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27.06.2011

07:14 Uhr

Hauptversammlung

MAN verliert seine Freiheit

Die heutige Hauptversammlung ist für MAN eine ganz spezielle: Denn der Durchmarsch von Volkswagen ist wohl nicht mehr zu verhindern. Nach 253 Jahren verliert die Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg ihre Unabhängigkeit.

Für MAN ist es heute eine ganz spezielle Hauptversammlung. Quelle: dpa

Für MAN ist es heute eine ganz spezielle Hauptversammlung.

München, DüsseldorfEigentlich ist mit der heutigen Hauptversammlung die Sache gelaufen. 253 Jahre nach Gründung des Unternehmens verliert die Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg, kurz MAN, ihre Unabhängigkeit.

Seit Volkswagen Ende Mai sein Übernahmeangebot für MAN vorgelegt hat, zweifelt niemand mehr daran, wer in Zukunft das Sagen bei dem Münchener Lkw- und Maschinenbaukonzern haben wird: der bisherige und künftig noch mächtigere Großaktionär aus Wolfsburg.

Die Hauptversammlung in München wird damit zur Farce. Und Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef von MAN und VW, führt Regie.

Das Drehbuch sieht Folgendes vor: MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen lehnt das Angebot von VW als „nicht angemessen“ ab. Mit 95 Euro je MAN-Stammaktie, das wird er heute noch einmal betonen, sei das Unternehmen zu niedrig bewertet.

Zugleich wird Pachta-Reyhofen die industrielle Logik einer engeren Zusammenarbeit zwischen MAN, Scania und VW preisen. Auch die Degradierung seines Dax-Konzerns zu einer weiteren VW-Filiale beunruhigt den Österreicher nicht. MAN, sagte er jüngst, habe in seiner langen Geschichte immer einen Ankeraktionär gehabt – allein 180 Jahre die Familie Haniel. Und wo, fragte er, sei mehr Ingenieurkompetenz versammelt als bei VW?

Das klingt eher nach einer Einladung denn nach Gegenwehr. Und so scheint der Durchmarsch von VW nicht mehr zu stoppen: 35 bis 40 Prozent der Stammaktien, so haben die Wolfsburger bereits durchblicken lassen, dürften ihnen reichen, um MAN zu dominieren.

VW beweist damit ein merkwürdiges Verständnis von guter Unternehmensführung. Obwohl der Konzern bisher nur rund 30 Prozent der MAN-Aktien besitzt, beanspruchen die Wolfsburger fünf der acht Aufsichtsratssitze, die den Eigentümern zustehen, für sich. Nach dem heutigen Tag wird neben Aufsichtsratschef Piëch auch VW-Chef Martin Winterkorn im Kontrollgremium der Münchener sitzen. Und weil das abzusehen war, legte MAN-Aufsichtsrat Heiner Hasford sein Mandat bereits kurz vor der Hauptversammlung nieder – aus Protest.

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