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17.01.2007

16:30 Uhr

Hauptversammlung

Schering-Aktionäre wollen gegen Squeeze-Out klagen

Die geplante Zwangsabfindung von früheren Schering-Aktionären nach der Übernahme des Konzerns durch Bayer ist auf scharfe Kritik von Anteilseignern gestoßen. Doch nicht nur die Anteilseigner am neuen Konzern sollen langsam, auch im Management streichen die Schering-Leute die Segel.

HB BERLIN. Aktionärsvertreter nannten bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwoch in Berlin das Vorgehen der neuen Bayer Schering Pharma undurchsichtig und kündigten Klagen an. "Das ganze Verfahren ist nicht fair", sagte Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Das Vertrauen in die Aktienkultur wird aus meiner Sicht durch ein solches Verfahren beschädigt."

Die Hauptversammlung am Mittwoch sollte die Zwangsabfindung der verbliebenen früheren Schering-Aktionäre beschließen. Dies ist möglich, da Bayer mehr als 95 Prozent der Schering-Aktien hält. Ende 2006 wurde Schering in Bayer Schering Pharma umbenannt. Da Schering-Aktionäre ihre Anteilsscheine 2006 noch hielten, stellte der Konzern eine weitere ordentliche Hauptversammlung in Aussicht.

Den Minderheitsaktionären sollen nun 98,98 Euro pro Anteilsschein gezahlt werden. Die Abfindung liegt deutlich über dem Angebot im Beherrschungsvertrag, das noch auf 89,36 Euro je Schering-Aktie lautete. Bayer-Schering-Pharma-Personal - und Finanzvorstand Werner Baumann verteidigte die neue Abfindungshöhe. Hintergrund der Erhöhung seien unter anderem eine Veränderung der Zinsentwicklung an den Kapitalmärkten.

Dagegen nannte Diesselhorst von der DSW die Kalkulation nicht transparent. Es sei unverständlich, warum die erwarteten Einspareffekte vor allem bei Bayer anfallen sollten und nur in geringerem Ausmaß bei Schering. Aktionäre, die im Vertrauen auf frühere Angaben verkauft hätten, fühlten sich durch die höhere Abfindung benachteiligt. Aber auch die neue Summe sei nicht überzeugend: "Ob dies rechtlich standhält, werden wir sehen." Kai Weigert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) äußerte ebenfalls Zweifel an dem Vorgehen und der Bewertung. "Die Berechnung der Enteignungszahlung ist inakzeptabel", sagte er und kündigte ebenfalls ein so genanntes Spruchstellenverfahren an. "Dieser Squeeze Out wird für Bayer wesentlich teurer als erwartet." Der Beschluss der Versammlung am Mittwoch zum Zwangsauskauf gilt allerdings als sicher.

In der Führungsebene des neuen Konzerns schwindet unterdessen der Einfluss von früheren Schering-Managern. Marc Rubin als Forschungs- und Entwicklungsvorstand der neuen Bayer Schering Pharma werde das Unternehmen Ende Januar verlassen, sagte Aufsichtsratschef Werner Wenning. Ersetzt werde er durch die Bayer-Manager Andreas Busch und Kemal Malik. Im Vorstand der Bayer Schering Pharma stammt damit jetzt nur noch Vertriebschef Ulrich Köstlin aus dem früheren Schering-Konzern.

Personalvorstand Baumann betonte jedoch, die Integration der beiden Unternehmen gehe zügig voran. Die Beschlüsse über die Besetzung der ersten drei Managementebenen seien gefallen. Offen sind allerdings noch die angekündigten Entscheidungen über den Abbau von rund 6000 Stellen im Unternehmen. Damit fiele etwa jeder zehnte Stelle im Konzern weg.

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