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26.01.2010

07:11 Uhr

Hauptversammlung

Siemens macht keine Geschäfte mehr mit Iran

Licht und Schatten bei Siemens. Der Mischkonzern hat mit einem Gewinnzuwachs überrascht. Aber die Krise auf den Weltmärkten geht an Siemens nicht spurlos vorbei. Doch der geplante Stellenabbau erzürnt die Aktionäre weniger als die Vergütung, die Peter Löscher und Co bekommen. Eine deutliche Absage macht der Konzern gegenüber Geschäftspartnern im Iran.

Siemens-Chef Peter Löscher gibt die Richtung für den Weltkonzern vor. ap

Siemens-Chef Peter Löscher gibt die Richtung für den Weltkonzern vor.

ax/HB MÜNCHEN. Siemens will künftig keine Neugeschäfte mit iranischen Geschäftspartnern machen. Ab Mitte des Jahres würden keine Neuaufträge mehr angenommen, sagte Siemens-Vorstandschef Peter Löscher am Dienstag auf der Hauptversammlung in München. Ein entsprechender Beschluss sei bereits im Oktober 2009 gefallen.

Bestehende Verträge und Vorverträge müssten aber erfüllt werden. „Wir sind uns der Sensibilität von Geschäften mit Kunden im Iran bewusst und überwachen dort unsere laufenden Geschäfte sehr genau und kritisch“, sagte Löscher auf die Anfrage eines Aktionärs.

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtete, das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN), an dem Siemens beteiligt ist, habe Telefonanlagen in den Iran geliefert, mit denen auch Oppositionelle überwacht würden. „Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass NSN sich rechtswidrig oder nicht ordnungsgemäß verhalten hat“, sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser dazu im Vorfeld der Hauptversammlung.

Die Siemens-Aktionäre haben auf der Hauptversammlung des Konzerns die Vergütung der Vorstandsriege und die Vergleiche mit früheren Topmanagern über Schadenersatz ins Visier genommen. Besonders die Vergleichssumme in Höhe von 19,5 Mio. Euro, die der frühere Siemenschef Heinrich von Pierer und acht weitere Ex-Topmanager im Zuge der Schmiergeldaffäre zahlen sollen, stieß auf Kritik. „Das ist aus meiner Sicht lächerlich gering“, sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Die Zahlungen der betroffenen Manager deckten nicht einmal ein Prozent der entstandenen Schadenssumme ab. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erklärte, die Beträge seien „Peanuts“. „Trotz der geringen Höhe ist es, gut, dass es zu den Vergleichen gekommen ist“, sagte sie. „Dies alles ist eine Revolution für den Börsenplatz Deutschland.“ Siemens habe gezeigt, „dass Vorstände keine geschützte Spezies sind“.

Darum werde sie den Vergleichen zustimmen. Die Korruptionsaffäre sei „in kurzer Zeit sehr gut gemeistert“ worden, sagte Bergdolt.

Nun müsse sich der Konzern in der Krise auf das Geschäft konzentrieren. Auch Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS erklärte, angesichts hoher Kosten sei es nicht sinnvoll, jahrelange Prozesse in Kauf zu nehmen.

Auch für die millionenschwere Vergütung des Vorstands erntete die Konzernführung Kritik. 2009 verdiente der gesamte Siemens-Vorstand rund 27 Mio. Euro, davon flossen 7,1 Mio. Euro an Vorstandschef Löscher. Die Vergütung Löschers sei im Vergleich zu seinen Kollegen höher als üblich, meinte Bergdolt. Darum sei die Messlatte für ihn sehr hoch.

Erstmals lässt Siemens die Anleger über die Vorstandsgehälter abstimmen. Grundlage ist das neue Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG), das für mehr Transparenz bei der Gestaltung von Gehalts- und Bonifragen sorgen soll.

Das Vergütungssystem bei Siemens erfülle noch nicht alle Punkte des Gesetzes, sagte Bergdolt und forderte Nachbesserungen. So solle die Haltefrist für Aktienoptionen von drei auf vier Jahre erhöht werden.

Derweil bereitet Siemens nach weiteren Bremsspuren durch die Wirtschaftskrise seine Beschäftigten auf personelle Einschnitte vor. Wo immer es möglich sei, werde man zwar weiter Nachfrage-Täler über Instrumente wie Kurzarbeit abfedern, sagte Siemens-Chef Peter Löscher am Dienstag vor Beginn der Hauptversammlung in München. In Geschäften, in denen es dauerhafte Veränderungen der Märkte und des Wettbewerbs gebe, seien aber „Anpassungsmaßnahmen unumgänglich“. An diesem Donnerstag (28. Januar) will die Unternehmensleitung die Betriebsräte im Wirtschaftsausschuss über geplante Schritte informieren.

„Es sind punktuelle Maßnahmen, und es sind geschäftsspezifische Maßnahmen, die wir hier im Blick haben“, sagte Löscher, ohne die Zahl der betroffenen Mitarbeiter oder sonstige Details zu nennen. Bei strukturellen Veränderungen der Geschäfte gehe es aber beileibe nicht immer um einen Stellenabbau. Beispiel sei der Industrie-Sektor, in dem man die Aktivitäten der Niederspannungs-Energieverteilung in der Division Building Technologies gebündelt habe. Damit könne Siemens jetzt Synergien in Technik, Vertrieb und Produktion besser nutzen, sagte Löscher.

Betriebsbedingte Kündigungen will Siemens zwar nicht ausschließen. "Wir sind davon aber meilenweit entfernt", sagte Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm dem Handelsblatt. Ein unternehmens- oder sektorweites Stellenabbau-Programm werde es nicht geben.

Kommentare (5)

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Erwin

26.01.2010, 08:52 Uhr

Überraschungen = bilanzierungstricks = Lüge

sven

26.01.2010, 09:41 Uhr

@Erwin: Nun Siemens bilanzbetrug vorzuwerfen halte ich für anmaßend. beweise?

Erwin

26.01.2010, 10:09 Uhr

Warten wir es ab ! Das Chaos naht....
Gelogen wird heutzutage überall.
Vor allem bei den Wirtschaftsnachrichten bei "überraschend" guten Zahlen.
ist ja nix neues.
Nur wer schläft hat das noch nicht gemerkt....

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