Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.06.2013

15:34 Uhr

Hauptversammlung

„MAN behandelt Aktionäre nicht anständig“

Auf der Hauptversammlung von MAN rückt das Geschäft in den Hintergrund. Die machen Aktionärsvertreter ihrem Ärger Luft: Der Lkw-Bauer verliert die Unabhängigkeit – und die Anteilseigner erhalten eine niedrige Abfindung.

MAN-Lkw im Münchner Werk des Konzerns: Das erste Halbjahr lief nur schleppen. dpa

MAN-Lkw im Münchner Werk des Konzerns: Das erste Halbjahr lief nur schleppen.

MünchenAuf seinem Weg zur kompletten Machtübernahme bei MAN hat sich Großaktionär Volkswagen heftige Schelte von seinen Mitaktionären anhören müssen. Auf der Hauptversammlung des Münchner Lastwagen- und Maschinenbaukonzerns, bei der sich VW einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag absegnen lassen will, machten am Donnerstag viele Anteilseigner ihrem Ärger Luft. "MAN kann vieles", kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Anspielung auf den Werbeslogan der Firma, "aber anscheinend nicht die Aktionäre anständig behandeln." Das Abfindungsangebot und die Gewinnwarnung von Dienstag klängen "wie Hohn in den Ohren der Aktionäre". Das vergrößere das Misstrauen in die objektive Bewertung. "Sie sollten sich eigentlich schämen."

VW will sich mit dem Beherrschungsvertrag den vollen Zugriff auf die MAN-Kasse und uneingeschränkten Einfluss auf die Unternehmensführung sichern. Die Zustimmung der Hauptversammlung ist reine Formsache, denn Europas größter Pkw-Hersteller hält etwas mehr als 75 Prozent der MAN-Anteile. Die Minderheitsaktionäre sollen abgefunden werden.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller

1. Dongfeng

Die Dongfeng Motor Corporation ist ein chinesisches Großunternehmen im Lastkraftwagenbau, Busbau und Personenwagenbau sowie in der Entwicklung und Herstellung von Motoren und Fahrzeugkomponenten. Gleichzeitig ist das Unternehmen mit 300.100 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 10,3 Prozent im Jahr 2010 der weltgrößte Lkw-Hersteller gewesen.

2. Daimler Trucks

Daimler Trucks belegte mit 280.700 verkauften Einheiten und 9,7 Prozent Marktanteil im Jahr 2010 den zweiten Platz bei den weltgrößten Herstellern von Lkw mit einem Gewicht von mehr als sechs Tonnen.

3. First Automotive Works

First Automotive Works (FAW) ist der größte chinesische Hersteller von Dieselmotoren, Pkw sowie mittleren bis schweren Bussen und Lkw. FAW produziert an insgesamt 19 verschiedenen Standorten hauptsächlich im Nordosten von China. Außerdem hat FAW noch Fabriken in Russland und der Ukraine. FAW verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 274.300 Lkw und erreichte einen Marktanteil von 9,5 Prozent - Platz drei bei den weltgrößten Lkw-Herstellern.

China National Heavy Duty Truck

Das chinesische Staatsunternehmen China National Heavy Duty Truck kommt mit 199.900 verkauften Lkw auf einen Marktanteil von 6,9 Prozent im Jahr 2010.

5. Tata Motors

Tata Motors ist der größte Automobilhersteller in Indien und gehört mehrheitlich zur Tata Group. Das Unternehmen ist im Finanzindex BSE Sensex gelistet. Tata Motors ist mit 194.900 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 6,7 Prozent der fünftgrößte Lkw-Hersteller der Welt.

6. MAN-Scania

MAN/Scania verkauften im Jahr 2010 zusammen 152.400 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) und belegen mit einem Marktanteil von 5,2 Prozent derzeit Rang sechs bei den weltgrößten Herstellern von Lastkraftwagen.

7. Volvo Global Trucks

Die Lkw-Sparte von Volvo verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 125.800 Einheiten und belegt mit einem Marktanteil von 4,3 Prozent Platz sieben.

8. Torch

Der chinesische Hersteller Torch hat mit 113.200 verkauften Lkw im Jahr 2010 einen Marktanteil von 3,9 Prozent.

9. Beijing Automotive Industry

Die chinesische Beijing Automotive Industry kam im Jahr 2010 auf 109.400 verkaufte Einheiten und belegt damit Platz neun mit einem Marktanteil von 3,8 Prozent.

10. Ashok Leyland

Der indische Nutzfahrzeughersteller Ashok Leyland produziert Lkw, Omnibusse und Militärfahrzeuge. In der Rangliste der weltgrößten Lkw-Hersteller rangiert das Unternehmen auf Platz zehn. Im Jahr 2010 wurden 80.000 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) verkauft, was einem Marktanteil von 2,8 Prozent entspricht.

"Eine Ära geht zu Ende, die Ära einer selbstständigen, stolzen MAN", sagte Aktionärsschützerin Bergdolt. Unter VW schreite die "Entdemokratisierung" fort, kritisierte Kleinanleger Heinrich Zöller und verlangte, der Lastwagenbauer müsse sich "aus der Umklammerung lösen". Dem MAN-Vorstand war er "einseitiges Denken nach VW-Schema" vor. Er forderte die anderen Anteilseigner auf, "wenigstens ein Zeichen zu setzen", damit VW wisse, dass die Kleinanleger keine Schafe seien, die widerspruchslos allem zustimmten.

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen versuchte, den rund 1600 Aktionären die Zukunft des Unternehmens im Wolfsburger Fahrzeugimperium schmackhaft zu machen. "MAN ist nun Teil der Volkswagen-Familie." Der Konzern schlage damit ein neues Kapitel in seiner mehr als 250-jährigen Unternehmensgeschichte auf, das "langfristig eine Erfolgsgeschichte erzählen" werde. Der Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag, den Pachta-Reyhofen sehr detailliert präsentierte, ebne den Weg für "erhebliche Synergien" im Einkauf, in Forschung und Entwicklung und in der Produktion. VW will nach der Übernahme der vollen Kontrolle bei MAN die schleppend verlaufende Lkw-Allianz mit der schwedischen Konzerntochter Scania anschieben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×