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30.01.2009

15:51 Uhr

Hauptversammlung

Keine Chance dem Porsche-Geist

VonMartin-W. Buchenau, Mark C. Schneider

Für Vorstandschef Wendelin Wiedeking hat die neue Zeitrechnung bereits begonnen. Auf der Hauptversammlung müht er sich redlich, die kommenden drei Aufsichtsratsmitglieder um VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh mit dem Porsche-Geist zu beseelen. Doch sein größter Widersacher bei der Machtübernahme in Wolfsburg will sich so leicht nicht einfangen lassen. Über harte Zahlen wurde aber auch gesprochen. Und die waren wenig erfreulich.

Bernd Osterloh (rechts) sitzt auf der Porsche-Hauptversammlung neben IG-Metall-Chef Berthold Huber. Foto: ap ap

Bernd Osterloh (rechts) sitzt auf der Porsche-Hauptversammlung neben IG-Metall-Chef Berthold Huber. Foto: ap

STUTTGART. VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, Audi-Betriebsratschef Peter Mosch und IG-Metall-Chef Berthold Huber nehmen wie selbstverständlich in der ersten Reihe bei der Porsche-Hauptversammlung Platz, dort wo die über 60 Mitglieder der beiden Eigentümerfamilien Porsche und Piech sitzen. Mitten drin in der ehrenwerten Gesellschaft, die aus dem größten Autokonzern Europas ein Familienunternehmen machen will.

Noch wirkt Wiedekings größter Widersacher bei der Machtübernahme in Wolfsburg auf den Ehrenplätzen in der Porsche-Arena in Untertürkheim wie ein Fremdkörper. Er gibt sich cool in der Höhle des Löwen. Die Beine übereinander geschlagen, spielt der Spitzengewerkschafter bei Wiedekings Rede mit seinem Blackberry und checkt seine elektronische Post, selbst als das Thema Volkswagen angeschnitten wird.

Die drei Arbeitnehmervertreter sollen in der Aufsichtsratssitzung ins oberste Gremium des Porsche/VW-Konzerns einziehen. Alle drei wurden vom im Dezember neu konstituierten Konzernbetriebsrat nominiert. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche kündigt diesen Schritt eingangs der Versammlung an.

Für Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking hat bei seiner Rede die neue Zeitrechnung im Aufsichtsrat der Porsche-Holding bereits begonnen. Immer wieder versucht er die drei künftigen neuen Aufsichtsratsmitglieder der Porsche Holding SE bereits einzubeziehen. Als die Aktionäre bei der Erwähnung der freiwilligen Sonderzahlung an die Porsche-Mitarbeiter in Höhe 6000 Euro kräftig applaudieren, nutzt Wiedeking das als Steilvorlage: "Das war schon immer die Porsche-Kultur, dass die Aktionäre bei der Sonderzahlung für die Mitarbeiter applaudieren". Er sage das mit Blick auf die Arbeitnehmervertreter, die heute hier erstmals anwesend seien und schaut in Richtung Osterloh. Der Wolfsburger Konzernbetriebsratschef gibt sich unbeeindruckt von den Umarmungsversuchen.

Wiedeking versucht das verbesserte Verhältnis zu den Wolfsburgern zu loben. "Die anfänglich reservierte, zum Teil auch kritische Haltung von Einzelnen ist inzwischen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gewichen", sagt Wiedeking und mitten in seiner Rede kommt ihm der Text dann doch zu glatt vor und er fügt spontan ein "zumindest in Ansätzen", ein. Wiederum lachen die Aktionäre. Osterloh nicht. Er will sich nicht einfangen lassen.

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