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29.01.2016

15:09 Uhr

Hauptversammlung Thyssen-Krupp

Keine Revolution in Bochum

VonMartin Wocher

Der große Showdown ist ausgeblieben: Ernsthaften Gegenwind für die Strategie von Vorstandschef Hiesinger gab es auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp nicht. Gestritten wurde allerdings über die Dividende.

Stahlkonzern

Thyssenkrupp-Chef warnt Aktionäre vor Verlusten

Stahlkonzern: Thyssenkrupp-Chef warnt Aktionäre vor Verlusten

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BochumSollte Heinrich Hiesinger noch am Freitagmorgen vielleicht Sorgen gehabt haben, seine Strategie eines integrierten und diversifizierten Industriekonzerns würde von den Aktionären von Thyssen-Krupp grundsätzlich in Frage gestellt oder gar zerpflückt werden – er konnte sich im Laufe der Aussprache auf der diesjährigen Hauptversammlung entspannt zurücklehnen. Nur vereinzelt gab es moderate Kritik. Die meisten Anteilseigner lobten den Kurs des Vorstands und die bislang erreichten Fortschritte beim Umbau des Konzerns.

Der schlechte Aktienkurs, die magere Dividende von 15 Cent, vielleicht auch noch die Forderung, sich aus dem Rüstungsgeschäft zurückzuziehen – diese Themen brannten den Anteilseignern viel stärker auf den Nägeln als eine strategische Grundsatzdebatte. Ganz im Gegenteil: Selbst kritische Aktionäre wie Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment ließen während ihrer Rede etliche Molltöne einfließen.

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Thyssen-Krupp kommt langsam voran, doch Marktturbulenzen setzen dem Konzern zu: Der Gewinnzuwachs speist sich vor allem aus Einsparungen, Firmenverkäufe führen zu zu hohen Sonderabschreibungen. Der Thyssen-Chef erwartet ein schwieriges Jahr.

Zwar mahnte er vor 2000 Aktionären in dem nur mäßig gefüllten Ruhrkongress in Bochum vom Vorstand mehr Mut zur Veränderung an und forderte vom Vorstand zumindest Überlegungen, welche Vorteile ein Verkauf der Komponentensparte oder des Aufzugsgeschäfts haben könnte. Eine Zerschlagung des Konzerns verlangte er aber nicht. „Wir teilen ihren Kurs der Evolution und sehen in schwierigen Marktphasen durchaus die Vorteile eines diversifizierten Industriekonzerns“, sagte er. Die Ankündigung einer Revolution klingt anders.

Entsprechend zurückhaltend gab sich ein Aufsichtsratsmitglied, der aufmerksam der Versammlung folgte, dessen Name immer dann von anderen Aktionären angeführt wurde, wenn die Rede auf notwendige Veränderungen im Konzern kam: Jens Tischendorf, Partner des schwedischen Finanzinvestors Cevian, mit 15 Prozent zweitgrößter Aktionär des Traditionskonzerns. Cevian trägt zwar offiziell die Strategie des Vorstandes mit, der Umbau von Thyssen-Krupp geht ihm aber zu langsam voran.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Außerdem ist Cevian unzufrieden mit der Entwicklung des Aktienkurses, der binnen eines Jahres ein Drittel seine Wertes verloren hat und derzeit bei 15 Euro liegt. Die Abspaltung einer lukrativen Industriesparte würde aus Sicht eines Finanzinvestors durchaus sinnvoll sein: Zum einen würden Milliarden in die Konzernkasse gespült, zum anderen die Kursphantasie an der Börse beflügeln.

Echten Streit gab es über die geplante Dividende für das laufende Jahr. „Statt 85 Millionen Euro an die Aktionäre auszuschütten, müsste dringend die Bilanz gestärkt werden“, klagte der Portfolio-Manager von Union Investment, Ingo Speich. Eine Eigenkapitaldecke von neun Prozent sei viel zu niedrig.

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