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25.01.2007

12:38 Uhr

Hauptversammlung von Siemens

Von Pierer gesteht Fehler ein

Die zur Stunde laufende Hauptversammlung des Siemens-Konzerns gleicht für Konzernchef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer einem Spießrutenlauf. Sie müssen sich wegen der Schmiergeldaffäre, der saftigen Gehaltserhöhung für den Vorstand und der Pleite ihrer ehemaligen Handy-Sparte verantworten. Von Pierer gibt sich ungewohnt selbstkritisch.

Von Pierer kurz vor der Hauptversammlung. Foto: dpa dpa

Von Pierer kurz vor der Hauptversammlung. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Die von ihm eingeleiteten Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung seien nicht ausreichend gewesen, räumte der ehemalige Vorstandschef am Donnerstag vor rund 9 000 Aktionären in der Münchner Olympiahalle ein. „Es bedrückt mich persönlich besonders stark, dass diese Bemühungen nicht in ausreichenden Maß erfolgreich gewesen sind.“ Es habe sich leider herausgestellt, dass Verhaltenscodexe und Schutzmaßnahmen „möglicherweise gezielt unterlaufen wurden“.

Pierer betonte, er werde, um jeden Anschein der Befangenheit als Aufsichtsratschef zu vermeiden, allen Sitzungen zur Aufklärung des Skandals fernbleiben. Aktionärsschützer hatten kritisiert, dass Pierer nun als Aufsichtsratschef Vorfälle aufklären müsse, die zum Großteil in seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender geschehen sind.

Einige Aktionärsschützer hatten angekündigt, gegen eine Entlastung der Siemens-Führung zu stimmen. Die ISS, größte und wichtigste Organisation für die Beratung institutioneller Investoren in den USA, hat ihren Kunden ebenfalls empfohlen, Siemens-Vorstand und -Aufsichtsrat nicht zu entlasten. „Dieses Votum ist für institutionelle Aktionäre praktisch bindend“, sagte ein hochrangiger Fondsmanager dem Handelsblatt. „Auf der Hauptversammlung gibt es einen großen Knall“, hieß es. Zu den Kunden von ISS gehören namhafte Fondsgesellschaften. ISS begründet die Empfehlung damit, dass das Siemens-Management zu spät auf den Korruptionsskandal reagiert und damit seine Pflichten vernachlässigt habe.

Aufreger Vorstandsgehälter

Auch bei Erhöhung der Vorstandsgehälter um 30 Prozent habe es Fehler gegeben, räumte von Pierer ein. „Es gibt gar keinen Zweifel, dass die Angelegenheit nicht gut gelaufen ist und dass wir daraus Konsequenzen zu ziehen haben“, sagte er. „Wir werden in Zukunft Gehaltssprünge in dieser Dimension vermeiden“, kündigte er unter starkem Beifall der Aktionäre an.

Vorstandschef Klaus Kleinfeld sagte, der Konzern müsse mit zwei Gesichtern auf 2006 zurückblicken: Mit einem strahlenden auf die guten Geschäfte und mit einem düsteren auf die schweren Vorwürfe im Schmiergeldskandal: „Ich versichere Ihnen, wir tun alles, um die Vorfälle umfassend und vollständig aufzuklären“, versprach Kleinfeld, „für unsaubere Geschäftspraktiken gibt es keinen Platz in unserer Firma.“

Im Zusammenhang mit der Pleite der ehemaligen Siemens-Handysparte wandte sich Kleinfeld direkt an die BenQ-Mitarbeiter: „Es tut mir aufrichtig Leid, dass Sie und Ihre Familien in den letzten Monaten so viel durchmachen mussten“, sagte er und fügte hinzu: „Da ist etwas gewaltig schief gelaufen.“ Aufsichtsratschef Pierer sagte, die Pleite des Handy-Herstellers sei „außerordentlich bedauernswert und für alle Betroffenen sehr schmerzlich.“

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