos zu setzen, wo Amerikaner und Chinesen meinen, industriell im Vorteil zu sein, weil sie somit den deutschen und japanischen Vorsprung in der Technik aushebeln wollen..Woher soll all der saubere Strom und die benötigten Rohstoffe kommen, was machen wir mit den Millionen Tonnen an Elektroschrott, die die Batterien produzieren, etc etc . Einee chte Lösung sieht anders aus. Im Moment kommt es mir vor, als ob die sich die vorherrschende öffentliche Meinung als nützlicher Idiot vor den Karren der amerikanischen Industriepolitik spannen lässt.

Herr Hans-Jörg Griesinger

29.03.2017, 13:48 Uhr

@ Arnd

Die Amis wollen genau wie die Saudis doch gar keine kleinen Autos fahren.
Zudem ist der Sprit im vergleich zu Euroland viel billiger, weshalb es dann auch nicht aus macht, wenn so ein SUV locker 20 -25 Liter pro 100 Kilometer Strecke verbrennt.
Umwekltschutz spielt in den Staaten mit Trump jetzt eh keine Rolle mehr.
Heute wurde ja ein Dekret von ihm erlassen, dass so gut wie alle Umweltschutzrichtlinien der Vorgänegrregierung einkassiert. Menschgemachte Erderwärmung ist ja bekanntlich eine Klimalüge, fragen Sie mal bei Marc Hofmann hier im HB-Forum nach, der kann ihnen dass sehr gut erklären, warum ohne massiven CO2 Ausstoß alles wirtschaftlich den Bach runter geht

Rainer von Horn

29.03.2017, 13:57 Uhr

Wenn Daimler seine Dieselsoftware vom gleichen Zulieferer bezogen hat, würde mich ein Dieselgate nicht wundern.....

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